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Krebsfälle bei Brokdorf

Die Ursache für die erhöhte Krebsrate in der Gemeinde Wewelsfleth nahe dem Atomkraftwerk Brokdorf sollte endlich geklärt werden. Das fordert die Initiative "Brokdorf-akut". Sie übergab am Dienstag im Kieler Gesundheitsministerium fast 1900 Unterschriften. Demonstranten trugen ein Transparent "Krebsfälle bei Brokdorf aufklären".

Seit Jahren gibt es überdurchschnittlich viele Krebsfälle in der Gemeinde Wewelsfleth nahe dem Atomkraftwerk Brokdorf. Eine Ursachenklärung fordern die Gemeinde und Anti-AKW-Initiativen.


Im Ministerium gab es ein gemeinsames Gespräch. Danach bekräftigte ein Sprecher, das Ministerium wolle weiterhin die Ursachenaufklärung voranbringen. Auch eine weitere Studie werde unterstützt, "wenn dafür ein wissenschaftlicher Ansatz gefunden wird". Dies sei bislang nicht der Fall.

Seit Jahren stelle das Krebsregister Schleswig-Holstein eine signifikant erhöhte Zahl von Krebsneuerkrankungen in Wewelsfleth fest, betonte Bürgermeister Ingo Karstens (SPD), der auch selbst betroffen ist. Wewelsfleth grenzt unmittelbar östlich an Brokdorf an und liegt in der Hauptwindrichtung des Atomkraftwerks. Die Bürger seien äußerst beunruhigt.

Im Diagnosezeitraum 1998 bis 2008 lag die Fallzahl nach Angaben der Initiative in Wewelsfleth (142) um fast 50 Prozent über den 95 Fällen, die nach dem Landesdurchschnitt zu erwarten wären.

Seit Jahren fordert der Gemeinderat von Wewelsfleth, die Ursache zu klären. Das Gesundheitsministerium und das Institut für Krebsepidemiologie an der Universität Lübeck lehnten weitere Untersuchungen ab, weil sie angeblich nicht zielführend seien, kritisierte die Initiative. Nach ihren Angaben müssen Untersuchungen erfolgen, falls Krebsfälle statistisch signifikant auftreten. Das Institut komme seinen Pflichten nicht nach.

Dagegen hat es nach Angaben des Ministeriumssprechers bereits in den vergangenen zehn Jahren eine Vielzahl von Untersuchungen zu dem erhöhten Krebsvorkommen gegeben - "bisher ohne befriedigendes Ergebnis". Es fehle nach wie vor ein Forschungsansatz zur Klärung der Ursachen. Denn die meisten Krebserkrankungen in Wewelsfleth seien nicht auf Krebsarten zurückzuführen, die durch Strahlung ausgelöst werden.

In den Jahresberichten des Krebsregisters kommen nach Darstellung der Initiative die bisherigen Betrachtungen über Mutmaßungen über das individuelle Verhalten der Betroffenen und den Einfluss von Arbeitsstätten nicht hinaus.

Angeblich könne das Kernkraftwerk nicht der Verursacher sein, "was jedoch nicht abgeklärt wurde", so die Initiative. "Belastbare Erhebungen wurden nicht durchgeführt." Eine ernsthafte Aufklärung könnte weitere Krebserkrankungen reduzieren, argumentiert die Initiative.

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