| Datenschutzverstoß bei Versicherung?

Ermittlungen wegen illegalen Datenhandels bei der Debeka

Illegale Adressbeschaffung für Kundenakquise?
Bild: Haufe Online Redaktion

Jahrelang sollen Mitarbeiter der Debeka-Versicherung Adressen angehender Beamter gekauft haben, um sie zur Kundenaquise zu verwenden. Die Staatsanwaltschaft geht dem Vorwurf des illegalen Datenhandels nach. Auch der rheinland-pfälzische Landesdatenschutzbeauftragte prüft den Sachverhalt.

Bei dem jetzt von der Koblenzer Staatsanwaltschaft zu prüfenden Vorwurf gegen die Debeka-Versicherung geht es um den mutmaßlichen Kauf von Adressen angehender Beamter in großem Stil - mit dem Ziel, sich so einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Über Jahrzehnte hinweg sollen illegal Personaldaten von Referendaren, Lehramtsanwärtern und anderen jungen Beamten aufgekauft, weiter veräußert und zum Zweck der Vertragsanbahnung eingesetzt worden sein. Verkäufer dieser Daten sollen öffentlich Bedienstete gewesen sein.

Schon vor einigen Tagen hatte das „Handelsblatt“ über den Datenhandel berichtet (Ausgabe vom 1.11.2013). Die Medienberichte über dieses Vorgehen würden nun daraufhin überprüft, ob sie den Anfangsverdacht von verfolgbaren Straftaten enthielten, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Koblenz mit.

Neue Verhaltensrichtlinien für Vertriebsmitarbeiter

Die Debeka-Versicherung hat in einer Mitteilung Verfehlungen in den 1980er und 1990er Jahren eingeräumt. Vertriebsmitarbeiter hätten auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt worden seien. Auch der damaligen Führungsmannschaft des Unternehmens habe die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik gefehlt. „Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich mit ein“, wurde Debeka-Vorstandschef Uwe Laue zitiert.

Als Konsequenz führte die Versicherung neue Verhaltensrichtlinien für ihre rund 17.000 Mitarbeiter ein. Damit solle mögliches Fehlverhalten in der Zukunft sanktioniert werden. Die Debeka lehne Geschäfte mit Adresshändlern schon immer ab.

Landesdatenschutzbehörde prüft

Inzwischen hat auch der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner ein Verfahren „wegen Verdachts strafbaren Datenhandels“ gegen die Debeka-Versicherungsgruppe eingeleitet. Dem Unternehmen sei Gelegenheit gegeben worden, das Vorgehen zu erklären, teilte der Landesdatenschutzbeauftragte mit.

"Wir stehen in Kontakt mit der Debeka", sagte Stefan Brink, Mitarbeiter der Datenschutzaufsichtsbehörde, am Montag. Sollte es tatsächlich Verletzungen des Datenschutzes gegeben haben, könne ein Bußgeld von bis zu 300.000 Euro je Einzelfall verhängt werden. Wenn es sich um vorsätzliche Verletzungen mit einer "Gewinnmaximierungsabsicht" gehandelt habe, dann wäre es sogar eine Straftat.

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz, Datenhandel, Adresshandel, Versicherung

Aktuell

Meistgelesen