| Smartphone-Diebstahl

Kundin muss für vom Dieb verursachte Gesprächskosten nicht zahlen

Bild: Project Photos GmbH & Co. KG

In einem besonderen Fall von Smartphone-Diebstahl hat das Landgericht Berlin entschieden, dass die bestohlene Mobilfunk-Kundin nicht für die mit dem Mobiltelefon verursachten Gesprächskosten aufkommen muss.

Wenn das Smartphone geklaut wird, ist das ärgerlich. Richtig teuer wird es, wenn der Dieb die SIM-Karte missbraucht und eine hohe Handy-Rechnung verursacht. Im Streit um die durch den Missbrauch eines gestohlenen Smartphones verursachten Gesprächskosten hat das Landgericht Berlin zu Gunsten einer Mobilfunk-Kundin entschieden, die eine Rechnung von knapp 7.600 EUR zahlen sollte. Der Fall weist allerdings auch einige Besonderheiten auf, sodass Handy-Nutzer nicht generell auf einen Freibrief hoffen dürfen.

Diebstahl direkt nach Vertragsabschluss

So wurde das Smartphone der Kundin kurz nach Kauf und Abschluss des Mobilfunkvertrags samt der SIM-Karte und den Vertragsunterlagen entwendet, ohne dass die Frau die SIM-Karte bereits aktiviert hatte. Am Mittag des nächsten Tags meldete das Opfer diesen Diebstahl an der Hotline und wollte eine Sperrung erreichen. Die Sperrung war jedoch nicht sofort möglich, weil hierfür die Angabe von Kundennummer und Mobilfunknummer notwendig waren, über die die Frau zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr verfügte.

Hohe Roamingkosten

Mit dem gestohlenen Smartphone verursachten die Diebe durch Nutzung im Ausland innerhalb nur eines Tages Roaming-Kosten in Höhe von knapp 7.600 EUR, die das Mobilfunkunternehmen der bestohlenen Kundin in Rechnung stellte. Nachdem diese sich weigerte, reduzierte das Unternehmen die Rechnung um die Verbindungsentgelte, die bis zum Zeitpunkt der versuchten Sperrung angefallen waren. Dadurch reduzierte sich der Betrag auf rund 6.400 EUR .

Nicht nachvollziehbare Einzelheiten

Das Berliner Landgericht entschied jetzt jedoch, dass die Kundin auch diesen Betrag nicht zahlen müsse. So habe das Mobilfunkunternehmen nicht genau darlegen können, unter welchen Umständen die SIM-Karte aktiviert worden sei. Außerdem weise der Einzelverbindungsnachweis in der nur 13 Stunden anfallenden Nutzungszeit eine Verbindungsdauer von über 59 Stunden auf, was der Mobilfunkanbieter nicht nachvollziehbar habe erläutern können. Die Klage des Mobilfunkunternehmens auf Zahlung der Rechnung wurde daher abgewiesen. Das Urteil (Az: 9 O 177/12) ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Tipp: Um ähnlichen Ärger zu vermeiden, sollten Betroffene bei Diebstahl ihres Handy oder Smartphones unverzüglich die SIM-Karte sperren lassen.

(LG Berlin, Urteil vom 20.11.2012, Az. 9 O 177/12)

Schlagworte zum Thema:  Mobilfunk, Smartphone, Diebstahl

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