| Complianceverstöße

Krise kostet ADAC Millionen

Die gefallenen gelben Engel wollen wieder fliegen
Bild: Presse Honorarfrei

Ehrlichkeit ist eine der einfachsten und höchsten Regeln, wenn es um Compliance geht. Wer da beim Schummeln erwischt wird, zahlt doppelt: Der Schaden muss finanziell beglichen werden und das Ansehen des Unternehmens muss neu aufgebaut werden. Wie teuer das sein kann, erlebt auch der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC).

Jedes Jahr erwarteten nicht nur die Autofahrer die Ergebnisse des ADAC zum Automobilpreis „Gelber Engel“. Prämiert wurden damit Autos, die am wenigsten Pannen haben und höchste Sicherheit bieten.

Mit den Ergebnissen warben Autohersteller für ihre Fahrzeuge. Viele Käufer ließen sich von dieser Auszeichnung leiten. Doch im Januar 2014 kam heraus, dass die Ergebnisse in den letzten Jahren manipuliert waren. Der Betrugsskandal ging lange durch die Presse, die Enttäuschung bei den Geprellten war groß.

2014 lagen die Aufwendungen des ADAC bei rund 16 Mio. EUR

Um die Krise zu bewältigen, wendete der ADAC 2014 rund 16 Mio. EUR auf. Denn es traten doppelt so viele Mitglieder wie im Jahr davor aus. Über das Jahr gerechnet hatte der Automobil-Club bei der Zahl der Mitglieder allerdings Glück. Es traten ebenso viele Mitglieder neu ein. Vielleicht eine Folge des schnellen, konsequenten Handelns der Geschäftsleitung.

Demnächst gibt es einen Compliance-Bauftragten und eine Compliance-GmbH beim ADAC

In der Zwischenzeit hat der ADAC Compliance-Richtlinien erstellt, die den Managern und Mitarbeitern eine Orientierung geben sollen. Damit diese auch eingehalten werden, soll nun eine Compliance-GmbH mit sechs Mitarbeitern und einem Compliance-Beauftragten gegründet werden.

Compliance-Ausschuss mit Präsidiumsmitgliedern und Vertretern der Regionalclubs

Doch damit nicht genug: insgesamt 50 ADAC-Mitarbeiter sollen in Zukunft darüber wachen, dass die Regeln eingehalten werden. Außerdem wird es einen Compliance-Ausschuss geben, dem u. a. Präsidiumsmitglieder und Vertreter der Regionalclubs angehören werden.

Weitere 16 Mio. EUR und Widerstand in den Regionalclubs gegen Whistleblowing beim ADAC

Für alle zusätzlichen Maßnahmen, die nach der Krise erforderlich waren, rechnet man auch in 2015 mit Kosten und Höhe von rund 16 Mio. EUR.

Neben der finanziellen gibt es für den Automobilclub noch eine Herausforderung andere Art: Die Regionalclubs verfügen über weit reichende Befugnisse und lassen sich nicht gerne in ihre Geschäftspraxis reinreden.

So gibt es massiven Widerstand gegen zwei Ideen aus dem Münchener Hauptsitz: Der Compliance-Beauftragte soll bei einem Verdacht unangekündigt bei einem Regionalclub erscheinen können und dort Zugang zu Unterlagen bzw. Dateien bekommen. Außerdem soll ein Whistleblower-System aufgebaut werden.

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Schlagworte zum Thema:  Compliance-Kultur, Compliance-Organisation, Compliance-Management, Compliance-Beauftragter, Compliance

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