20.11.2015 | Top-Thema Mehr Effizienz und Transparenz durch Digitalisierung?

Welche Bedeutung hat Effizienz im Compliance-Management?

Kapitel
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Compliance senkt die Risiken, aber auch die Performance der Unternehmen. So lautet eine häufig geäußerte Vermutung. Wie kann man nun die richtige Balance von Performance und Compliance aus betriebswirtschaftlicher Sicht erreichen?

Der Blick in die von Kostendruck und Wettbewerb geprägte Unternehmensrealität in vielen Branchen zeigt: Die Effizienz von Compliance-Managementsystemen (CMS) und damit das Verhältnis von Ressourceneinsatz und erzieltem Ergebnis spielt, vorbehaltlich rein juristischer Aspekte, zunehmend eine Rolle.

Inwieweit spielen auch Effizienzgesichtspunkte eine Rolle im Compliance-Management?

Ein Monitoring-Konzept für die Performance von Compliance-Management-Systemen sollte idealerweise sowohl auf dessen Wirksamkeit abstellen, als auch Aspekte der Effizienz berücksichtigen.

CMS mit hohem Fokus auf Effektivität finden sich vor allem bei Unternehmen in hochregulierten Branchen, die staatlicher Aufsicht unterworfen sind, beispielsweise in der Finanzdienstleistungsbranche. Doch auch hier stehen die unternehmensinternen Prozesse und Aufwände zur Erfüllung von gesetzlichen Verhaltens- und Organisationspflichten nicht immer in einem angemessenen Kosten-Nutzen-Verhältnis zueinander.

Aber auch in Industriebranchen, die weniger stark reguliert sind, spielen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen eine untergeordnete Rolle.

Ineffiziente Compliance-Management-Systeme aus Angst

Dies gilt umso mehr, wenn Unternehmen bereits in den Fokus von Untersuchungsbehörden oder sogar strafrechtlichen Ermittlungen geraten sind und somit hohem Druck ausgesetzt sind, in den Ausbau ihres CMS zu investieren.

Aus Angst vor neuen Vorfällen und Sanktionen ergießt sich gegebenenfalls eine wahre „Regelungsflut“ über die Mitarbeiter, ohne dass deren nachhaltige Akzeptanz sichergestellt ist.

Ineffiziente Compliance-Management-Systeme: Flexibilität von Prozessen nimmt ab

Infolge von Überregulierung und eines Übermaßes an Kontrollen gestalten sich Entscheidungsprozesse häufig kompliziert und langwierig, wodurch die Flexibilität der Prozesse abnimmt.

Die negativen Auswirkungen auf das Geschäft lassen sich beispielsweise anhand der Verlängerung von Durchlaufzeiten für die Verarbeitung von Transaktionen oder dem Verlust von Aufträgen infolge von langwierigen Genehmigungsprozeduren festmachen.

Übertriebene Compliance-Maßnahmen stoßen auf Widerstand

Compliance-Maßnahmen, die als Überregulierung und übermäßige Beeinträchtigung des Tagesgeschäfts empfunden werden, treffen auf innere Widerstände der Mitarbeiter. Ohne Akzeptanz durch die Mitarbeiter kann sich keine positive, für die Wirksamkeit des CMS jedoch unerlässliche, Compliance-Kultur entwickeln.

In der Konsequenz führen überdimensionierte CMS, die als bürokratisches Hemmnis wahrgenommen werden, trotz eines theoretisch effektiven Set-up oft nur zu suboptimalen Ergebnissen.

Der Schlüssel zur Balance von Performance und Compliance aus betriebswirtschaftlicher Sicht liegt in der strikten Zielorientierung und Funktionalität des CMS

Das gewünschte Maß an Sicherheit und die damit verbundenen Aufwendungen und Einschränkungen des Handlungsrahmens für das Unternehmen und die handelnden Personen sind abzuwägen gegen das Risiko des Auftretens von Compliance-Verstößen und deren möglichen Konsequenzen für das Unternehmen.

Der Trade-off zwischen Sicherheit und Performance sollte idealerweise so aussehen, dass Kosten und Performance-Beeinträchtigungen nur zur Reduzierung von Risiken, also im Austausch für mehr Sicherheit, in Kauf genommen werden.

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Schlagworte zum Thema:  Compliance, Compliance-Management, Compliance-Organisation, Compliance-Kultur, Digitalisierung, Industrie 4.0

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