19.01.2015 | Bonuszahlungen

Für die Banken gibt es nach der Finanzkrise bei Compliance noch Handlungsbedarf

Compliance-Beteuerungen der Banken nach der Finanzkrise wurden nicht immer umgesetzte
Bild: Haufe Online Redaktion

Vollmundige Versprechen zu strengeren Regelwerken zur Selbstbeschränkung bei unverhältnismäßigen Bonizahlungen gab es zuhauf. Umfangreiche Compliance-Regelwerke haben fast alle Bankhäuser geschaffen. Praktisch geändert hat sich fast nichts. Auch bei nicht so tollem Verlauf werden weiter großzügig Boni verteilt.

Die Federal-Reserve-Bank of New York (Fed) spricht es offen aus. Außer hehren Versprechungen habe sich nach der Weltfinanzkrise im Bankgeschäft nichts geändert. Der Präsident der New York Fed, William Dudley, drängt seit Ende letzten Jahres auf härtere Maßnahmen des Gesetzgebers. Eine durchgreifende Änderung der Bankenkultur müsse durch den Gesetzgeber erzwungen werden, sonst ändere sich nichts.

Verhaltensmuster der Institute sind dieselben wie vor der Finanzkrise

Dies belegen nach Auffassung Dudley`s die jüngsten Bankenskandale. Die Manipulation des Londoner Interbankenzinses Libor, die Missbräuche im Devisenhandel, die Beihilfe zur Steuerhinterziehung und der Bruch von Wirtschaftssanktionen, dies alles sind nach Auffassung von Dudley Beweise für die bisher zu konstatierende Wirkungslosigkeit der wortreichen Compliance-Beteuerungen. Dudley gelangt sogar zu dem Schluss, dass Geldinstitute zerschlagen werden müssen, wenn sie „zu komplex sind, um effektiv geführt zu werden“

Wirkungslosigkeit wortreicher Compliance-Beteuerungen - Skandale enden nicht

Die Realität scheint Dudley Recht zu geben. Der Royal Bank of Scotland drohen für Vergehen aus der Zeit in und nach der Finanzkrise nach jüngsten Berichten Strafzahlungen in der schwindelerregenden Höhe von ca. 5 Milliarden britischen Pfund.

Die deutsche Commerzbank hat sich offensichtlich inzwischen bereit erklärt, über 1 Milliarde US-Dollar Strafe in den Vereinigten Staaten zu zahlen. Ein großer Teil der Strafgelder folgt aus Verstößen gegen die verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Iran, den Sudan und gegen Myanmar. Die Verstöße datieren wesentlich aus der Zeit nach der Finanzkrise und nach Schaffung einer umfangreichen Bank-Compliance. Durch diese Zahlungszusage erkauft die Bank sich den Verzicht der Strafverfolgungsbehörden in den USA auf die Erhebung einer Anklage.

Bonierwartungen gehen nicht zurück - auch nicht bei schlechten Geschäftsergebnissen

Was für die Banken gilt, gilt für Hedgefonds erst recht. Einige Hedgefonds haben inzwischen im Verhältnis zu den Vorjahren ein dickes Minus eingefahren. Dies hält die Manager aber nicht davon ab, ihre Gehälter und Boni jährlich zu erhöhen.

Nach einem Bericht der Zeitung „Wirtschaftswoche“ liegt der Durchschnitt der Jahresgehälter bei Mitarbeitern von Hedgefonds bei satten 368.000 US-Dollar. Damit stiegen die Gehälter im letzten Jahr um starke 12 %. Darauf hinzuweisen ist, dass es sich bei diesen Angaben um echte Durchschnittsgehälter handelt, d.h. sämtliche kleineren Angestellten und Assistenten sind bei der Höhe des Durchschnittsgehalts berücksichtigt.

In England werden Boni rigoros zurück gefordert

Angesichts dieser Fakten hat Großbritannien zum 1.1.2015 die weltweit härtesten gesetzlichen Regelungen für Geldinstitute eingeführt. Die Institute sind nun gesetzlich verpflichtet, in dem Fall, dass ein Mitarbeiter durch seine Tätigkeit der Bank Schaden zufügt, die gezahlten Boni rückwirkend für sieben Jahre zurückzuverlangen. Dabei steht den Instituten keinerlei Ermessen zu, die Rückzahlungsforderung ist unbedingte Verpflichtung.

Banken-Mitarbeiter warten auf Geldsegen zum Jahresbeginn

In Deutschland wird in den Chefetagen der Banken im ersten Quartal über die Höhe der Bonusausschüttungen verhandelt. Die Investmentbanker erwarten wiederum satte Steigerungsraten. Im Anleihen-, Rohstoff- und Devisenhandel müssen die Mitarbeiter allerdings mit Abschlägen rechnen. In Deutschland wie in Europa gilt inzwischen eine Deckelung der Boni bezogen auf die Höhe des Jahresgehaltes.

Erfüllungshaftung gefragt

Der Chef der New York Fed, William Dudley, fordert derweil die Einführung einer Erfüllungsgarantie. Diese bedeutet, dass Manager und auch Händler künftig mit eigenem Geld dafür gerade stehen sollen, wenn das Institut gegen bindende Gesetze verstößt. Dudley fordert, dass im Fall der Verhängung einer Strafe gegen eine Bank diese zum Teil durch Rückgriff auf Gehälter und Boni der Mitarbeiter finanziert werden soll.

Verankerung von Compliance in den Köpfen der Akteure

Nur so könne ein ureigenes Interesse der Mitarbeiter auf Regelbefolgung, eine Verankerung von Compliance in den Köpfen der Akteure und damit eine neue Bankenkultur geschaffen werden.

Vgl. zu dem Thema auch:

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Schlagworte zum Thema:  Bonus, Finanzkrise, Hedgefonds

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