Novartis wollte über Donald Trumps Anwalt bessere Kontakte zum Weißen Haus knüpfen Bild: PhotoDisc Inc.

Der Chefjurist von Novartis gibt seinen Posten wegen einem zweifelhaften Beratervertrag mit dem Anwalt Donald Trumps Michael Cohen auf. 1,2 Millionen Dollar soll der US-Anwalt für eine nicht näher spezifizierte Beratertätigkeit erhalten haben, die als Vorstufe zur Lobbyarbeit verstanden wurde. Nun soll eine neue Unternehmensethik Einzug halten.

Der Chefjurist von Novartis Felix Ehrat hat über einen Beratervertrag seit Februar 2017 dem Anwalt des US Präsidenten 1 Jahr lang monatlich 100.000 Dollar zukommen lassend. Ehrat besteht darauf, dass dieser Vertrag juristisch nicht zu beanstanden sei, der Vertrag habe allerdings seinem Unternehmen auch nichts gebracht.

Zahlungen in Zusammenhang mit neuem Krebsmedikament?

Die Überweisungen an den US-Anwalt erfolgten zeitnah mit den Verhandlungen über die Höhe der Erstattungen aus einer von Novartis entwickelten neuen Krebstherapie. Kurz zuvor hatte sich der US Präsident dem Thema Reform der von seinem Vorgänger eingeleiteten Gesundheitsreform zugewandt - ein nicht uninteressanter zeitlicher Zusammenhang.

Neubeginn mit der bisherigen Compliance-Beauftragten?

Der damalige CEO von Novartis, Joe Jiminez, hatte den Beratervertrag mit Cohen für das Unternehmen mitunterzeichnet. Ehrat erklärte nun, die Verantwortung zu übernehmen und zum 1.6.2018 zurückzutreten. Die im Verwaltungsrat für Compliance verantwortliche Managerin Shannon Thyme Klinger, ihres Zeichens „Chief Ethics Risk and Compliance Officer“, soll nun an die Stelle von Ehrat treten. Kaum ist diese Personalie bekannt, schießen auch schon die Spekulationen ins Kraut, dass die US-Managerin Klinger auch in ihrer bisherigen Funktion von dem Deal mit Cohen gewusst haben müsse. Wäre dem so, wäre auch die neue Chefjuristin schon vor Beginn ihrer neuen Tätigkeit nicht unbelastet.

Nähe zum neuen Präsidenten erkauft?

Der einstige CEO Jiminez stellt den Beratervertrag mit Cohen als unterhalb üblicher Lobbyarbeit angesiedelt dar. Nach dem Regierungswechsel in den USA seien den Lobbyisten von Novartis die neuen Regierungsmitglieder weithin unbekannt gewesen. Man habe gehofft, über Cohen wichtige Persönlichkeiten im Team Donald Trumps kennen zu lernen. Dies sei Voraussetzung des täglichen Lobbyismus von Unternehmen. Ohne diese Beziehungen sei es unmöglich, einzuschätzen, wie eine Regierung auf bestimmte Unternehmensstrategien reagieren werde. Ohne solche Kenntnisse seien marktstrategische Entscheidungen von Unternehmen nicht sinnvoll möglich.

Cohen war sein Geld nicht wert

Im Nachhinein betrachtet Novartis den Beratervertrag mit Cohen aber auch aus lobbyistischer Sicht als Fehler, da der Vertrag in der Praxis überhaupt nichts gebracht habe. Cohen sei es nicht gelungen, irgendwelche nennenswerten Kontakte herzustellen. Interessant ist, dass der US-Telekommunikationsriese AT&T es vor einigen Tagen ebenfalls als Fehler bezeichnet hat, Cohen als Berater engagiert zu haben. Der Beratervertrag habe auch dem Telekommunikationsunternehmen keine nennenswerten Vorteile gebracht.

US-Sonderermittler Mueller hat die Vorgänge aufgedeckt

Die Öffentlichkeit auf die Vorgänge aufmerksam gemacht hat der amerikanische Sonderermittler Robert Mueller. Die Zahlungen an Cohen bzw. an dessen Firma Essential Consultants zeitgleich mit den Verhandlungen von Novartis über die Erstattungsansprüche für die neue Krebstherapie hatten seine Aufmerksamkeit geweckt. Über die Firma Essential Consultants waren auch die Zahlungen an die US-Pornodarstellerin Stormy Daniels geflossen. Unmittelbar nach der Wahl Trumps hatte ein russischer Oligarch 500.000 Dollar an das Unternehmen überwiesen.

Neuer Novartis-Chef will gesellschaftliches Vertrauen zurückgewinnen

Wie inzwischen in solchen Verdachtsfällen üblich, hat der jetzige Chef von Novartis, Vas Narasimhan gelobt, an der weiteren Aufklärung der Angelegenheit mitzuwirken. Die Unternehmensethik stehe vor einem Neuanfang. Das Unternehmen werde alles tun, um das gesellschaftliche Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

  • In einem Memo entschuldigte sich der Chef bei allen Mitarbeitern des Unternehmens.
  • In einer gigantischen Telefonkonferenz mit 5.000 Top-Managern forderte der Chef die Manager auf, die Art und Weise zu überdenken, wie Novartis Geschäfte mit Beratungsfirmen, Lobbyisten und ähnlichen Geschäftskunden tätigt.
  • Hier müsse eine neue Unternehmensethik Einzug halten. 

Auch in der Schweiz ist Novartis noch nicht aus dem Schneider

Aber auch der neue Chef ist bereits in die Kritik geraten. Gegenstand der Kritik ist ein Treffen des neuen Konzernchefs mit Präsident Donald Trump zu einem gemeinsamen Abendessen in Davos zusammen mit 15 anderen europäischen Konzernlenkern.

Narasimhan betont, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen dem Beratervertrag und seiner Teilnahme an dem Trump-Essen gebe. Allerdings könnten dem neuen Konzernchefs auch in der Schweiz noch Unannehmlichkeiten drohen. Auch die schweizerische Bundesanwaltschaft und die Staatsanwaltschaft Basel haben sich eingeschaltet und stehen in intensivem Gedankenaustausch. Ein förmliches Ermittlungsverfahren wurde in der Schweiz allerdings noch nicht eingeleitet.

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Schlagworte zum Thema:  Lobbyismus, Lobbyarbeit, Compliance-Kultur

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