12.04.2016 | Serie Compliance-Verantwortlicher: Funktion, Aufgaben, Schwerpunkte

Die Anforderungen an den Compliance-Verantwortlichen steigen

Serienelemente
Positionspapier zum Compliance-Manager / Complianc-Officer - starker Typ mit echten Kompetenzen
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Pflichten des Compliance-Managers wachsen unaufhörlich an. Eine sachgerechte Erfüllung seiner Aufgaben ist dem Compliance-Manager nur möglich, wenn ihm eine von der Unternehmensleitung möglichst unabhängige Stellung im Betrieb eingeräumt wird und seine Vernetzung stimmt und gefördert wird.

U.a. der Bundesverband Deutscher Compliance Officer (BDCO) hat in einem Positionspapier Mindestanforderungen an das Berufsbild eines Compliance-Officers erstellt, die branchenübergreifend gelten. Der BDCO stellt sowohl Unternehmen als auch den bereits aktiven Compliance-Officern Hinweise zur Erfüllung ihrer komplexen Aufgaben zur Verfügung.

Berufsbild des Compliance-Managers soll präzisiert werden

Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Aufgaben des Compliance-Officers mehr und mehr zu präzisieren. In diesem Kontext arbeitet der BDCO intensiv mit den einzelnen Branchen zusammen, aber auch mit den maßgeblichen Institutionen aus Politik und Verwaltung. Auf diese Weise sollen sukzessive präzisere Standards entwickelt werden, die es ermöglichen,

  • wirksame Compliance-Strukturen in Unternehmen zu schaffen,
  • die Einhaltung der Compliance-Richtlinien wirksam zu kontrollieren,
  • Lösungsansätze für Fehlfunktionen zu implementieren,
  • durch spezielle Handlungsempfehlungen die Begehung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten wirksam zu unterbinden
  • ein wirksames Sanktionssystem bei Begehung von Straftaten zu schaffen. 

Compliance-Manager muss möglichst unabhängig sein

Der Verband stellt heraus, dass die Aufgaben des Compliance-Managers mit konkreten Anforderungen an seine Stellung im Unternehmen verbunden sind. Wesentlich ist die Unabhängigkeit seiner Position im Unternehmen.

  • Diese Unabhängigkeit erfordert eine strikte Trennung der Position des Compliance-Managers von den operativen Leitungspositionen im Unternehmen.
  • Eine Zuordnung des Compliance- Officers zu einem Vorstand ist dennoch sinnvoll, weil hiermit der direkte Kontakt zur Leitungsebene sichergestellt ist.
  • In diesem Zusammenhang ist es zweckmäßig, den Compliance-Managers an der  Schnittstelle von Recht, Risikomanagement und interner Revision zu platzieren.
  • Gleichzeitig muss Trennung vom operativen Geschäft strikt gewahrt werden.
  • Aus diesem Grunde ist es unbedingt zu vermeiden, dass die Vergütung des Compliance-Managers in unmittelbarer Abhängigkeit von konkreten Geschäftserfolgen steht. Dies schließt variable Gehaltsbestandteile, die an den Gesamterfolg des Unternehmens gekoppelt sind, nicht aus. 

Advisory Fuction

Die Positionierung des Compliance-Officers im Unternehmen sollte im übrigen so erfolgen, dass er seine umfangreichen Beratungsfunktionen hinsichtlich der jeweiligen Markt- und Fachbereiche erfüllen kann. Hierzu ist es erforderlich, dass der Compliance-Officer von den einzelnen Unternehmensabteilungen direkt angesprochen werden kann. Hier gehört es zu den unmittelbaren Aufgaben des Compliance-Beauftragten,

  • ungehinderte Informationsflüsse innerhalb des Unternehmens und zwischen den Abteilungen zu organisieren. Hierbei kann der Officer selbst als Informationsschnittstelle dienen, die die Abteilungen weniger abschottet und durchlässiger macht.
  • Diese Aufgabe kann im Einzelfall äußerst komplex sein, wenn in bestimmten Segmenten Vertraulichkeitserfordernisse zu beachten sind.
  • Hier wiederum hat der Compliance-Officer die Aufgabe, die erforderliche Vertraulichkeit durch Beachtung der so genannten „Chinese Walls“ zu sichern. 

Personelle und sachliche Ausstattung muss stimmen

Der Compliance-Officer selbst muss in Erfüllung dieser Aufgaben erreichen, dass ihm - bezogen auf die Größe des Unternehmens - die erforderlichen Sachmittel und gegebenenfalls das erforderliche Personal zur Seite gestellt werden. Nur ausreichendes personelles und sachliches Equipment stellt sicher, dass der Compliance-Officer jederzeit auf alle Unternehmensbereiche unmittelbar zugreifen kann, um sich die erforderlichen Auskünfte und Informationen zu beschaffen.

Compliance-Manager sollte über Zugriffskompetenzen verfügen

Die Zugriffsmöglichkeit auf die unmittelbaren unternehmensrelevanten Abteilungen beinhaltet nicht nur die Möglichkeit der Auskunftsverschaffung, sondern muss begleitet sein von der Möglichkeit des unmittelbaren Zugriffes und gegebenenfalls auch die Kompetenz zur Erteilung einer Weisung im Falle eines eindeutigen Compliance-Verstoßes beinhalten.

In diesem Kontext ist es unabdingbar, dass der Compliance-Officer die unternehmensspezifischen Geschäftsfelder genau kennt, um unternehmensspezifische Risiken analysieren und steuern und beispielsweise eine sinnvolle Weisung erteilen zu können, ohne dem Unternehmen wirtschaftlich zu schaden.

Dies setzt eine profunde Kenntnis der Unternehmensabläufe und der von dem Unternehmen vertriebene Produkte oder Dienstleistungen voraus. Nur vor diesem Hintergrund ist eine effektive Beratung, Steuerung und Kontrolle des Unternehmens in seinen Compliance-relevanten Bezügen möglich. Damit gehört der Beruf des Compliance-Beauftragten, Compliance-Managers oder Compliance-Officers  zu den besonders anspruchsvollen Berufsfeldern in einem Unternehmen.


Alle Informationen zum Thema "Compliance Manager" finden Sie auf dieser Themenseite.


Vgl. zu dem Thema auch:

Compliance-Management implementieren - aber wie?

Zentraler Ansprechpartner innerhalb des Compliance-Managementsystems

Compliance-Manager das Berufsbild

Schlagworte zum Thema:  Compliance-Management, Compliance, Compliance-Manager, Compliance-Beauftragter, Compliance-Officer

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