Der technische Fortschritt sowie vor allem die umfangreichen, primär sicherheitstechnischen Maßnahmen des klassischen Arbeitsschutzes haben in den letzten Jahrzehnten zweifelsohne zu deutlichen Verbesserungen geführt. Der technische Sicherheitsstandard ist heute hoch entwickelt und wird von den Unternehmen i. d. R. auch erfüllt. Weitere signifikante und nachhaltige Verbesserungen sind deshalb i. d. R. nur noch von organisatorischen und verhaltensorientierten Präventionsmaßnahmen zu erwarten. Dies zeigen auch Analysen von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen. Die eigentlichen Ursachen – auch von vielen Verhaltensfehlern – liegen im organisatorischen Bereich und fallen damit in den Verantwortungsbereich der Unternehmensleitung und der Führungskräfte. Symptomatisch hierfür ist, dass auf die Frage, wer in einem Unternehmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz zuständig ist, sowohl die Führungskräfte als auch die Mitarbeiter oftmals die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder gar die Sicherheitsbeauftragten nennen. Es darf einen dann auch nicht wundern, wenn dort weder die Unternehmer noch die Führungskräfte das sich Kümmern um die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit nicht zu ihren wichtigen Aufgaben zählen.

Der Arbeits- und Gesundheitsschutz beschränkt sich dann auf das mehr oder weniger konsequente Einhalten der Sicherheitsregeln durch die Mitarbeiter sowie die Maßnahmen der Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Ohne nennenswerte Unterstützung des Managements konzentrieren sich diese dann – aus ihrer Sicht notgedrungen – auf Soll-Ist-Vergleiche der öffentlich-rechtlichen Vorgaben mit der realen Situation im Unternehmen. Ausgehend beispielsweise von mehr oder weniger regelmäßigen Begehungen weisen sie auf technische und organisatorische Mängel sowie sicherheitswidriges Verhalten hin. Durch diese Vorgehensweise verstärken sie unbewusst den Eindruck, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz primär die Erfüllung externer Vorgaben darstellt, wenig mit dem eigentlichen Arbeitsprozess zu tun hat (die Hinweise kommen ja nicht von den Prozessverantwortlichen), kaum etwas nützt (ja teilweise sogar stört oder unbequem ist) und die Aufgabe der Fachkräfte für Arbeitssicherheit darstellt. Von einem systematischen Vorgehen und Handeln sowie einem erfolgreichen Praktizieren von Sicherheit und Gesundheitsschutz kann in diesen Fällen nicht gesprochen werden. Erfolgreiche Unternehmen haben diese Problematik frühzeitig erkannt und managen deshalb ihren betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Die Arbeitsministerien und Berufgenossenschaften setzen ebenfalls auf die Strategie des Arbeitsschutzmanagements und fördern deren Anwendung.

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