| Fitness-Überwachung

Datenschutzbeauftragte warnt vor Fitness-Apps von Krankenversicherungen

Heute schon gejoggt? Krankenversicherer läuft via Fitness-App mit
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Allen Bedenken von Datenschützern zum Trotz wird die Generali-Krankenversicherung ab dem nächsten Jahr Rabatte für Versicherte einführen, die bereit sind, ihre gesunde Lebensführung mittels einer App nachzuweisen. Angesichts dieser Entwicklung hat jetzt auch die Bundesbeauftragte für Datenschutz die Kunden zu mehr Vorsicht bei der Datenweitergabe gemahnt.

Grundsätzliche Überlegungen von Versicherungen, mittels einer Fitness-App mehr über die Gewohnheiten und gesundheitsrelevanten Aktivitäten der Kunden herauszubekommen und eine gesunde Lebensführung dabei mit Prämien oder Rabatten zu belohnen, gibt es schon seit längerem. Mit der Generali-Krankenversicherung hat jetzt allerdings ein erstes der großen Versicherungsunternehmen hierzulande die konkrete Umsetzung derartiger Pläne für das nächste Jahr angekündigt.

Daten werden per App erfasst

Gegenüber der Euro am Sonntag bestätigte eine Unternehmenssprecherin die Ankündigung, dass erste Produkte dieser Art im ersten Halbjahr 2016 gestartet werden sollen. Um Kritiker zu besänftigen verspricht das Unternehmen, dass man bei diesem Vorhaben der Transparenz und dem Datenschutz höchste Priorität einräumen werde. Details zur App und der Ausgestaltung des Angebots gibt es zwar noch nicht, angeblich soll jedoch beispielsweise Daten zur Bewegung (Schrittzähler), zu Ernährungsgewohnheiten, weiteren sportlichen Aktivitäten oder über die Teilnahme an Vorsorgeterminen erfasst werden.

Datenschützer bleiben skeptisch

Verbraucher- und Datenschützer sehen diese Entwicklung allerdings mit erheblicher Skepsis. So sei man zwar nicht generell gegen Gesundheits-Apps, solange dadurch die Nutzer zu einer gesunden Lebenshaltung animiert würden, allerdings seien diesen Methoden enge Grenzen zu setzen, um die Menschen vor einem Optimierungsdruck zu schützen und zu verhindern, dass die Daten mehr oder weniger zwangsweise erhoben werden.

Auch Bundesdatenschutzbeauftragte sieht Risiken

Nun hat sich auch die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff in die Diskussion eingeschaltet und warnt die Kunden in ihrer Stellungnahme  davor, auf diesem Wege unbedacht weitreichende Informationen preiszugeben. Kurzfristige finanzielle Vorteile sollten in jedem Fall mit den längerfristigen Gefahren der Datenpreisgabe abgewogen werden. Darüber hinaus schlägt sie vor, dass der Gesetzgeber den Schutz von Gesundheitsdaten bei gesetzlich Versicherten auch auf den Bereich der Privatversicherungen ausweiten soll.

Kein Interesse bei Allianz-Versicherung

Allerdings kommt die Idee der Erfassung von Gesundheitsdaten über Fitness-Apps nicht überall in der Branche gleichermaßen gut an. Bei der Allianz-Versicherung hält man den Ansatz ebenfalls für falsch und will daher auf den Einsatz derartiger Maßnahmen verzichten, wie die Chefin der Krankenversicherungssparte der Wirtschaftswoche in  einem Interview noch einmal bestätigte.

Bald Preisanstiege für überwachungsunwillige Kunden?

Kritiker sehen die Bemühungen der Versicherer, mehr Daten über ihre Kunden zu gewinnen, mit erheblicher Skepsis. Insbesondere fürchten sie, dass es in Zukunft  kaum noch möglich sein könnte, sich dieser Überwachung zu entziehen, wenn Tarife ohne diese Kontrollmechanismen nur noch gegen einen hohen Aufpreis angeboten werden, den sich die meisten Kunden nicht mehr leisten können.

Vgl. zu dem Thema Überwachung auch:

Günstigere Versicherungstarife bei Überwachung

Dürfen Bezieher einer Berufsunfähigkeits-Rente überwacht werden?

Vgl. zu dem Thema Apps auch:

Aufsichtsbehörden untersuchen Apps und Webauftritte

Datenschutzverbesserungen bei Apps

Schlagworte zum Thema:  Überwachung, Datenschutz, Gesetzliche Krankenversicherung, Krankenversicherung

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