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Wie sicher sind Kreuzfahrtschiffe?

Kann ich jetzt noch ruhigen Gewissens eine Kreuzfahrt machen? Diese Frage dürften sich viele Urlauber nach der Havarie der "Costa Concordia" stellen. Wie sicher sind die Ozeanriesen? Welche Sicherheitsstandards gibt es? Wo liegen die größten Gefahren? Der dpa-Themendienst beantwortet die wichtigsten Fragen.

"Urlauber können weiterhin guten Gewissens auf ein Kreuzfahrtschiff", sagt Benedikt Funke, nautisch-technischer Berater beim Rückversicherer Munich Re. "Das Schiff ist ein sehr sicheres Verkehrsmittel." Das bestätigt auch Werner Lundt, Hauptgeschäftsführer beim Verband für Schiffbau und Meerestechnik. Alle Schiffe unterlägen internationalen Sicherheitsstandards, die regelmäßig kontrolliert würden, erklärt er.


Doch klar ist auch: "Kein Kreuzfahrtschiff ist unsinkbar - erst recht nicht, wenn der Kapitän es nicht richtig steuert." Das Unglück in Italien belegt das eindrücklich.

Welche Vorschriften gibt es?

Zwei wichtige Standards müssen alle Schiffe einhalten.

  • Die Solas-Richtlinien (Safety of Life at Sea) schreiben zum Beispiel vor, wie viele Rettungsboote auf dem Schiff sein müssen, wie viele Rettungswesten es gibt und wo diese zu deponieren sind.
  • Ähnlich wie Autos müssen Schiffe daneben regelmäßig zu einer Art TÜV. Dieser überprüft, ob die technischen Vorgaben eingehalten sind.

Wer überprüft die Sicherheit der Schiffe?

Alle fünf Jahre wird die Sicherheit der Schiffe überprüft. Ähnlich wie eine TÜV-Prüfung gibt es eine sogenannte Klassifikation. In Deutschland ist für diese Sicherheitsüberprüfung der Germanische Lloyd zuständig.

Für Kunden dient dies aber weniger als Auswahlkriterium bei der Buchung - Passagiere können vielmehr davon ausgehen, dass nur Schiffe mit gültiger Klassifikation unterwegs sind. Die Einhaltung der Solas-Richtlinien überprüfen die Behörden in den angelaufenen Häfen stichprobenartig.

Was sind die größten Risiken auf Kreuzfahrtschiffen?

Obwohl Schiffe komplett von Wasser umgeben sind, stellen Brände laut Funke das größte Risiko auf Schiffen dar. Die enorme Menge an Elektroinstallationen sei eine große Gefahrenquelle. Hinzu kommt, dass das eingesetzte Löschwasser das Schiff in Ungleichgewicht bringen kann.

Die weiteren Risiken sind laut Funke Kollisionen bei schlechter Sicht, Riffe, Sturm und Piraterie.

Welche Leckagen muss ein Kreuzfahrtschiff aushalten?

Allgemeingültige Aussagen, wie große Lecks Kreuzfahrtschiffe überstehen, lassen sich nicht machen. "Das hängt von der Größe der Schiffe ab", erklärt Lundt. So könne ein vergleichsweise kleines Leck ein 100 Meter langes Kreuzfahrtschiff bereits zum Kentern bringen, während ein 300 Meter langes Schiff stabil bleibt.

Wie ist die Besatzung ausgebildet?

Die nautisch-technische Besatzung von Schiffen kann stets ein Studium vorweisen. Ein Teil der Ausbildung ist auch das Notfallmanagement, zum Beispiel wird intensiv Brandschutz trainiert.

Auf Kreuzfahrtschiffen muss auch das Hotelpersonal bei Notfällen mithelfen. Diese Mitarbeiter erhalten laut Funke ebenfalls eine abgespeckte Sicherheitsschulung. Mindestens einmal pro Monat werden diese Kenntnisse trainiert.

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