22.12.2014 | Raus aus dem Compliance-Loch

Der ADAC räumt auf und setzt auf klare Strukturen

Bild: Presse Honorarfrei

Künftig keine Sündenfälle mehr: Das jedenfalls ist die Botschaft, die von der Hauptversammlung des eingetragenen Vereins ADAC am 6.12.2014 ins Land gesandt wurde. Eine neue Struktur soll her. Mit dem neuen Drei-Säulen-Modell wollen die ADAC-ler das Unternehmen von Grund auf umkrempeln.

Compliance-mäßig war der ADAC längere Zeit im Dunklen unterwegs: Frisierte Zahlen bei der Verleihung des Autopreises „Gelber Engel“, zweckentfremdete Nutzung von Rettungshubschraubern, Manipulationen und Mauscheleien ohne Ende – das war gestern.

Reform für Vertrauen

So lautet der Leitsatz, den die Regionalverbände des ADAC am 6.12. in der Hauptversammlung geschlossen verabschiedet haben. Leitbild des ADAC soll weiterhin die automobile Gemeinschaft durch den Zusammenschluss von Mitgliedern bleiben. Anders als bisher sollen die Mitglieder künftig in Entscheidungen eingebunden und die unterschiedlichen Interessen der Mitglieder wesentlich differenzierter wahrgenommen werden.

Unabhängiger Verbraucherschutz im Automobilbereich

Unabhängiger Verbraucherschutz im Automobilbereich steht weiterhin als eines der obersten Ziele auf der Agenda. Mit einer neuen Unternehmenskultur, einer differenzierten Compliance, einem Bündel an Führungsleitlinien, strategischen und operativen Leitlinien zur Compliance-Umsetzung soll eine offene, transparente und für jedes Mitglied verständliche Unternehmensstruktur geschaffen werden.

Im Kern ein Idealverein

Im Grundsatz soll weiterhin der ADAC e.V. als Idealverein bestehen bleiben. Wirtschaftliche Zielsetzungen werden künftig konsequenter aus dem Verein ausgelagert. Entsprechend dem gesetzlichen Leitbild des Idealvereins wird die Kernaktivität des ADAC künftig in der Erbringung von uneigennützigen Leistungen gegenüber seinen Mitgliedern liegen, d.h. aus  der Pannenhilfe (Gelber Engel) und weiteren, eng an den automobilen Alltag geknüpften Leistungen bestehen.

Separierung der wirtschaftlichen Tätigkeit

Der Verkauf von Outdoor-Jacken, Reisen und Ratgebern wird – wie sämtliche sonstigen wirtschaftlichen Aktivitäten – ausgelagert in eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft (heute: Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH). Diese wird künftig von einem weisungsunabhängigen Vorstand geführt sowie von einem unabhängigen, nicht ADAC- dominierten Aufsichtsrat kontrolliert werden.

Gemeinnützige Stiftung als dritte Säule

Auch in Zukunft möchte der ADAC gemeinnützige Leistungen für die Gesellschaft erbringen. Die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Mobilität und des Motorsports, der Unfallverhütung, der Lebensrettung soll in einer gemeinnützigen Stiftung gebündelt werden.

Auch diese Stiftung wird von einem unabhängigen, nicht ADAC dominierten Stiftungsrat kontrolliert werden. Allerdings wird die Stiftung mit 25,1 % an der Aktiengesellschaft beteiligt, deren Erträge der Stiftung finanziell zu Gute kommen sollen.

Bereitschaft auch zum wirtschaftlichen Verzicht

Den Verbraucherschutz - beispielsweise durch Test von Produkten - will der ADAC in Zukunft klar von den wirtschaftlichen Engagements und unternehmerischen Aktivitäten trennen. Dennoch: Der Verbraucherschutz bleibt Kernthema. Auch in Zukunft sollen beispielsweise Werkstatttests stattfinden.

Interessenkonflikte vermeiden

Um eine Interessenkollision zu vermeiden, wird der ADAC aber beispielsweise ein bereits geplantes eigenes Werkstattkonzept nicht umsetzen.

  • Kindersitze wird der ADAC nicht mehr selbst vertreiben,
  • Gewinnspiel-Links im Netz wurden bereits entfernt.

Der ADAC zeigt damit seine Bereitschaft, auch an dieser Stelle Interessenkonflikte zu vermeiden und zu Gunsten von Transparenz und Regelkonformität auch auf wirtschaftlich interessante Einnahmenquellen zu verzichten.

Beispielhaftes Compliance-Regelwerk soll geschaffen werden

Eingebunden wird die Reform in ein umfangreiches Regelwerk, dass sich nicht nur der ADAC e.V. sondern auch jeder der 18 eigenständigen Regionalclubs verordnet hat.

  • Verhaltensstandards samt eingebetteter umfangreicher Kontrollmechanismen sollen so verbindlich werden für sämtliche Personen, die für den er ADAC tätig sind, gleichgültig ob im Haupt- oder im Nebenamt.
  • Bisher ist es im ADAC allerdings immer noch nicht gelungen, eine eigenständige Compliance-Organisation zu gründen.
  • Die Gründung einer schlagkräftigen Compliance-Kommission mit einem erfahrenen Leiter an der Spitze ist aber beschlossene Sache.

Daneben sollen in den regionalen Clubs dezentrale Compliance-Beauftragte eingestellt werden, die auch die Tochterunternehmen unterstützen

Die Mitglieder dürfen (fast) überall mitreden

Das Regelwerk soll ständig auch von den ADAC-Mitgliedern überprüft werden können. Moderne Dialogplattformen wie zum Beispiel Angebote für Online-Diskussionen sollen den Mitgliedern die Möglichkeit zum Meinungsaustausch und zur Diskussion bieten. Gleichzeitig soll hierdurch die Transparenz der Gesamtorganisation ständig verbessert werden.

Mitglieder sollen eigene Vorschläge zur effektiven Umsetzung von Compliance-Regeln einbringen dürfen. Der frisch gewählte ADAC Präsident Dr. August Markl zeigte sich zuversichtlich, dass es dem ADAC gelingen werde, mit dieser Umstrukturierung neues Vertrauen bei seinen Mitgliedern zu schaffen.

Trotz moralischem Straucheln auch dieses Jahr Mitglieder hinzugewonnen

Wirklich verloren haben die Mitglieder das Vertrauen in ADAC offensichtlich ohnehin noch nicht. Gegenüber dem Endstand des Vorjahres hat der ADAC auch dieses Jahr Mitglieder hinzugewonnen, exakt 646. Fast 20 Millionen Bundesbürger sind damit in der weltweit größten Automobilorganisation versammelt. Für den geplanten Neuanfang bedeutet dieser enorme Vertrauensvorschuss Chance und Risiko zugleich.

Vgl. zum Thema auch:

Whistleblowing und der Fall ADAC: Welche Sanktionen drohen dem Maulwurf?

Schlagworte zum Thema:  Verein, Stiftung

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