04.10.2013 | Grubenunglück in Kali-Bergwerk

Ursachenforschung beginnt und Schuldfrage wird gestellt

Der Schacht der Kali-Grube bleibt nach dem Unglück erst einmal geschlossen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die 3 tödlich verunglückten Thüringer Bergleute in der Kali-Grube Unterbreizbach sind an einer hohen Konzentration Kohlendioxid gestorben. Das ergab laut Jochen Grundler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Meiningen, das vorläufige Obduktionsergebnis. Doch wie konnte es dazu kommen?

Das tödliche Gas hatte sich dem Kasseler Unternehmen K+S zufolge nach einer Routinesprengung zur Kali-Gewinnung in Sekundenschnelle in der weit verzweigten und bis zu 1.000 Meter tiefen Grube ausgebreitet.

Wie konnte es dazu kommen? Ursachenforschung läuft

Bergamt und Staatsanwaltschaft untersuchen, wie es zu dem Gasausbruch kommen konnte, der für eine gewaltige Druckwelle sorgte. Es war das schwerste Grubenunglück in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland. Der Staatsanwalt wollte mit Hinweis auf das vorläufige Obduktionsergebnis nicht von einem Erstickungstod der 3 Kumpel sprechen. In der Wissenschaft ist von einer Kohlendioxid-Vergiftung die Rede, die zum Tod führen kann.

Wegen der Sprengung war, wie dort üblich, vor Schichtbeginn zunächst ein Erkundungstrupp mit 7 Bergleuten in die Grube gegangen. Nur 4 der Kumpel konnten gerettet werden. Sie sind nach Unternehmensangaben inzwischen nicht mehr in ärztlicher Behandlung.

Die Befragung der Bergleute, die das Unglück überlebt haben, laufe noch, sagte Grundler. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass voraussichtlich in der kommenden Woche ein erstes Zwischenergebnis vorliegt. Werksunterlagen haben die Ermittler bereits sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft untersucht, ob es möglicherweise ein Verschulden Dritter gab.

Neben der Ursachenforschung wird auch die Schuldfrage gestellt

Das Grubenunglück im thüringischen Unterbreizbach ist nach Angaben der Werksleitung nicht durch Versäumnisse beim Arbeitsschutz verursacht worden. Nach bisherigen Erkenntnissen seien alle Regeln eingehalten worden, sagte Werksleiter Rainer Gerling am Mittwoch in Unterbreizbach. Auch die durch einen massiven Kohlendioxid-Austritt getöteten 3 Bergleute hätten sich wohl an die Vorschriften gehalten. Der Vorstandschef der K+S AG, Norbert Steiner, geht davon aus, dass die Bergleute es wahrscheinlich nicht mehr geschafft haben, ihre Schutzmasken aufzusetzen.

Helmut Mischo, Professor am Institut für Bergbau und Spezialtiefbau der sächsischen TU Freiberg, bescheinigte dem K+S-Konzern höchste Sicherheitsvorkehrungen. Der deutsche Bergbau sei sowohl im internationalen Vergleich als auch im Vergleich mit anderen Branchen eine der sichersten Industrien. "Doch auch wenn wir alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen, kann ein grundsätzliches Restrisiko nicht ausgeschlossen werden."

Staatsanwaltschaft und Bergamt suchen derweil weiter nach den Ursachen für das Unglück. Gerling zufolge wird der Schacht mehrere Tage stillgelegt bleiben. Zunächst müsse das Gas aus den Stollen entfernt werden. Die Grubenfeuerwehr ist nach Unternehmensangaben im Einsatz, um für Sauerstoffzufuhr zu sorgen.

Hilfe für Angehörige, Kollegen und Helfer

Ein so schreckliches Ereignis wie das Grubenunglück ist nicht nur für die Angehörige, sondern auch für die Kollegen und Helfer ein traumatisches Erlebnis. Viele benötigen professionelle Hilfe. Den Mitarbeitern und den Angehörigen wurde eine sozialpsychologische Betreuung angeboten.

An der Unglücksstelle erinnern Blumen und Kerzen an die Opfer der Tragödie. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sagte bei einem Besuch am Mittwoch, das Unglück habe ganz Thüringen geschockt. Falls von den Angehörigen gewünscht, wolle das Land eine Gedenkfeier für die toten Bergleute organisieren.

Schlagworte zum Thema:  Explosion, Compliance, Arbeitsunfall, Bergwerk

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