Kein WhatsApp mehr auf Diensthandys von DFB-Mitarbeitern

Wegen erheblicher Datenschutzbedenken will der Deutsche Fußballbund seinen Mitarbeitern die Nutzung von WhatsApp auf Dienst-Handys verbieten. Datenschutzbehörden stufen den Dienst schon seit langem als äußerst bedenklich ein und sprechen sich gegen den Einsatz bei Behörden und Unternehmen aus.

Die Nutzung von WhatsApp durch Firmen, Behörden und sonstige Organisationen ist schon seit längerem umstritten. Datenschützer weisen immer wieder auf die datenschutzrechtlichen Probleme des Messenger-Dienstes hin und verweisen auf andere Messenger-Apps, die eine DSGVO-konforme Alterative darstellen können.

Zwei große Problemfelder bei der Nutzung von WhatsApp

Nun hat auch der Deutsche Fußballbund angekündigt, die Nutzung von WhatsApp auf den Diensthandys der Mitarbeiter untersagen zu wollen. Wie Heise Online berichtet, begründet der Verband seine Entscheidung damit, dass man durch das Verbot die Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung einhalten wolle. Gleich in zweierlei Hinsicht sieht man beim DFB erhebliches Konfliktpotenzial durch eine Verwendung von WhatsApp auf den Diensthandys.

  • WhatsApp gelangt an Daten von Personen, die der Datenübertragung nicht zugestimmt haben

Primär geht es dabei um den Zugriff von WhatsApp auf die in den persönlichen Adressbüchern der Nutzer gespeicherten Kontaktdaten. WhatsApp gelangt so auch an Daten von Personen, die dieser Datenübertragung gar nicht zugestimmt haben und die darüber auch nicht weiter informiert werden. Nach den Vorgaben der DSGVO müssten die Betroffenen jedoch vor einer solchen Datenverarbeitung ihre Einwilligung gegeben haben, was sich nicht ohne erheblichen Aufwand realisieren lässt.

  • Problematische Nutzung der Daten zu Werbezwecken durch WhatsApp

Zum anderen sieht man beim DFB auch Probleme bei der Nutzung personenbezogener Daten zu Werbezwecken durch WhatsApp bzw. den Facebook-Konzern, der sich vorbehält, auch auf die Daten von WhatsApp-Nutzern zuzugreifen. Facebook hatte bereits im Jahr 2014 den Messenger-Dienst für eine Kaufsumme von rund 19 Milliarden US-Dollar übernommen.

Keine neue Problematik

Die datenschutzrechtlichen Probleme der Nutzung von WhatsApp werden schon seit Jahren immer wieder thematisiert. Bereits 2018 veröffentlichte beispielsweise die niedersächsische Datenschutzbehörde ein kritisches   Merkblatt zur Nutzung von WhatsApp bei Behörden und sonstigen öffentlichen Stellen in Niedersachsen und ging darin ausführlich auch auf die jetzt vom DFB angeführten Problembereiche ein. Die Datenschutzbehörde kommt dabei zu dem Schluss, dass eine datenschutzkonforme Nutzung von WhatsApp im Grunde nicht möglich ist.

Bundesbeauftragte für den Datenschutz mahnt schon länger

Ähnlich sieht dies auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, der im Frühjahr 2020 anlässlich der durch  die Corona-Pandemie bedingten Zunahme der Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln wie Instant-Messengern erneut darauf hinwies, dass er einen Einsatz von WhatsApp bei Bundesbehörden ausschließt.

Zu einem klaren Verbot konnte sich der Bundesbeauftragte allerdings auch nicht durchringen, da zum damaligen Zeitpunkt noch ein Verfahren gegen Facebook vor der für den Konzern zuständigen irischen Datenschutzbehörde lief. Mittlerweile hat die irische Behörde zwar gravierende Datenschutzverstöße bei Facebook festgestellt und daraufhin ein Rekordbußgeld in Höhe von rund 225 Millionen Euro verhängt, allerdings hat Facebook bereits angekündigt, Einspruch gegen das Urteil einzulegen, sodass sich die juristischen Auseinandersetzungen weiter hinziehen dürften.

Auch Unternehmen haben Zweifel an WhatsApp

Die Datenschutzbehörden halten eine DSGVO-Konforme Nutzung von WhatsApp nicht nur bei Behörden sondern auch bei Unternehmen aus denselben prinzipiellen Gründen für nicht möglich. Zu den wenigen großen Konzernen, die daraus Konsequenzen gezogen haben, gehört etwa der Automobil-Zulieferer Continental, der seinen Mitarbeitern die Nutzung des Messengers bereits 2018 untersagt hat.

DFB empfiehlt Verwendung von Messenger-Dienst Signal

Der Deutsche Fußball Bund will seinen Mitarbeitern auch nach dem Verbot von WhatsApp die Möglichkeit des schnellen Nachrichtenaustauschs bieten und empfiehlt dazu die Verwendung des Dienstes Signal.

Dieser Dienst zeichnet sich durch mehrere datenschutzfreundliche Funktionen aus. So handelt es sich um eine Open-Source-Lösung, die nicht nur eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet, sondern auch die übermittelten Nachrichten nicht in einem Cloudspeicher archiviert und diese stattdessen nach einer bestimmten Zeit automatisch löscht.

Zwar liest auch Signal die in den Adressbüchern gespeicherten Kontaktdaten aus, diese werden aber ausschließlich lokal in der App auf den Endgeräten genutzt und nicht auf die Server des Dienstanbieters übertragen. Problematisch ist allerdings, dass Signal ebenso wie andere Instant-Messenger nur auf eine wesentlich niedrigere Nutzerzahl als WhatsApp kommt, und man somit nur mit einer sehr begrenzten Anzahl von Personen auf diesem Wege kommunizieren kann.

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Schlagworte zum Thema:  Datenschutz-Grundverordnung, Datenschutz