12.04.2016 | Datenschutz

Wenn der Chef zum digitalen Spurenleser wird

Auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken finden sich viele digitale Spuren
Bild: Haufe Online Redaktion

Ob bei der Arbeit oder im Privatleben – ohne Internet und soziale Netzwerke geht nichts mehr. Doch zunehmend verschmelzen in der digitalen Welt private und berufliche Aktivitäten. Manchen Arbeitnehmern ist dabei nicht bewusst, dass Vorgesetzte digitale Spuren verfolgen können. Datenschützer warnen deshalb vor zu viel Freizügigkeit.

Müssten wir jede E-Mail ausdrucken und aufbewahren, würde der Papierberg in unserem Büro in kürzester Zeit überquellen. Und das ist nur ein Bruchteil der digitalen Daten, die täglich anfallen. In Rechnern, Smartphones, Tablets oder auf GPS-Geräten befinden sich Bilder, Grafiken, Koordinaten, Rechnungen und und und. Um die Sicherheit und das sichere Löschen dieser Daten kümmert sich allerdings kaum jemand.

Internetprofile von Bewerbern werden nach digitalen Spuren durchstöbert

Schon bei der Bewerbung um einen neuen Job können die digitalen Spuren zum Problem werden. Immer häufiger durchstöbern Personalverantwortliche die Internet-Profile von Bewerbern. Deshalb sollte man sich gut überlegen, was man für Fotos hochlädt, worüber man sich äußert oder was man so alles mit einem "Gefällt-mir" bewertet.

Datenschutz - was passiert mit den Gesundheitsdaten von betrieblichen Sportprogrammen?

Immer beliebter werden Fitness-Armbänder und Apps. Auch im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung werden Sportprogramme angeboten, bei denen die Mitarbeiter ihre Fitness- und Gesundheitsdaten sammeln sollen. Der Vergleich mit Kollegen kann durchaus motivierend wirken.

Doch auch der Umkehrschluss ist möglich: wer nicht mitmacht, grenzt sich aus. Der soziale Druck durch solche Aktionen kann also in jede Richtung gehen. Und was mit den Daten auf lange Sicht passiert, weiß auch niemand so genau.

GPS-Ortung kann vom Chef auch zur Überwachung missbraucht werden

In der Logistikbranche selbstverständlich sind Decoder in den Fahrzeugen, damit diese geortet werden können. Doch GPS-Ortung kommt auch bei anderen Unternehmen immer mehr zur Anwendung. Damit lassen sich z. B. Fahrzeiten und Kraftstoffverbrauch dokumentieren.

Aber auch Standort- und Standzeit. Stimmt das Betriebsklima nicht, kann es vorkommen, dass Informationen zur Überwachung der Mitarbeiter genutzt werden. Laut dem Bayrischen Landesamt für Datenschutzaufsicht nehmen die Beschwerden wegen solcher und anderer Datenschutz-Probleme am Arbeitsplatz zu.

Datenschutzmanagement: Der Umgang mit personenbezogenen Daten sollte eindeutig geregelt sein

Rechtliche Regelungen zum Arbeitnehmerdatenschutz fehlen weitgehend. In größeren Unternehmen verhandeln deshalb die Betriebsräte Spielregeln zum Umgang mit personenbezogenen Daten und halten sie in Betriebsvereinbarungen fest.

Dabei geht es sowohl um den Umgang mit Bewerbungsunterlagen, als auch um Richtlinien für Arbeitnehmer zu Dienstcomputer, Diensthandy sowie um die Regelung, ob das Internet im Betrieb auch für private Zwecke genutzt werden darf.

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Schlagworte zum Thema:  Datenschutz, Datenschutz-Management, Persönliche Daten, Nutzung personenbezogener Daten

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