Kurzer Compliance-Einsatz von Juristin Christine Hohmann-Dennhardt für VW ist beendet Bild: Julian W. ⁄

Nach nur wenig mehr als einem Jahr verlässt die als Vorstand für Integration und Recht im VW-Konzern tätige Top-Juristin Christine Hohmann-Dennhardt ihren Posten - im Einvernehmen, wie der Konzern mitteilt. Compliance-Arbeit ist ein heikles Geschäft. Den Konzern kostet der Spaß nach Medienberichten ca. 12 Millionen Euro.

 Zum 1. Januar 2016 hatte der Vorstandsvorsitzende von VW, Matthias Müller mit der ehemalige Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt weine hochkarätige Juristin als Vorstandsmitglied zu VW geholt.

  • Nach dem Abgasskandal sollte ein Vorstand in den Konzern Einzug halten, der als Aushängeschild und Garant für Bemühungen um eine saubere Unternehmensführung gelten konnte.
  • Aufgrund ihres Berufsweges schien die Juristin hierfür die ideale Besetzung zu sein.

Ein Lebenslauf wie aus dem Bilderbuch

Christine Hohmann-Dennhardt war nach ihrem rechtswissenschaftlichen Studium zunächst Lehrbeauftragte für Sozialrecht an der Universität Hamburg, anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin an der juristischen Fakultät der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt.

Nach ihrer Promotion ("Entscheidungsstrukturen in Unternehmen und Arbeitnehmerinteressen: zur Effektivität der Mitbestimmung bei Betriebsänderungen") arbeitete die Juristin als Richterin am Sozialgericht Frankfurt am Main, am Sozialgericht Wiesbaden und schließlich am Hessischen Landessozialgericht. Nach ihrer Ernennung zur Direktorin des Sozialgerichts Wiesbaden wurde sie stellvertretendes Mitglied am Staatsgerichtshof des Landes Hessen und anschließend vom hessischen Ministerpräsidenten Eichel zur Justizministerin berufen. Schließlich war sie von 1999 bis Januar 2011 Richterin am 1. Senat des BVerfG.

Fliegender Wechsel vom BVerfG in die Wirtschaft

Bereits im Februar 2011 wurde sie erstes weibliches Vorstandsmitglied der Daimler AG in Stuttgart. In Erfüllung einer Auflage der US-Behörden wurde für die Vorzeigejuristin dort ein neues Ressort „Integrität und Recht“ geschaffen. Direkt von dort warb sie der Chef des VW-Konzerns Matthias Müller ab.

Möglicherweise hatte der VW-Chef dabei zu wenig bedacht, dass die selbstbewusste Juristin eine eher als politisch links einzuordnende Sozialdemokratin und engagierte Feministin (Frauenquote") ist und als solche in der Männerwelt des VW-Konzerns sich nicht nur Freunde machen würde.

Scheiterte Hohmann-Dennhardt an internen Querelen ?

Branchenkenner unken, dass die Juristin ihren Auftrag aus Sicht des Konzerns allzu ernst genommen haben könnte und dabei möglicherweise dem Chef der Rechtsabteilung, Manfred Döss, in die Quere gekommen sei.

Döss war zuvor Vorstand für „Recht und Compliance“. Als solcher hatte er maßgeblich die Deals mit den US-amerikanischen Behörden im Zuge des Abgasskandals ausgehandelt und hat gute Verbindungen Eigentümerfamilien Piech und Porsche.

Geschätzte 12 Millionen Euro Abfindung

Die Ergebnisse Ursachenforschung sind allerdings nicht einheitlich. Es wird auch kolportiert, dass Hohmann-Dennhardt den an sie gestellten hohen Erwartungen nicht in vollem Umfange gerecht geworden sei, andere urteilen, sie habe im Machtkampf mit Döss zu unflexibel agiert und sei deshalb am Ende unterlegen. Wie dem auch sei - preiswert sind die Querelen für den Konzern nicht.

Drei-Jahres-Vertrag, gut ausgehandelt

Die Juristin hatte bei VW einen Drei-Jahres-Vertrag, so dass ihr noch Gehalt für zwei Jahre zusteht.

Außerdem hatte der Konzern zugesagt, ihr einen Ausgleich für das vorzeitige Ausscheiden bei Daimler zu zahlen. Geschätzt werden die Kosten für VW auf einen Betrag zwischen 12 und 15 Millionen Euro.

Compliance-Verantwortliche bei VW wird wieder eine Frau

Eine Nachfolgerin ist auch schon ausgemacht. Die bisherige Verantwortliche für die Konzernrevision, Hiltrud Werner, soll die Aufklärungsarbeit mit Nachdruck vorantreiben und den Wandel im Handeln und Denken des Konzerns fortführen und die Konzernethik weiterentwickeln.

Teure Compliance-Aktion mit Trostpotential für die Sauberfrau

Offenbar geht man davon aus, dass eine bereits zum Konzern gehörende Mitarbeiterin die Interessen des Konzerns besser im Blick haben wird als eine von außen angeworbene Spitzenjuristin.

Die Letztegenannte wird sich mit ihrem Abfindung für gut 1 Jahr Arbeit,  eine teure Compliance-Investition,  zumindest deutlich besser entlohnt erleben, als etwa in ihrer Zeit als Sozialministerin. 

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Deutlich macht dieser Fall jedenfalls, ungeachtet der Honorierung, wie leicht Compliance-Verantwortliche zwischen die Stühle geraten können und wie schwierig ihre Position zwischen den Anforderungen ihrer Aufgabe und den echten oder vermeintlichen Unternehmensinteressen ist - unabhängig von Gehalt und Firmengröße.

Schlagworte zum Thema:  Compliance-Beauftragter, Compliance-Manager, Volkswagen, Abfindung

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