| Datenskandal

Vertrauliche Akten von Anwälten und Arztpraxen in ungesicherter Lagerhalle entdeckt

Hundertausende vertraulicher Akten frei zugänglich
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Prozessakten, Arztrechnungen, Diagnosebögen und andere vertrauliche Akten lagerten offenbar jahrelang in einer frei zugänglichen Lagerhalle bei Eisenach. Die Halle gehörte nach Angaben des Thüringer Landesdatenschutzbeauftragten Hasse einer pleitegegangen Archivierungsfirma.

Es soll sich um Hunderttausende vertraulicher Akten von Rechtsanwälten und Arztpraxen handeln. Wie der Sender MDR Thüringen am Montag berichtete, ließ der Thüringer Landesdatenschutzbeauftragte Lutz Hasse, der von einem „datenschutzrechtliches Fukushima“ spricht, die Halle durchsuchen. Er habe Polizeipräsident Winfried Bischler um Amtshilfe gebeten, damit Bereitschaftspolizisten bei der Sichtung des Materials helfen.

Die Halle gehörte den Angaben zufolge einer 2008 pleitegegangenen Archivierungsfirma. Die Türen waren aufgebrochen und Scheiben eingeworfen worden. Seit wann die Halle ungesichert war, ist noch unklar. Möglicherweise hätten sich Unbefugte bereits vor Wochen Zutritt verschafft. Der Nachrichtenagentur dpa sagte Hasse, dass auch Weinflaschen herumgelegen hätten und Akten aus den Regalen geworfen worden seien.

Die meisten Dokumente noch archivierungspflichtig

Selbst Akten von Insolvenzverwaltern und Personalabteilungen von Firmen seien in den Aktenbergen entdeckt worden. Firmen und Selbstständige aus ganz Deutschland hätten hier ihre Akten gelagert. Einen genauen Überblick habe er aber noch nicht. Mit der Sichtung sei seine Behörde überfordert. Die meisten Dokumente unterlägen noch der Aufbewahrungspflicht und müssten an die Unternehmen - vor allem kleine Praxen und Firmen - zurückgegeben werden.

Möglicherweise seien auch einige der rund 250.000 Akten aus dem ungesicherten Lager gestohlen worden, hieß es. Die Archivierungsfirma hatte die Dokumente in dem 3.000 Quadratmeter großen Gebäude eingelagert. Der Eigentümer der in Konkurs gegangenen Firma sei derzeit nicht auffindbar und «setzte sich vermutlich ins Ausland ab», sagte Hasse.

Auftraggeber sind für ihre Dokumente verantwortlich

Die Landesärztekammer Thüringen und die kassenärztliche Vereinigung fordern ihre Mitglieder im Internet auf zu prüfen, ob sie Patientenakten bei der Firma gelagert haben und weisen darauf hin, dass sie weiterhin für ihre Unterlagen verantwortlich sind. Kunden der Pleitefirma müssten ihre Akten daher wieder in ihre Obhut nehmen. Betroffene Ärzte sollten mit dem Thüringer Landesbeauftragten für den Datenschutz Kontakt aufnehmen.

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz, Persönliche Daten, Archivierung, Ärzte, Rechtsanwalt

Aktuell

Meistgelesen