01.06.2015 | Kommt der gläserne Versicherungsnehmer?

Bald günstigere Versicherungstarife bei Dauerüberwachung - Datenschützer warnen

Kommt der gläserne Versicherungsnehmer? Günstigere Tarife bei Dauerüberwachung
Bild: Haufe Online Redaktion

Nachdem in Deutschland bislang nur ein Pilotprojekt dieser Art durchgeführt wurde, will nun einer der größten Kfz-Versicherer spezielle Tarife anbieten, bei denen sich die Kunden durch eine Dauerüberwachung per Blackbox im Auto kontrollieren lassen und dafür im Gegenzug mit günstigeren Tarifen belohnt werden. Doch Datenschützer sehen diesen Trend zur freiwilligen Überwachung im Alltag mit erheblicher Skepsis.

In anderen Ländern wie den USA, Großbritannien oder auch Italien und Spanien gibt es bei  Autoversicherungen schon länger die Option, gegen eine Überwachung des Fahrverhaltens per Blackbox oder Smartphone günstigere Tarife zu erhalten. In Deutschland sind solche Angebote bislang die Ausnahme wie  etwa bei einem Pilotprojekt der Sparkassen-Direkt-Versicherung Düsseldorf, die 2014 einen solchen Tarif für rund 1.000 Teilnehmern gestartet hatte.

Branchengröße steigt ein

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung  will nun aber auch die HUK-Coburg, der größte Anbieter von Kfz-Versicherungen auf dem deutschen Markt, ab dem nächsten Jahr ein derartiges Angebot starten und auch andere große Versicherer haben bereits ihr Interesse bekundet.

Weitreichende Überwachung - Big Brother als Beifahrer

Autofahrer, die an diesem System teilnehmen wollen, müssen sich allerdings eine weitgehende Überwachung gefallen lassen.

  • Per Blackbox in ihrem Fahrzeug wird beispielsweise permanent kontrolliert, ob man sich an die jeweiligen Tempolimits hält
  • und es werden auch Daten zu Bremsmanövern und der Beschleunigung erfasst.

Wer also besonders sportlich unterwegs ist, wird schlechter beurteilt und muss entsprechend auch mehr bezahlen. Auch andere Daten, etwa zu den Uhrzeiten der Fahrten oder zu den zurückgelegten Strecken werden erfasst.

Nicht nur Scoring

In dem Pilotprojekt der Düsseldorfer Sparkassen Versicherung wird aus den erfassen Daten ein Scoring-Wert berechnet, der die Grundlage für die Einstufung genutzt wird und damit die mögliche Ersparnis bestimmt.

In den anderen Ländern geht die Datenerfassung allerdings noch weiter und so werden  beispielsweise in Großbritannien Nachtfahrten junger Fahrer automatisch mit einem hohen Aufschlag auf die Prämien bestraft.

Bei anderen Versicherungen sind auch Daten aus Fitness-Apps begehrt

Bei den Versicherungen stehen aber auch noch andere Daten auf der Wunschliste.

  • So bieten einige Krankenversicherungen beispielsweise Vergünstigungen oder Prämien an, wenn die Kunden ihren Fitness-Zustand per Smartphone-App überwachen lassen
  • und damit etwa Informationen zur täglichen Bewegung oder über Trainingseinheiten aufzeichnen und an die Kassen übermitteln.

Skeptiker warnen - schleichender Übergang in Quasi-Zwangsüberwachung?

Datenschützer sehen die Bemühungen der Versicherer, mehr Daten über ihre Kunden zu gewinnen, jedoch mit erheblicher Skepsis. Insbesondere fürchten sie, dass es in Zukunft  kaum noch möglich sein könnte, sich dieser Überwachung zu entziehen, wenn Tarife ohne diese Kontrollmechanismen nur noch gegen einen hohen Aufpreis angeboten werden, den sich die meisten Kunden nicht mehr leisten können.

Die bisherigen Modelle, die auf die freiwillige Teilnahme der Versicherten setzen und diese mit eher bescheidenen Boni bzw. Vergünstigungen belohnen, könnten sich als Einstieg in eine Quasi-Zwangsüberwachung herausstellen.

Vgl. zu dem Thema auch:

Dürfen Bezieher einer Berufsunfähigkeits-Rente überwacht werden?

Versicherung trägt Beweislast für eine Selbsttötung des Versicherten

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Schlagworte zum Thema:  Kfz-Haftpflichtversicherung, Kasko-Versicherung, Kfz-Versicherung, Überwachung, Datenschutz

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