12.12.2012 | Soziale Verantwortung in der Lieferantenkette

Wenn die Kontrolle nichts bringt

Gerade bei der Textilherstellung im Ausland könnte die soziale Verantwortung deutscher Unternehmen viel verändern.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Doch was, wenn die Kontrolle nichts bringt? Die deutsche Redensart greift in vielen Zulieferländern nicht, wenn es um den Arbeitsschutz geht. Doch die soziale Verantwortung gilt über die Grenzen hinaus.

Auch wenn in anderen Ländern andere Sitten herrschen, muss ein deutsches Unternehmen darauf achten, dass die Gesundheit der Beschäftigten dort geschützt wird. Doch für Fremde ist es gar nicht so einfach, die Kontrolle zu behalten. Letztlich hilft manchmal nur der Verzicht auf eine weitere Zusammenarbeit.

Schlechte Zustände sind bekannt

China, Bangladesch oder der Kongo sind weit weg. Doch kann im 21. Jahrhundert in Deutschland niemand ernsthaft behaupten, dass er die Zustände in den Ländern nicht kennen würde. Dafür muss man nicht hinreisen. Allerdings ist das Erleben vor Ort intensiver – und manchmal leider auch trügerisch.

Der Schein trügt

Firmen, die intensiv und regelmäßig Kontrollen bei ihren Zulieferfirmen im Ausland durchführen, können sich auf ihre Eindrücke und Ergebnisse hinsichtlich der Arbeitssicherheit nicht immer verlassen. Erfahrene Organisationen sagen, dass der Schein oft trügt. Entweder ist für die Prüfung alles vorbereitet oder Mängel werden nicht beseitigt, obwohl dies vereinbart wurde.

Wachstum ohne Sicherheitsbewusstsein

Da Politik und Industrie oft eng zusammenhängen, sind Forderungen schwierig durchzusetzen. Beide Seiten profitieren – wie etwa in Bangladesch – von dem enormen Wachstum der letzten Jahre. Der Markt der Textilherstellung beispielsweise schwappt immer mehr von China nach Bangladesch. Denn hier wird das Preis-Leistungs-Verhältnis als optimal bezeichnet.

Infrastruktur, Arbeitssicherheit, Arbeitszeiten – an allen Ecken klemmt es, denn auf die rasante Entwicklung war keiner vorbereitet. Viele freuen sich über die Chance auf Arbeit. Über Gefahren und Rechte macht sich kaum jemand Gedanken. Und die Gewerkschaften haben nichts zu sagen.

So werden Häuser aufgestockt, Wohnungen zu Fabriken umgenutzt. Dass die Gebäude nicht als Produktionshallen geeignet sind, darum kümmert sich niemand. Notausgänge gibt es nicht und wenn, wird der freie Platz davor als Lager genutzt oder für einen weiteren Arbeitsplatz.

Dauerhafte Verantwortung deutscher Unternehmen

Um die Zustände zu verändern, so die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC), sollten deutsche Textilunternehmen unter anderem Folgendes veranlassen:

  • sich einem internationalen Brandschutzabkommen anschließen,
  • den Gewerkschaften Zugang zu den Produktionsstätten ermöglichen,
  • ein Arbeitsschutz-Komitee vor Ort bilden,
  • Möglichkeiten bieten, sich über Sicherheitsmängel zu beschweren,
  • menschwürdige Arbeitszeiten und realistische Mindestlöhne festsetzen.

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