| Compliance im Vatikan

Straftaten und Regeltreue in der Kirche

Compliance und der Vatikan - Compliance-Systeme sind noch ausbaufähig
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Geldwäsche, Pädophilie und Drogenhandel – Begriffe die man heute durchaus mit Kirche und Vatikan in Verbindung bringt. Manches ist in den letzten Jahren besser geworden – aber über Jahrhunderte gewachsene Strukturen sind schwer zu ändern. In manchen Bereichen ist das kirchliche Compliance-Managemant noch recht unvollkommen.

Es ist der kleinste Staat der Welt: Einen halben Quadratkilometer groß und und mit etwas über 800 Einwohnern. Bezogen auf diese Einwohnerzahl ist die Verbrechensrate im Vatikan immens.

Ausufernde Wirtschaftskriminalität und Korruption

Eine ausufernde Wirtschaftskriminalität und Korruption werden auch von den zuständigen Kirchenbehörden offen eingeräumt. Die vatikaneigene Bank spielt dabei keine unbedeutende Rolle. Sie wurde von den USA in die Liste der besonders geldwäscheaffinen Institute aufgenommen.

Drogen für den Vatikan

Aber auch anderer Delikte sind im Vatikan nicht unbekannt. Im März 2014 hat die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, am Flughafen Leipzig sei ein Paket mit 340 g Kokain aufgetaucht, dessen Adressat die Putzstelle im Vatikan gewesen sei. Das Kokain war fein säuberlich in Kondome verpackt.

Die vorschnelle Meldung in anderen Medien führte allerdings dazu, dass das Paket nicht abgeholt wurde und somit die Hintergründe nicht aufgedeckt werden konnten.

Drehkreuz für Schmuddelvideos

Aber auch das Pädophilie-Drama ging am Vatikan nicht spurlos vorbei. Die vatikaneigene Polizeibehörde ermittelt unter anderem gegen den polnischen Erzbischof Josef Wesolowski. Mehr als 100.000 Dateien mit Fotos und Videos von Jugendlichen unter 18 Jahren in sexuellen Positionen waren bei ihm gefunden worden. Da niemand eine solche Dateimenge nur für sich selbst benötigt, gehen die Behörden davon aus, dass der Bischof ein Drehkreuz für den Vertrieb dieser Schmuddelware unterhielt.

Die Vatikanbank soll sauber werden

Wie weltliche Organisationen auch, ist die Kirche verpflichtet, ihre Mitglieder zu rechtstreuem Verhalten anzuleiten. Eines der Urwerke der Regeln für menschliches Verhalten kommt aus der Bibel, nämlich die zehn Gebote. Dennoch hat offensichtlich die Kirche selbst Probleme, die Umsetzung ihrer Gebote durch ihre Mitarbeiter zu kontrollieren.

  • Deshalb hat inzwischen zumindest die Vatikanbank einen Compliance-Beauftragten eingestellt, der Kontrollmechanismen implementieren soll, mit denen die Regeltreue der Bankmitarbeiter überwacht werden kann. Transparenzregeln zur Überwachung von Konten und Geldflüssen wurden bereits neu geschaffen.
  • Die Bank möchte das Image einer Geldwäsche-Station ein für alle Mal loswerden. 

Aufarbeitung des Kindesmissbrauchs ist noch lange nicht beendet

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat auf der Bischofskonferenz im Januar betont, dass die Aufarbeitung des Missbrauchs noch nicht beendet sei. Im Bistum Trier hätten sich bisher 114 Menschen gemeldet, die sich als Missbrauchsopfer ausgegeben hätten. 83 von ihnen hätten bisher eine Entschädigung enthalten, in der Regel bis zu 5.000 Euro, in besonderen Härtefällen auch mehr.

Um in Zukunft die Regeltreue der Verantwortlichen auf diesem Gebiet zu gewährleisten, seien im Bistum Trier bisher mehr als 2.000 Mitarbeiter speziell geschult worden, sowohl was die Behandlung von Verdachtsfällen als auch deren Aufdeckung betrifft.

Hat die Kirche wirklich gelernt?

Laut Bischof Ackermann hat die Kirche einen intensiven Lern- und Entwicklungsprozess durchlaufen, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Man habe inzwischen ein Regelwerk „Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellen Missbrauch“ geschaffen, um „flächendeckend zu einer Kultur der Achtsamkeit und der Präventionsarbeit auf allen Ebenen zu gelangen“.

Wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bisher nicht sichtbar fortgeschritten

Die Aussagen des Bischofs sind durchaus nachvollziehbar, gleichzeitig ist aber zu konstatieren, dass die von der Kirche geplante wissenschaftliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bisher nicht sichtbar fortgeschritten ist.

Das Projekt des Kriminologen Christian Pfeiffer ist 2013 geplatzt, weil das Vertrauensverhältnis zwischen Pfeiffer und der Kirche zerrüttet war. Fünf Jahre nach den Enthüllungen des Jesuiten Klaus Mertes über die Missbrauchsfälle am Berliner Canisius Kolleg bleibt festzuhalten, dass noch einiges zu tun ist.

Täternetzwerke funktionieren immer noch

Der unabhängige Beauftragte für die Aufklärung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Ministerialdirigent Johannes Wilhelm Rörig, trat am 26.1.2015 mit drei vom sexuellen Missbrauch betroffenen Männern an die Öffentlichkeit, die eine äußerst negative Aufarbeitungsbilanz zogen.

Runder Tisch sexueller Missbrauch

Rörig hat die Aufgabe, die Empfehlungen „Runder Tisch sexueller Missbrauch“ umzusetzen und einen Entschädigungsfonds mit einem Volumen von 100 Millionen Euro, an dem sich je zur Hälfte Bund und Länder beteiligen, einzurichten. Erst 59 Millionen Euro sind bisher eingezahlt. Darin sieht Rörig aber nicht dass eigentliche Problem. Das Problem sei, dass in den Kirchen, Gemeinden und Bildungseinrichtungen die Täternetzwerke immer noch im Verborgenen schlummerten und teilweise auch funktionierten. Deshalb fordern Insider seit langem Compliance-Regelwerke mit strengen Kontrollmechanismen sowohl für die Kirche insgesamt als auch für deren Unterorganisationen wie Gemeinden und Bistümer.

Unzumutbare Wartezeiten für die Opfer

Immer noch wird eine hohe Intransparenz, besonders im Vatikan, beklagt. Opfer, deren Misshandlungen Jahrzehnte zurückliegen und die vor vielen Jahren ihren Fall im Vatikan gemeldet hätten, hätten auch nach vielen Nachfragen bis heute keine einzige Rückmeldung erhalten.

  • Außerdem wird die Entschädigungsleistung von 5.000 Euro als deutlich zu niedrig kritisiert.
  • Die geplante unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch wird erst 2016 ihre Arbeit aufnehmen.
  • Dann soll auch geklärt werden, welche Entschädigungsleistungen angemessen sind.

Die von der Kirche bisher erbrachten Standardzahlungen von jeweils 5.000 Euro sind nach allgemeiner Meinung jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss. Bis alles geklärt ist, wird wohl einer Reihe von Tätern und Opfern nicht mehr leben.

Schlagworte zum Thema:  Kindesmissbrauch, Geldwäsche, Drogen, Katholische Kirche, Kirche

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