05.10.2012 | AKW-Stresstest

Europas Atommeiler schneiden nicht gut ab

Bild: Haufe Online Redaktion

Der europaweite Stresstest für Atomkraftwerke verdeutlicht, dass die Sicherheit der untersuchten Atommeiler nicht ausreicht. Von den 145 Reaktoren in den EU-Ländern haben laut Bericht quasi alle Lücken. Allein in 121 Reaktoren müssten Erdbebenwarnsysteme installiert oder nachgerüstet werden.

Bei 32 Reaktoren in Europa fehlten Abluftsysteme, um bei einem Unfall den Druck im Reaktorbehälter gefahrlos ablassen zu können. Bei 81 Reaktoren war die Ausrüstung für schwere Unfälle nicht an einem sicheren Ort aufbewahrt und bei 24 Reaktoren fehlte ein Ersatzkontrollraum.

Auch deutsche AKWs haben Nachholbedarf

Die Autoren bemängeln in punkto Erdbebenwarnsysteme sechs Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, von denen nur noch Brokdorf, Emsland und Grohnde aktiv sind. Bei den 9 noch aktiven deutschen Reaktoren wurden folgende Mängel festgestellt:

  • NECKARWESTHEIM II: Unvollständige Notfallvorschriften.
  • PHILIPPSBURG II: Unvollständige Notfallvorschriften.
  • ISAR II: Unvollständige Notfallvorschriften. Nicht auf Erdbeben einer bestimmten Stärke getestet.
  • GRAFENRHEINFELD: Unvollständige Notfallvorschriften. Nicht auf Erdbeben einer bestimmten Stärke getestet.
  • GRUNDREMMINGEN B: Unvollständige Notfallvorschriften.
  • GRUNDREMMINGEN C: Unvollständige Notfallvorschriften.
  • GROHNDE: Unvollständige Notfallvorschriften. Nicht auf Erdbeben einer bestimmten Stärke getestet. Fehlende Erdbebenwarngeräte auf der Anlage.
  • EMSLAND: Unvollständige Notfallvorschriften. Fehlende Erdbebenwarngeräte auf der Anlage.
  • BROKDORF: Unvollständige Notfallvorschriften. Nicht auf Erdbeben einer bestimmten Stärke getestet. Fehlende Erdbebenwarngeräte auf der Anlage.

Kosten für Nachrüstungen gehen in die Milliarden

Auf die Atomanlagenbetreiber in der gesamten EU würden für alle aktiven Meiler Kosten von 10 bis 25 Milliarden Euro zukommen.

Probleme in den Kernkraftwerken bei den Nachbarländern

  • Die Fachleute kritisieren für quasi alle französischen Standorte die Lagerung von Unfallausrüstung und sehen Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren. Das gilt auch für Frankreichs ältestes Atomkraftwerk Fessenheim direkt am Rhein, das bis Ende 2016 stillgelegt wird.
  • In Deutschlands westlichem Nachbarland Niederlande weist das AKW in Borssele - wie die meisten französischen Werke - vier Kritikpunkte von der Umsetzung der Leitlinien bis zur Lagerung auf.
  • Viel Anlass zur Kritik gab es in den ehemaligen Ostblockstaaten Tschechien und Bulgarien, wo bei allen geprüften AKW Schutzvorrichtungen gegen Gasexplosionen nach schweren Unfällen fehlen. Das gilt auch für Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Diesen Punkt bemängelt die EU-Kommission auch in Schweden, Spanien und Großbritannien.
  • Besonders schwerwiegende Mängel belegt der EU-Report für zwei Werke - Olkiluoto in Finnland und Forsmark in Schweden -, wo die Betreiber weniger als eine Stunde Zeit haben, um nach einem kompletten Stromausfall und/oder einem Ausfall der Kühlsysteme die Sicherheitssysteme wieder hochzufahren.

Greenpeace nannte die Ergebnisse des ALW-Stresstests alarmierend

"Bei einer strengeren Überprüfung wäre das Urteil für die meisten Reaktoren vernichtend ausgefallen." so der Atomexperte Tobias Riedl. Z. B. seien die Alterung der Reaktoren und bestimmte Unfallabläufe nicht berücksichtigt worden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte den Sofortausstieg aus der Atomkraft.

Schlagworte zum Thema:  Energiewende, Anlagensicherheit, Kernkraft, Kernkraftwerk, Atomunfall, Atomkraftwerk

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