| Compliance von Mitarbeitern

Lügen und Betrügen ist ansteckend, korrektes Verhalten auch

Bindet man Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ein, wird "korrektes" Verhalten gefördert.
Bild: Haufe Online Redaktion

Große Korruptionsfälle machen Schlagzeilen. Doch wie sieht es mit der Ehrlichkeit der Beschäftigten generell aus? Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG in der Schweiz wollte es genau wissen und startete eine Umfrage. Ergebnis: fast zwei Drittel der Angestellten verhalten sich nicht korrekt. Warum?

428 Beschäftigte aus privaten Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in der Schweiz wurden befragt, wie genau sie es mit den Regeln und Geboten am Arbeitsplatz nehmen. Dazu erhielten sie einen Katalog, in dem 37 Formen unethischen Verhaltens aufgeführt waren. 64 % gaben an, sich innerhalb der letzten 12 Monate mindestens einmal nicht korrekt verhalten zu haben.

Die meisten Vergehen der befragten Beschäftigten wenden sich gegen das eigene Unternehmen

Eine Auswahl der Ergebnisse zeigt, welche Vergehen wie oft begangen werden:

  • die Verschwendung bzw. der Missbrauch von Ressourcen (über 36 %),
  • die Begünstigung von Freunden und Verwandten bzw. Entscheidungen zugunsten des Eigeninteresses (25 %),
  • Verstöße gegen Auflagen zur Dokumentenaufbewahrung (fast 10 %),
  • Umgehen von Kontrollsystemen der IT-Sicherheit (knapp 9 %),
  • Ungenauigkeiten bei Arbeitszeiten, Spesenabrechnungen sowie Diebstahl von Material und Unterschlagung von Geld (knapp 5 %),
  • Missbrauch von vertraulichen Informationen (4 %).

Lügen und Betrügen ist ansteckend, korrektes Verhalten auch

Wenn der Kollege betrügt, nimmt man es selbst auch nicht mehr so genau. Besonders gefährdet, sich nicht korrekt zu verhalten, sind Mitarbeiter, die ihr Arbeitsverhältnis als unsicher einschätzen und die wenig an Entscheidungsprozessen beteiligt sind.

Auffällig ist zudem, dass viele zum Stehlen, Betrügen und Unterschlagen animiert werden, wenn sie solches Verhalten bei Kollegen beobachten. Da 80 % der Studienteilnehmer angaben, in den letzten 12 Monaten unethisches Verhalten am Arbeitsplatz beobachtet zu haben, ist die Gefahr groß, dass Fehlverhalten in den Unternehmen weiter zunimmt.

Im Umkehrschluss liegt die Vermutung allerdings nahe, dass auch korrektes Verhalten - als Teil einer Unternehmenskultur - ansteckend ist .

Korrektes Verhalten als Unternehmenskultur: Ehrlichkeit fördern und Vertrauen aufbauen

Damit im Unternehmen die Ehrlichkeit gefördert wird und Vertrauen entstehen kann, raten die Experten von KPMG,

  • Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse einzubinden,
  • die Erwartungen der Mitarbeiter zu kennen und mit ihnen darüber zu sprechen,
  • Arbeitsplatzsicherheit zu vermitteln,
  • grundlegende Verhaltensregeln zu vereinbaren,
  • die Regeln zu verbreiten und sie vorzuleben und
  • Vertrauenspersonen zu bestellen oder Hotlines einzurichten.

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Schlagworte zum Thema:  Unternehmenskultur, Compliance-Kultur, Kultur

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