| Der Fall Middelhoff

Erbsenzählerei oder gerechte Strafe?

Haftstrafe für Middelhoff - das hat so manchen überrascht
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Fall Middelhoff ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Während die einen Genugtuung empfinden, nennen es andere "Erbsenzählerei". In jedem Fall sorgt er für Verunsicherung bei Compliance-Verantwortlichen.

Was soll man von dem Fall Middelhoff halten? Oder anders gefragt: Wie soll man sich als Führungskraft auf einen so „ausgefransten“ Strafbestand wie den der Untreue nach § 266 StGB einstellen?

Compliance bedeutet nicht nur Rechtskonformität, sondern auch Integrität und Redlichkeit

Das war in der Definition der Regierungskommission für gute Unternehmensführung leider etwas in den Hintergrund getreten, wird aber in der ISO 19600 Compliance-Managementsysteme zu Recht wieder betont.

Berechtigte Frage oder Erbsenzählerei?

Warum solche Statussymbole und Annehmlichkeiten für Top-Führungskräfte? Für die einen sind Statussymbole für Top-Manager keineswegs nur Ausdruck von Protzerei oder Großmannssucht. Sie sollen zur Stärkung des eigenen Egos und zur Effizienzsteigerung beitragen.

Doch wer das in dem Umfang notwendig hat, wie das offenbar für Thomas Middelhoff der Fall war, muss sich fragen lassen, ob er der richtige Mann am richtigen Platz ist?

Diese Frage richtet sich im Übrigen auch an die Aufsichtsorgane und die Verantwortlichen des internen Kontrollsystems und Risikomanagements.

Ist der Compliance-Officer gefragt, wenn Führungskräfte abheben?

Führungskräfte, die eine „Mir-kann keiner was“- bzw. eine „Ich stehe über den Regeln“-Haltung einnehmen, neigen typischerweise auch zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Ein guter Compliance-Officer hat gelernt, auf die Frühwarnzeichen hierfür zu achten; und kann helfen, Fehlentwicklungen rechtzeitig entgegenzutreten.

Wer das als Erbsenzählerei oder „Ethikkommissariat“ im polemischen Anklang an frühere Politkommissare der UdSSR abtut, hat Compliance missverstanden.

Compliance Beauftragte tun im Übrigen selbst gut daran, kleinkariertes Verhalten zu vermeiden; und haben das in einem gut geführten Unternehmen auch nicht nötig.

Wenn die Work-Life-Balance in Schieflage gerät

Bei vielen Top-Führungskräften gehen Privatsphäre und berufliche Sphäre (leider) ineinander über. Der Begriff "Work-Life-Balance“ erweist sich in der Praxis oft genug nur als gute Absicht.

Dabei können die Bereiche sauber innerhalb des Rahmens geregelt werden, den Arbeitgeber oder Aufsichtsorgan vorgegeben haben. Gutes Rechtsmanagement, Unternehmensführung und Compliance stehen dann nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.

Schlagworte zum Thema:  Compliance-Regel, Compliance-Kultur, Compliance-Organisation, Compliance-Management, Untreue

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