07.12.2015 | Serie Unternehmenskultur als Grundlage für Compliance

Die Wohltäter: Outsourcing von Unternehmensethik?

Serienelemente
Spenden, helfen, Leben retten - wenn Milliardäre Gutes tun
Bild: MEV-Verlag GmbH, Germany

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg möchte zum Wohltäter der Menschheit avancieren, Bill Gates ist es schon. 41 Milliarden Dollar schwer ist die Bill &. Melinda Gates Stiftung, Zuckerberg will die Vorlage toppen und 45 Milliarden Dollar in seine Stiftung stecken. Was ist vom Wettlauf der Wohltäter-Milliardäre zu halten?

99 % seiner Facebook Anteile will Zuckerberg für wohltätige Zwecke in seine Stiftung stecken. PR-Coup oder die pure Sorge ums Gemeinwohl, fragt sich das staunende Publikum. Konstatiert werden darf: Zuckerberg hat seinen Plan werbeträchtig zusammen mit seiner Ehefrau Prescilla Chan in einem langen Brief an die kürzlich geborene Tochter Max öffentlichkeitswirksam  angekündigt.

„Wie alle Eltern wollen wir, dass du in einer Welt aufwächst, die besser ist als unsere heutige“.

Und dazu soll die Stiftung beitragen, Mark Zuckerberg würde damit zum größten Philanthropen aller Zeiten.

Philanthropie gibt es schon seit dem Altertum

Die Geschichte der Philanthropie reicht bis in die Antike zurück. Der aus dem Griechischen stammende Begriff bezeichnet die wohlwollende, auf das Gemeinwohl bezogene, großzügige Einstellung Mächtiger und Wohlhabender. Bereits im Altertum wurden Philanthropen öffentlich geehrt, die Dankbarkeit des Volkes war ihnen gewiss. Philanthropen gab es zu allen Zeiten auch bei uns.

  • In Deutschland hat sich die reiche Kaufmannsfamilie der Fugger einen Namen gemacht. Jakob Fugger spendierte der Stadt Augsburg im 16. Jahrhundert die Fuggerei, die älteste heute noch existierende Sozialsiedlung der Welt.
  • Die in den Jahren 1964/1969 gegründete Robert-Bosch-Stiftung beruht auf dem philanthropischen Vermächtnis des im Jahre 1942 verstorbenen Firmengründers Robert Bosch. Die Stiftung befördert die wissenschaftliche Forschung zu Gesundheitsfragen, die bildenden Künste und die Völkerverständigung. 1,4 Milliarden Euro sind seit ihrer Gründung bis heute in die Stiftung geflossen.

Zuckerberg kündigt 45-Milliarden-Dollar- Spende an

Die finanziellen Dimensionen der aktuellen Stiftungen sind allerdings ganz andere als die bei braven deutschen Wohltätern. Facebook-Aktien im Wert von 45 Milliarden Dollar als Beitrag zur Bewältigung der dringendsten Probleme in der Welt - das ist eine Hausnummer von neuer Qualität.

  • Das Vermögen soll allerdings nicht sofort, sondern sukzessive in die Stiftung einfließen, in Aktienpaketen im Wert von je 1 Milliarde Dollar.
  • Die Stiftung soll sich nach den Ankündigung des Facebook-Chefs dem Kampf gegen Krankheiten verschreiben.
  • Sie soll helfen, die Menschen noch stärker zu vernetzen, neue Technologien sollen entwickelt werden,
  • Auch neue Lernprogramme auf die Bedürfnisse von Schülern auch in ärmeren Ländern zugeschnitten werden.
  • Klar umrissen sind die Aufgabengebiete noch nicht.

Wettlauf der Philanthropen um den höchsten Einsatz

Inzwischen kann man fast von einem Wettbewerb der Wohltäter sprechen. Bill Gates und der mehrfache Milliardär Warren Buffet haben ein regelrechtes Wohltätigkeitswettrennen entfacht.

  • Die von den Milliardären ins Leben gerufene Initiative „Giving Pledge“ hat eine Reihe von Milliardären dazu gebracht, einen großen Teil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zur Verfügung zu stellen.
  • Ca. 130 Milliardäre weltweit haben sich der Initiative inzwischen angeschlossen. Projekte im Gesundheits- und Bildungsbereich auch in ärmeren Ländern, aber auch die Entwicklung von Technologien zur Minimierung des Hungers auf der Welt wurden angestoßen.

Wer gibt, dem wird auch gegeben

Altruistische Motive dürften aber nicht allein das Motiv solcher Engagements sein. Mark Zuckerberg gründet die Stiftung als „Chan Zuckerberg Initiative LLC“.

  • Diese US-amerikanischen Gesellschaftsform hat sowohl körperschaftlichen als auch personenrechtlichen Charakter, was nach US-amerikanischem Steuerrecht dazu führt, dass bei einem Transfer von Aktienvermögen Zuckerberg die komplette Summe von seinem zu versteuernden persönlichen Einkommen in Abzug bringen kann.
  • Die Einspareffekte für Zuckerberg dürften beträchtlich sein. Das Outsourcing zumindest eines Teils der Unternehmensethik in eine Stiftung hat also durchaus positive steuerliche Aspekte für den Initiator. 

Facebook bevorzugt Steueroasen

Steuerlich wird das Zuckerberg-Unternehmen Facebook in der EU ohnehin kritisch betrachtet. In Deutschland wie auch in den meisten anderen EU-Staaten fällt praktisch kein Gewinn an.

  • Die Zentrale des Unternehmens befindet sich in der „Steueroase“ Irland. Die europaweiten Werbeeinnahmen von Facebook fließen nach Dublin.
  • Auch die Anforderungen an den Datenschutz liegen in Irland innerhalb der EU mit am niedrigsten. Diese Umstände sprechen nicht unbedingt für einen ausschließlich altruistischen Ansatz des Firmengründers.

Aber man muss auch nicht miesepetrig sein

Aber man muss auch nicht miesepetrig sein und mit solch kritischen Argumenten die möglichen positiven Wirkungen solcher Stiftungen negieren. Der Ansatz „Milliardäre sorgen sich um das Gemeinwohl“ ist ja nicht schon deshalb nutzlos, weil für die Initiatoren dabei auch was herausspringt. Wenn beide Seiten etwas davon haben - die Milliardäre und das gemeine Volk - ist es ja auch nicht schlecht. Nur einer schaut dabei in die Röhre - und das ist der Fiskus. Das trifft dann allerdings auch wieder die Allgemeinheit.

Vgl. zu dem Thema auch:

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Schlagworte zum Thema:  Unternehmenskultur, Ethik, Stiftung, Compliance, Compliance-Kultur

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