Kurzer Blick, um zu analysieren, welches Werbevideo dem Kunden gefallen könnte Bild: Haufe Online Redaktion

Das derzeit in Filialen der Supermarktkette Real sowie Partnershops der Post getestete System zur Gesichtserkennung an Werbe-Displays ist nach einer Einschätzung des Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht unbedenklich. Die Behörde hatte sich durch eine Vor-Ort-Kontrolle beim Betreiber informiert und kommt zu einer anderen Einschätzung als Datenschutzbehörden anderen Bundesländern, die sich skeptisch zeigten.

Die derzeit in rund 40 Filialen der Real-Supermarktkette sowie rund 100 Partnershops der Deutschen Post getesteten Systeme zur automatischen Gesichtserkennung an Werbedisplays ist nach Ansicht der Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht unbedenklich.

Bayerischer Datenschutzbeauftragte hält Gesichtserkennung für unbedenklich

Wie das Handelsblatt kürzlich berichtete, kam die Behörde zu dieser Einschätzung, nachdem man sich mit einer spontanen Vor-Ort-Kontrolle beim Betreiber dieses Dienstes, dem Unternehmen Echion, ausführlich über das System informiert hatte.

Bei Gesichtserkennung alle Datenschutz- Vorgaben erfüllt

Mit dem System sollen die Kunden

  • anhand von Alter und Geschlecht klassifiziert werden,
  • um auf dieser Grundlage passende Werbespots auf den Bildschirmen einspielen zu können.

Das verwendete System ist nach Ansicht der bayerischen Datenschützer dabei jedoch so restriktiv gestaltet, dass zum einen alle Anforderungen an eine Anonymisierung der Daten erfüllt seien und zudem personenbezogene Daten gar nicht erst erhoben würden.

Nur Metadaten verwendet

Das System sieht eine Analyse der aufgenommenen Bilder in einem Mini-Rechner vor Ort vor, wobei die Aufnahmen nach nur 150 Millisekunden sofort wieder verworfen werden. Anschließend werden ausschließlich Metadaten wie Alter, Geschlecht, Blockkontakt und Anzahl der Betrachter als Metadaten an die Server des Dienstleisters übertragen, wo daraufhin die Optimierung der Werbung durchführt.

Kein Tracking möglich

  • Die Datenschutzbehörde stuft das System als nicht besonders genau ein, da es nur eine grobe Erfassung der Kunden ermögliche, ein Tracking von Personen sei dagegen nicht möglich.
  • Allerdings schränkte der Chef der bayerischen Datenschutzbehörde ein, dass man lediglich das derzeit laufende System überprüft habe, nicht aber die theoretischen Möglichkeiten dieser Technik.

Datenschutzaktivisten wollen klagen

Nach den ersten Berichten über die Gesichtserkennung in den Geschäften hatten Datenschutz-Aktivisten des Vereins Digitalcourage angekündigt, die teilnehmenden Unternehmen verklagen zu wollen.

Auch die Datenschutzbeauftragten aus Hamburg und NRW hatten sich in ersten Stellungnahmen skeptisch zu diesem Verfahren geäußert, ohne dies jedoch genauer in Augenschein genommen zu haben.

 

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Hintergrund:

Videotechnik nur unter engen Voraussetzungen erlaubt:

Wenn Personen zu erkennen sind, darf Videotechnik nur unter engen Voraussetzungen eingesetzt werden. Dabei sind berechtigte Interessen für eine Videoüberwachung mit dem Recht abzuwägen, sich in der Öffentlichkeit frei und ungezwungen zu bewegen.

Eine rund 100 Seiten umfassende Orientierungshilfe zu dem Thema kann von der Website des LDI-NRW heruntergeladen werden.

Schlagworte zum Thema:  Videoüberwachung, Datenschutz, Recht am eigenen Bild, Werbung

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