25.06.2014 | Entwicklerkonferenz

Googles Visionen vom vernetzten Zuhause

Googles selbstfahrendes Auto wird von den Leuten finanziert, die auf Anzeigen bei Google klicken.
Bild: Google

Computeruhren, Datenbrillen, Heimvernetzung und die meistverkaufte Smartphone-Plattform der Welt: Bei der Entwicklerkonferenz Google I/O kann der Internetgigant in diesem Jahr seine ganze Spannbreite demonstrieren. Die Konzentration der Daten macht Kritikern Sorgen. 

Bis jetzt verdient Google sein Geld vor allem mit Anzeigen im Umfeld der Google-Suche. Die Entwicklerkonferenz gibt einen Einblick in die Zukunftsvisionen des Konzerns. Bei dem Treffen von über 5000 Softwareentwicklern am Mittwoch und Donnerstag dürfte unter anderem das Betriebssystem Android Wear für Uhren und andere kleine Geräte im Mittelpunkt stehen. Vielleicht gibt es auch ein Update des Android-Systems für Smartphones und Software für Gesundheitsdaten. Hinter den neuen Funktionen kann man Antworten auf größere Frage suchen: Was ist Google heute? Und was will der Konzern sein?  

Vernetztes Zuhause – nur mit Zustimmung

Schon vor Beginn der Konferenz umriss Google seine Vision für das vernetzte Zuhause. Thermostate und Rauchmelder der zugekauften Firma Nest bekommen Schnittstellen. So bietet Daimler-Benz an, dass Autos automatisch die Ankunftszeit an die Nest-Systeme übermitteln, damit die vernetzte Heizung zu Hause bei Bedarf vorsorglich aktiv wird.  Lampen der Firma LIFX blinken bei Rauchalarm. Daten würden nur mit Zustimmung der Nutzer geteilt, heißt es.

Die jährliche Google I/O ist ein Fixpunkt im Google-Universum. «I/O» steht für «Input/Output», und damit meint Google nicht nur einen Fachterminus aus der Informatik, sondern die Kommunikation mit der Community. Hier werden Softwareneuerungen vorgestellt. Hier umgarnt der Konzern die App-Entwickler, die eine Smartphone-Plattform erst attraktiv für Nutzer machen. Hier werden Zukunftspläne sichtbar.

Bei Treffen im Mai 2013 stellte sich Google-Chef Larry Page ausgiebig Fragen aus dem Publikum und versuchte sich auch an grundsätzlichen Statements. Er rief auf, nicht in allem einen Konkurrenzkampf zu sehen, sondern an Innovationen für eine bessere Welt zu arbeiten. Er sorgte aber auch für Verstimmung mit dem Vorschlag unregulierter Freiräume für Forschung - viele "aufregende Sachen" könne man derzeit nicht ausprobieren, weil sie illegal seien.

Eingekauft: Drohnen-Entwickler, Überwachungskamera-Anbieter und Satelliten-Hersteller

Seitdem hat sich Google immer weiter ausgebreitet. Der Konzern präsentierte inzwischen den Prototypen seines eigenen selbstfahrenden Autos. Gekauft wurden ein Drohnen-Entwickler und ein Hersteller von Satelliten, die sehr detailreiche Aufnahmen der Erdoberfläche machen können. Und Nest, für 3,2 Milliarden Dollar geschluckt, greift nun als Google-Tochter nach dem Überwachungskamera-Anbieter Dropcam.

Kritiker: zuviel Wissen über einzelne Menschen unter einem Konzerndach

Im Silicon Valley will Google ein Schrittmacher der Innovation sein. Wie kaum ein anderes Tech-Unternehmen steht der Konzern aber auch in der Kritik. Für manche Politiker, Publizisten und Datenschützer konzentriert sich zu viel Wissen über einzelne Menschen unter einem Konzerndach. Zumal das Unternehmen die Nutzer aufruft, ständig in Google-Systeme eingeloggt zu sein, damit die Daten zum Komfort der Anwender miteinander verknüpft werden können.

Europäische Verleger und andere Rivalen im Kampf um die Online-Werbeumsätze werfen Google vor, der Konzern nutze seine Marktposition aus und bevorzuge unfair seine eigenen Angebote. Die öffentliche Wahrnehmung des Konzerns, der einst "tue nichts Böses" als Grundsatz formulierte, scheint lädiert.

Daten spielen immer die Hauptrolle

Trotz aller neuen Aktivitäten spielen Daten nach wie vor die Schlüsselrolle für Google: Der Konzern verdient sein Geld immer noch vor allem mit Anzeigen im Umfeld der Internetsuche. Mit anderen Worten: Die Pläne für selbstfahrende Autos, Ballons für Onlinezugang aus der Luft oder den vernetzten Haushalt werden von den Leuten finanziert, die auf Anzeigen bei Google klicken. Zugleich macht gerade das Auto-Projekt deutlich, dass Google nicht einfach nur Daten sammeln, sondern ein neues Mobilitäts-Konzept etablieren will.

Schlagworte zum Thema:  Google, Persönliche Daten, Online-Werbung, Datenbrille

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