20.11.2015 | Top-Thema Mehr Effizienz und Transparenz durch Digitalisierung?

Einsatz von Führungskennzahlen zur Verhaltenssteuerung und -messung

Kapitel
Schulungen sind wesentliche Elemente zur Etablierung einer Compliance-Kultur.
Bild: Haufe Online Redaktion

Der zentrale Gedanke des Managements von Compliance liegt darin, Unsicherheiten bei der Einhaltung der relevanten Regeln eines Unternehmens durch die für das Unternehmen handelnden Personen zu reduzieren. Dies soll durch organisatorische Umsetzungsmaßnahmen, die auf ein möglichst rechts- und regelkonformes Verhalten im Unternehmen hinzielen, erreicht werden.

Mit vielen KPIs werden Ergebnisse gemessen, weshalb sie auch Berichtskennzahlen genannt werden. Es gibt aber auch Führungskennzahlen, mit denen Verhalten gemessen wird.

Führungskennzahlen messen die Umsetzung von Compliance-Maßnahmen und –Regeln. Ein Beispiel: Hat der Mitarbeiter auch die Maßnahmen (z. B. Anzahl von Stichproben in einem Bereich, Teilnahme an Online-Schulungen) vorgenommen, die vereinbart waren? Welche Rolle spielen diese KPIs in Ihrem Konzept?

Compliance ist als unternehmensweite Organisationsanforderung zu begreifen, die alle wesentlichen Bereiche und Prozesse der Gesellschaft umfasst. Ergebnisorientierte Kennzahlen sind nachlaufende (Lagging-)Indikatoren, welche die Konsequenzen bereits erfolgter Handlungen repräsentieren und eine Erfolgskontrolle erlauben.

Zur Steuerung des CMS müssen die Leistungstreiber, die zu den Ergebnissen führen, bestimmt und mittels vorlaufender oder verlaufsorientierter (Leading-) Indikatoren gemessen werden.

Ergebnisorientierte Kennzahlen geben keinen Aufschluss darüber, wie das Ergebnis erreicht werden soll. Verlaufsorientierte Indikatoren hingegen zeigen zwar Fortschritt und  Verbesserungen auf, aber nicht ob diese Verbesserungen auch in Ergebnisverbesserungen resultieren. Daher ist stets eine Mischung der beiden Indikatortypen zu empfehlen.

Kennzahlen des Compliance-Mangements mit verhaltenssteuernder Wirkung

Um das Schulungsbeispiel aufzugreifen: Ein effektives CMS muss sicherstellen, dass die Mitarbeiter an den für sie relevanten Schulungen regelmäßig teilnehmen. In diesem Sinne kommt manchen Indikatoren auch eine verhaltenssteuernde Wirkung zu.

Die Führungskräfte des Unternehmens müssen dafür Sorge tragen, dass ihre Mitarbeiter die Gelegenheit haben, an den Schulungen teilzunehmen und dies auch tatsächlich tun. Über die Steuerung innerhalb der Compliance-Organisation hinaus können Performance-Indikatoren mit den operativen Bereichen verknüpft werden, sodass eine Integration relevanter Compliance-Ziele in die im Rahmen eines Management-by-objectives-Prozesses vereinbarten individuellen Leistungsziele von Führungskräften erfolgt.

Praxisorientierte Operationalisierung von Zielen trägt zur Identifizierung mit den Zielen und damit zur Etablierung einer Compliance-Kultur bei

Die Vorgabe von Zielwerten für Schulungsquoten für die Führungskräfte kann zur Erreichung des Ziels einer konzernweiten Schulungsquote von X Prozent beitragen. Durch die Vorgabe konkreter, messbarer Compliance-Ziele für Führungskräfte wird das Verhalten in der gewünschten Richtung beeinflusst und dies trägt zur Identifizierung mit den Zielen und damit zur Etablierung einer Compliance-Kultur bei.

Voraussetzung dafür ist, dass der betreffende Vorgesetzte für die Zielerreichung klar verantwortlich gemacht werden kann und dass er für deren Realisierung auch auf budgetierte Ressourcen zurückgreifen kann.

Eine Compliance-Organisation fokussiert ja die Reduzierung von Risiken. Wie kann man derartige Aspekte integrieren?

Red flags sind Risikoindikatoren. Sie dienen der frühzeitigen Erkenntnis über Entwicklungstendenzen eines Risikos, zeigen also, dass sich ein Compliance-Risiko manifestiert oder sogar erhöht. Red flags können beispielsweise aus der Analyse von Compliance-Vorfällen abgeleitet werden und sind für das Monitoring und die kontinuierliche Verbesserung des CMS sehr wichtig.

Red Flags im Vertrieb

Beispiele für Red Flags im Vertriebsbereich sind etwa überdurchschnittlich hohe Werte von Geschenken je Kunde oder von Rabatten, Gutschriften, Rückvergütungen, Marketingzuschüssen.

Diese lassen sich in ein Überwachungskonzept integrieren, indem man Bandbreiten oder Schwellenwerte für diese Indikatoren definiert, sodass Abweichungen von den definierten Schwellenwerten im System eine Warnmeldung auslösen und eine weitergehende Analyse triggern, in der die Ursachen der Abweichung identifiziert werden.

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