Die Umsetzung durch strategische Compliance Maßnahmen

Die strategische Steuerung und Umsetzung von Compliance scheint nicht immer einfach und klar zu sein. Hilfreiche Praxistipps für die Unternehmenskultur und -kommunikation sowie die Erstellung eines Verhaltenskodex sind Basiselemente einer nachhaltigen Compliance.

Die Umsetzung durch strategische Compliance Maßnahmen

Wenn Unternehmen das Thema Compliance angehen wollen: Was sind die wichtigsten strategischen Elemente?

Ein absoluter Dauerbrenner und oft ein strategischer Durchbruch ist der „Tone from the Top“, ein sich zu Compliance bekennendes Top-Management. Das hört sich ziemlich platt getreten an, allerdings muss das Top-Management nicht nur hinter den Compliance-Regelungen stehen, sondern sie auch vorleben.

Zudem sind regelmäßig Schulungen durchzuführen. Dabei ist es natürlich nicht einfach aus den vielfältigen Schulungsmöglichkeiten, die Sie heutzutage haben, die für Ihr Unternehmen passgenaue herauszufiltern. Es sollte darauf geachtet werden, dass mindestens die Corporate Identity implementiert werden kann. 

Zu guter Letzt lebt Compliance doch sehr stark von der Kommunikation. Wenn Sie nicht präsent sind als Compliance-Abteilung, haben Sie keine Chance.

Sie sind der Meinung, dass ein Verhaltenskodex eher ausführlicher sein sollte. Ausführlich ist ein sehr weiter Begriff. Wie genau definieren Sie ausführlich?

Das haben wir auf der Compliance Conference auch diskutiert. Ein Verhaltenskodex sollte mehr als eine DIN-A-4 Seite sein. Der Aufbau ist doch sehr unternehmensindividuell und hängt davon ab, wie Veröffentlichungen grundsätzlich im Unternehmen dargelegt werden. Dennoch denke ich, dass ein etwas längerer Kodex durchaus die Wertigkeit erhöht. Ich kann Ihnen mal sagen, wieviel Seiten wir haben. Wir kommen hier auf 21 Seiten. Wobei, das ist so eine kleine Taschenbroschüre, d. h., wenn man es zusammenschreibt sind es ca. 8 DIN-A-4 Seiten.

Sie geben Ihren Mitarbeitern also ein Taschenbuch an die Hand, dass sie immer auf ihrem Schreibtisch parat haben sollten?

Genau. Das ist der Praktikabilität und der Handhabung geschuldet. Wichtig sind am Ende auch die Kontaktdaten der Verantwortlichen, wie z.B. Compliance Officer und Hinweisgeber-System. 

Welche weiteren Medien nutzen Sie zur Kommunikation des Kodex?

Wir haben umfangreiche Trainingsmaßnahmen, sowohl Präsenztrainings als auch e-Learnings. Zudem haben wir eine ganz große Sektion in unserem Intranet und unseren Sharepoints, einem sog. Content-Management-System, auf dem all diese Inhalte nochmals hinterlegt sind. Es wird regelmäßig auch in Führungskräftetreffen darüber diskutiert und es gibt Poster, die zu Wiederholungszwecken in den Abteilungen aufgehängt werden. Es finden somit umfangreiche Publikationsmaßnahmen statt.

Noch eine Frage: Was würde Ihnen als Compliance-Verantwortlicher die Arbeit wesentlich erleichtern? Oder anders gefragt: Was würden Sie sich am meisten wünschen?

Wie es bei uns im Unternehmen läuft ist es eigentlich sehr gut.

Das Wichtigste ist sicherlich der enge Draht zur Geschäftsführung. Sowie auch die Möglichkeit die Themenstellung dort zu platzieren. Dadurch kann Compliance dann wieder von „oben“ in den Trichter gekippt werden. Ich denke, das ist elementar für einen Compliance-Verantwortlichen und eine Empfehlung meinerseits – für alle Beteiligten.

Ansonsten ist das gerade schwierig für mich zu beantworten, was ich mir jetzt noch wünschen würde.

Haben Sie vielen Dank für das sehr spannende Interview!


Das Interview führten Colline Jux und Günther Lehmann der Haufe Gruppe.