25.08.2016 | Risikomanagement

Damit ein Lieferantenboykott nicht existenzbedrohend wird

Wenn die Bänder still stehen - Risiko Leferantenboykott
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Vom Dieselgate zum Liefergate oder konnte VW gerade noch Schlimmeres abwenden? Im Stammwerk Wolfsburg jedenfalls stand die Produktion des VW-Golfs wegen eines Lieferantenboykotts still. Was lernen wir daraus? Lieferantenmanagement ist Risikomanagement.

Tausende VW-Beschäftigte können hoffentlich bald wieder wie gewohnt zur Arbeit gehen und Autos zusammenbauen. Das zumindest scheint fest zu stehen nach der Einigung zwischen Volkswagen und den beiden Zulieferern, die sich mit dem Weltkonzern angelegt hatten. Ansonsten aber ist nach den nächtlichen Verhandlungen vieles unklar.

Nach "Dieselgate", dem Abgasskandal mit dramatischen Folgen, hat VW nun sein "Liefergate" erlebt. Das Ziel von VW muss es nun sein, eine derartige Eskalation eines Streits mit Lieferanten in Zukunft zu verhindern.

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Risikomanagement, damit ein Lieferantenboykott nicht existenzbedrohend wird

Das Hauptproblem: VW hatte sich bei dem kleinen Getriebeteil der Firma ES Automobilguss - die neben der Schwesterfirma Car Trim auf einmal nicht mehr lieferte - einzig auf diesen Lieferanten verlassen.

"Single Sourcing" (Einzelquellen-Beschaffung) heißt das in der Fachsprache. Einzelquellen-Beschaffung bringt wegen größerer Mengen Kostenvorteile: Masse drückt den Preis, das hilft beim Sparen. Doch dies ist riskant, wie das Beispiel VW zeigt.

Hat VW elementare Regeln der Risikoabsicherung beim Lieferantenmanagement außer Acht gelassen?

Branchenexperten sehen in der Einkaufspolitik bei VW eine Achillesferse. Diese habe "elementarste Regeln der Risikoabsicherung" außer Acht gelassen, kritisierte Ferdinand Dudenhöffer vom Marktforscher CAR.

Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft erwartet durch den Streit zwar keine grundsätzlichen Verschiebungen im Machtgefüge zwischen großen Autobauern und kleineren Zulieferern. "Womöglich wird jetzt aber in der Branche stärker diskutiert, dass es um eine vertrauensvolle, langfristige Kooperation gehen muss."

Risikomanagement beinhaltet partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferanten

"Oft werden die Risiken allein auf die Lieferanten abgewälzt - und diese werden häufig nur noch beatmet", meint Bratzel. Wettbewerbsstarke Zulieferer mit guten Produkten würden durch billigere ersetzt, was für die gesamte Branche nicht gut sei.

Ins gleiche Horn stößt auch der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). "Ein Top-Lieferant fällt nicht vom Himmel", sagt BME-Hauptgeschäftsführer Christoph Feldmann. Gute Lieferanten müssten aufgebaut werden, etwa durch gemeinsame Entwicklung der Produkte. Kostendruck sei nur die eine Seite.

Um was ging es eigentlich beim Streit zwischen VW und seinen Zulieferern?

Ging es im VW-Streit um ein Projekt, das nicht zustandegekommen war? Und deswegen riefen die Unternehmen aus "Selbstschutz" den Lieferboykott aus und bauten Gegendruck auf?

Im Umfeld des VW-Konzerns hieß es, im Streit sei es ums Grundsätzliche gegangen. Nun habe es in Wolfsburg Befürchtungen gegeben, der Fall könne Signalwirkung auf die gesamte Branche haben.

Um weiteren Schaden für beide Seiten abzuwenden, verhandelten VW und die beiden Firmen der Prevent-Gruppe daher seit Montagmittag in einem Wolfsburger Hotel rund 20 Stunden lang. Die Frage ist zu stellen, ob VW nach dem Ende der Lieferverträge weiter mit den Firmen zusammenarbeitet. Und laut Manager Magazin schwelt der Konflikt in Brasilien weiter.

Was lernen wir aus "Liefergate"?

Einkaufs-Experte Feldmann empfiehlt nicht nur der Autoindustrie, nicht alles auf eine Karte zu setzen. "Man sollte als Lehre aus dem VW-Zuliefererstreit ziehen, das Lieferantennetz möglichst engmaschig zu knüpfen und mindestens eine 2-Zuliefererstrategie zu fahren."

Ob die Zulieferer sich mit dem Streit einen Gefallen getan haben, darf zumindest bezweifelt werden. Immerhin: Auch die Beschäftigten bei ES Guss im sächsischen Schönheide dürften zunächst aufatmen.

Kurz-Checkliste für die Lieferantenbewertung

Fallen wichtige Anbieter aus, drohen nicht nur unmittelbare Folgen wie Produktionsstillstand und Umsatzausfälle. Daher müssen Sie sich auch mit der Frage befassen, wie zuverlässig Ihre Lieferanten auch künftig voraussichtlich sein werden. Überprüfen Sie Ihre Lieferanten regelmäßig. Als Einstieg hilft Ihnen die Kurz-Checkliste für die Lieferantenbewertung.

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Schlagworte zum Thema:  Lieferantenmanagement, Lieferantenbeurteilung, Lieferantenanalyse, Lieferantenkette, Zulieferer, Autoindustrie

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