CSR-Preisträger stellen sich vor: Gundlach

Das Familienunternehmen Gundlach Bau und Immobilien in Hannover hat den CSR-Preis der Bundesregierung 2017 gewonnen. Lorenz Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung, erläutert im Gespräch mit der Haufe-Redaktion, wie das Unternehmen aus Überzeugung verantwortungsvoll wirtschaftet und sich gesellschaftlich engagiert.

"CSR ist vielseitig, kostet Energie und Kraft und verlangt Knowhow. Und man muss täglich daran arbeiten und manches Mal sogar darum ringen."

Click to tweet

CSR ist bei Gundlach Bau und Immobilien - schon seit den 70er Jahren ein Thema

Haufe Online Redaktion: Herr Hansen, seit wann ist CSR ein Thema in Ihrem Unternehmen?

Lorenz Hansen: Bei uns ist CSR seit der Generation meiner Eltern ein großes Thema. Meine Mutter wurde 1974 als erste Professorin für den Lehrstuhl Markt und Konsum an die Uni Hannover berufen. In Göttingen im Studium hat sie meinen Vater kennen gelernt. Er hat bei ihr studiert. Als sie in den 70er-Jahren das Unternehmen übernommen haben, wollten beide das umsetzen, was sie bisher theoretisch an der Uni gelehrt bzw. gelernt hatten.

Uns ist wichtig, dass alle Verantwortung für das Thema CSR fühlen

Haufe Online Redaktion: Und wer ist heute dafür verantwortlich?

Lorenz Hansen: Der Motor sind die Gesellschafter. Und als Vorsitzender der Geschäftsführung bin ich der Ansprechpartner. Doch viele tragen zu diesem Thema bei, wie etwa unser Marketingchef Frank Scharnowski, der den Nachhaltigkeitsbericht verantwortlich erstellt, ein Ökologieteam mit Mitarbeitern aller Unternehmensbereiche und nicht zuletzt unser Ökologiebeaufragter Prokurist Franz-Josef Gerbens. Uns ist wichtig, dass alle Verantwortung für das Thema fühlen.

Bewerber finden CSR-Engagement gut

Haufe Online Redaktion: Was motiviert die Gundlach GmbH, sich für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften einzusetzen?

Lorenz Hansen: Wir haben Leidenschaft für das, was wir tun. Und unsere Unternehmensphilosophie ist die eines partnerschaftlichen Umgangs. Wir sehen uns als Partner der Stadt, der Bürger, der Politiker und natürlich unserer Kunden.

Hannover ist eine wachsende Stadt. Und auch wir sind in den letzten Jahren gewachsen. Im vergangenen Jahr haben wir über 30 neue Mitarbeiter eingestellt. Von Bewerbern höre ich immer wieder: „Sie engagieren sich in vielen Bereichen. Und Sie probieren Neues aus. Das finde ich toll.“ Das zu hören macht Spaß.

CSR - nachhaltiges Wirtschaften systematisch messen und belegen

Haufe Online Redaktion: Was war der Grund, am Wettbewerb um den CSR-Preis der Bundesregierung teilzunehmen?

Lorenz Hansen: Wir waren auf der Suche, wie wir nachhaltiges Wirtschaften noch systematischer messen und belegen können. Und wir wollten uns mit anderen vergleichen. Außerdem sind Auszeichnungen auch Ansporn.

CSR-Management: alles 2-3 Jahre werden konkrete Ziele formuliert

Haufe Online Redaktion: Wie langfristig formulieren Sie CSR-Ziele?

Lorenz Hansen: Am Anfang steht immer die Frage: Was können wir verbessern? Dann geht es darum, die Ziele umzusetzen, auch im Kleinen, ob Stromeinsparungen am Arbeitsplatz oder Carsharing bei den Dienstwagen.

Alle 2-3 Jahre formulieren wir konkrete Ziele. 3 aktuelle lauten: Wohnungen für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, innerhalb der nächsten 3 Jahre kostengünstigen Wohnraum errichten und noch in diesem Jahr einen Flüchtling im Unternehmen beschäftigen. Da wir es im Wohnungsbau gewohnt sind, in Generationen zu denken, schreckt uns der Gedanke der Langfristigkeit nicht. So gibt es auch längerfristige Strategien, wie etwa die CO2-Einsparung um 40 Prozent bis 2020, die bereits 2010 definiert wurde.

Unser wichtigstes CSR-Instrument: der Nachhaltigkeitsbericht

Haufe Online Redaktion: In welcher Form veröffentlichen Sie Ihre Aktivitäten?

Lorenz Hansen: Unser wichtigstes Instrument ist der Nachhaltigkeitsbericht. Bereits 2000 veröffentlichte mein Vater unseren ersten. Er war transparent und ehrlich. Und er bildete die Sozialbilanz des Unternehmens ab. 2011 haben wir den Nachhaltigkeitsbericht dann wieder neu aufgelegt und 2014 aktualisiert. Außerdem berichten wir auf unserer Website aktuell über unsere Aktivitäten und unser Engagement. Ende dieses Jahres folgt der nächste Bericht.

CSR - Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen

Haufe Online Redaktion: Klimawandel und Umweltschutzziele führen dazu, dass sich beim Bauen vieles verändert hat. Häuser müssen gedämmt werden, Klimaanlagen werden immer beliebter. Doch nicht immer ist alles Neue auch nachhaltig. Was bedeutet für Sie Klimaschutz und Bauen?

Lorenz Hansen: Grundsätzlich ist es wichtig, offen für Neues zu sein. Wir haben schon immer viel im ökologischen Neubau experimentiert, beispielsweise bereits 2006 Passivhäuser errichtet. Aber auch im Bestand probieren wir immer wieder etwas aus, ob Lüftungsanlagen zur Wärmerückgewinnung, den Einbau von Pelletheizungen oder Holzdämmung. Und wir erproben ein dem Klimawandel angepasstes Bauen, d. h. wir passen z. B. die Planung von Entwässerung und Auffangbecken an die Zunahme von Starkregen an.

Für alle Wohnungen, Häuser und Projekte führen wir Bewertungen durch. Nur was im „grünen Bereich“ ist, hat bei uns Zukunft. Sind Projekte ökologisch, aber für den Kunden nicht tragbar oder fällt die Kosten-Nutzen-Bilanz negativ aus, entscheiden wir uns dagegen. Dazu ein Beispiel: Wir haben in unserem Bestand eine Wohnanlage aus den 50er/60er Jahren. Zwischen den Häusern sind großzügige Grünflächen. Aus ökonomischer Sicht würde man auf diesen Flächen weitere Häuser bauen. Aus ökologischer Sicht sind die Verdichtung des Wohnraums und der Wegfall des Grüns jedoch negativ zu bewerten. Dies ist ein gutes Beispiel für die Interessenskonflikte, die bei der unternehmerischen Ausrichtung auf Nachhaltigkeit auftreten können.

Unsere Ziele und ob wir sie erreicht haben oder uns davon verabschieden mussten, lässt sich übrigens in unserem Nachhaltigkeitsbericht anhand der drei Ampelfarben schnell erkennen. Zusätzlich wird das Ergebnis in wenigen Worten erläutert.

Soziale Säule der CSR: "Sozialpartnerschaft"

Haufe Online Redaktion: Bei der Preisvergabe wurde auch Ihre gelebte Sozialpartnerschaft hervorgehoben. Was verbirgt sich dahinter?

Lorenz Hansen: Damit ist das Partnerschaftsmodell gemeint, das mein Vater bereits in den 80er-Jahren auf den Weg gebracht hat. Wenn die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt ist, leiden bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Obdachlose ehemalige Strafgefangene oder aktuell Flüchtlinge darunter. Sie können im Wettbewerb mit anderen nicht bestehen. Dann stellen wir Wohnungen bzw. Räume zur Verfügung. Allerdings sind nicht die Klienten selbst die Mieter, sondern die Stadt oder eine passende Organisation. Das macht Sinn, denn wir sind ein Bau- und Wohnungsunternehmen und unsere Mitarbeiter sind keine Sozialarbeiter.

Nachhaltigkeitsmanagement - CSR mit System

Haufe Online Redaktion: Was unterscheidet moderne CSR-Maßnahmen von herkömmlichem sozialem Engagement?

Lorenz Hansen: Sicherlich haben sich auch in den vergangenen Jahren viele kleine und große Unternehmen ökologisch und sozial engagiert und ökonomisch gewirtschaftet. In neuerer Zeit erfolgt das jedoch mit System, ist messbar, transparent und vergleichbar geworden. Und heute heißt es zum Glück auch in Deutschland immer öfter: Tue Gutes und rede darüber.

Den Wunsch nach Transparenz kann man auch an anderer Stelle spüren: In den 90er-Jahren war die Bereitschaft gering, Geld für Nachhaltigkeit auszugeben. Heute wollen immer mehr junge Menschen wissen, wo ihre Lebensmittel und Konsumgüter herkommen und sie sind zumindest teilweise bereit, mehr dafür zu bezahlen.

Manchmal muss man um CSR ringen

Haufe Online Redaktion: Worin sehen Sie die größte Herausforderung, die CSR an ein Unternehmen stellt?

Lorenz Hansen: CSR lässt sich nicht aufs Finanzielle, also auf Sponsoring oder Spenden reduzieren. Sonst fällt es komplett weg, wenn das Geld knapp wird. CSR ist vielseitig, kostet Energie und Kraft und verlangt Knowhow. Sie muss Bestandteil der Unternehmenskultur sein. Und man muss täglich daran arbeiten und manches Mal sogar darum ringen.

Haufe Online Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hansen.

Das Interview führte Bettina Brucker, M. A., Freie Journalistin und Autorin.

Gundlach Bau- und Immobilien ist in den Bereichen Hochbau, Modernisierung, Bauträger sowie Immobilienvermietung und -verwaltung tätig. Das Familienunternehmen besteht seit mehr als 125 Jahren und beschäftigt heute rund 200 Mitarbeiter.

Schlagworte zum Thema:  CSR, Immobilienwirtschaft