Whistleblowing - Aufdeckung... / 1 Einführung

Mit Whistleblowing bezeichnet man gemeinhin die Bekanntgabe von Informationen über bestimmte – meist illegale – Umstände innerhalb eines Unternehmens oder einer öffentlichen Verwaltung. Vielfach geht es um die Aufdeckung von Rechtsverletzungen einzelner Personen, ganzer Gruppen oder auch von Unternehmen oder Verwaltungen insgesamt. Den Begriff "Whistleblowing" kann man mit "Hinweisgeber" übersetzen. Hinweise auf Rechtsverletzungen können gegenüber unterschiedlichen Empfängern erfolgen, entweder nur an interne Stellen im Unternehmen oder aber an Dritte, insbesondere die Öffentlichkeit. Meist handelt der Whistleblower uneigennützig und dient der Abwendung von Gefahren und Risiken.

Whistleblowing ist ein Phänomen, das speziell in den letzten Jahren aus den USA nach Europa gelangt ist. Manche Whistleblower gelangen sogar zu einer gewissen Berühmtheit. Cynthia Cooper zum Beispiel war Vizepräsidentin der internen Revisionsabteilung bei WorldCom. Sie alarmierte den Vorstand über Bilanzmanipulationen, was zur Einleitung des Insolvenzverfahrens führte. Von der Times wurde Frau Cooper zur "Person of the Year 2002" gewählt. Paul van Buitenen war niederländischer Beamter der Europäischen Kommission und deckte Betrügereien einiger Kommissionsmitglieder auf. Die Kommission trat daraufhin insgesamt zurück. Trotz dieses dankenswerten Hinweises wurde Herr van Buitenen hierfür durch eine Beurlaubung bestraft. Bekannt sind leider auch zahlreiche Fälle, in denen es trotz vorheriger Hinweise von Mitarbeitern zum Eintritt von Katastrophen gekommen ist. Besonders gravierend waren der Challenger-Absturz 1986 und der Untergang der Herald of Free Enterprise.

In den USA weckt Whistleblowing vielfach positive Assoziationen, ist aber auch nicht unumstritten. Gerade wenn es um Staatsgeheimnisse geht, wie in den Fällen der Whistleblower Edward Snowden und Chelsea Manning, scheint die Regierung der USA als Betroffene kein Verständnis für Whistleblowings zu haben. Ein Whistleblower zeigt Zivilcourage und widersetzt sich rechtswidrigen Zuständen in seinem beruflichen Umfeld. Er hört auf sein Gewissen und versucht, die Wiederherstellung rechtmäßiger Verhältnisse zu erreichen. In Europa, speziell in Deutschland, hat Whistleblowing bislang vielfach noch ein negatives Image. Allein der Begriff des Verpfeifens ist negativ belegt. Die Loyalität mit dem Arbeitgeber wird in Deutschland besonders groß geschrieben. Der Whistleblower gilt als Denunziant, als Verräter. Doch auch in Deutschland wandeln sich langsam die Vorzeichen.

Gerade im Zusammenhang mit der Diskussion zur Corporate Compliance wird Whistleblowing als ein Mittel zur Verhinderung oder zumindest schnellen Aufdeckung von Skandalen in Unternehmen erwähnt und eingesetzt. Insider verfügen meist über die besten Kenntnisse, um mangelnde Sicherheitsvorkehrungen oder finanzielle Missstände zu entdecken. Dementsprechend werden Whistleblowing-Verfahren eingeführt und die Mitarbeiter zur Abgabe von Hinweisen über rechtswidrige Umstände angehalten. Viele große Unternehmen haben bereits ein Whistleblowing-Verfahren eingeführt, nur beispielhaft seien die Deutsche Bahn AG, die VW AG und die Siemens AG erwähnt.

Auch wenn die Einrichtung eines Whistleblowing-Verfahrens noch nicht allgemein verpflichtend ist, erscheint es für viele Unternehmen von Vorteil, ein solches Verfahren einzuführen. Entgegen dem ersten Eindruck betrifft dies nicht nur Großunternehmen. Auch mittelständische und sogar Kleinunternehmen könnten eine solche Einrichtung zu ihrem Vorteil nutzen. Auch in kleineren Unternehmen ist es nicht ausgeschlossen, dass einzelne Mitarbeiter oder Abteilungen einschlägige Rechtsvorschriften verletzen, möglicherweise sogar zunächst zum Vorteil des Unternehmens. Wird der Bilanzskandal eines Tages aufgedeckt oder wird eine Steuerhinterziehung in größerem Umfang festgestellt, dreht sich der scheinbare Vorteil zu einem erheblichen finanziellen Nachteil des Unternehmens, wodurch auch die Reputation des Unternehmens nachhaltig angegriffen werden kann.

Trotz bestehender Whistleblowing-Systeme schrecken Arbeitnehmer oft vor Meldungen zurück. Auch wenn ihnen rechtlich gesehen kein Nachteil entstehen darf und ihnen von Seiten des Unternehmens entsprechende Garantien gegeben werden, wird teilweise befürchtet, dass das Bekanntwerden ihrer Aussage dennoch zu einem Stillstand der beruflichen Karriere im Unternehmen führt.

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