| Kartell-Jäger der Bahn

Interview mit Chef der Spezialeinheit Tilman Makatsch

Die Deutsche Bahn sucht Firmen, die unerlaubte Preisabsprachen vereinbarten
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Für die Deutsche Bahn arbeiten seit Herbst letzten Jahres eigene Kartell-Jäger. Und es lohnt sich, die Spezialeinheit mit 6 Juristen treibt Millionen ein. Die dpa sprach mit ihrem Chef Tilman Makatsch.

Nach eigener Schätzung wurde die Deutsche Bahn in den vergangenen 5 Jahren durch unerlaubte Preisabsprachen von Lieferanten um mehr als eine Milliarde Euro betrogen.

Warum ermittelt die Bahn in Kartellsachen? Es gibt doch das Bundeskartellamt.

Das Bußgeld des Bundeskartellamts geht in den Staatshaushalt. Geschädigte Unternehmen haben davon nichts. Ich gehe davon aus, dass 90 % der Geschädigten ihre Schadensersatzansprüche nicht durchsetzen. Das heißt, der Kartellant behält die Kartellrendite. Unser Ziel ist es, dass sich in einigen Jahren kein Lieferant mehr traut, der DB überteuerte Produkte anzubieten. Private Kartellrechtsdurchsetzung hat auch eine stark präventive Wirkung.

Sie setzen also auf Abschreckung?

Wir wollen niemanden an den Pranger stellen - wir wollen nur einen Ausgleich für die durch illegale Kartelle erlittenen Schäden. Viele Unternehmen versuchen, sich vor Schadensersatzansprüchen von geschädigten Unternehmen zu drücken, und kooperieren auf der anderen Seite mit den zuständigen Behörden mit dem Ziel, das Bußgeld zu verringern. Das ist erstaunlich und passt für uns nicht zusammen.

Wie gehen sie vor und wieviel Geld konnten sie bisher eintreiben?

Wir versuchen, Anreize zu schaffen, sich außergerichtlich mit der DB zu einigen. Es gibt quasi ein bahneigenes Amnestieprogramm. Der erste bekommt einen Vergleichsabschlag, wenn er uns hilft, gegen die anderen vorzugehen. Das ist für uns Geld wert - und für Kartellanten dient es der Image-Pflege. Wir haben bisher 8 Vergleiche abgeschlossen und einen dreistelligen Millionenbetrag durch diese Vergleiche reingeholt. Das Verhältnis Aufwand-Ertrag ist mindestens eins zu zehn.

Welchen Fällen gehen sie momentan nach?

Wir haben eine Watchlist von derzeit 65 Fällen, in denen wir potenziell betroffen sein könnten. In 20 Fällen sind wir bereits dabei, Schadensersatz bei den Kartellanten durchzusetzen. Wir gehen dabei von einem Gesamtschaden von einer Milliarde Euro aus. Zunächst versuchen wir, uns in außergerichtlichen Gesprächen zu einigen. 11 Verfahren liegen allerdings schon vor Gericht - unter anderem in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.

Schlagworte zum Thema:  Kartellamt, Kartellrecht, Kartell, Preisabsprachen, Deutsche Bahn

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