26.03.2012 | Recht & Politik

Burnout-Prophylaxe: Rechtspflichten des Arbeitgebers

Bild: Haufe Online Redaktion

Der Sicherheitshelm ist am Bau selbstverständlich. Beim Schutz vor psychischer Überlastung, die etwa zu Burnout führen kann, ist die Rechtslage nicht so eindeutig und von Gerichten definiert.

Die rechtliche Verpflichtung zum Gesundheitsschutz des Arbeitgebers ergibt sich aus dem BGB und dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).


Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers schließt weitreichende Pflichten zum Gesundheitsschutz ein. So muss der Arbeitgeber

  • einem Burnout vorbeugen,
  • bei konkreten Anzeichen einer drohenden Krankheit entgegenwirken
  • und mit dem Burnout-Fall angemessen umgehen.

 

Pflicht, vor arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren angemessen zu schützen

Auch wenn Unternehmen nicht dazu verpflichtet sind, ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement einzurichten ist. Präventiver Gesundheitsschutz ist Pflicht (§ 618 BGB):

  • Danach hat der Arbeitgeber die Arbeitsumgebung so zu gestalten
  • und die Arbeitsleistung so zu regeln,
  • dass die Arbeitnehmer vor arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren angemessen geschützt sind.

Gemeint sind sowohl Gefahren durch physische als auch psychische Be- oder Überlastung. Zentrales Werkzeug ist die Gefährdungsbeurteilung.

 

Bei Burnout-Anzeichen muss der Arbeitgeber gegensteuern

Bei ersten konkreten Anzeichen einer gesundheitsgefährdenden psychischen Überlastung, greift die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers und er muss gegensteuern. Im Extremfall kann dies bedeuten, dass er den Mitarbeiter zum Erholungsurlaub anhalten oder sogar anbieten muss, auf einen anderen Arbeitsplatz zu wechseln.

 

Burnout als Standard-Arbeitsunfall "im Aufwind"

Psychische Belastungen sind als abstrakter Gefährdungsfaktor anerkannt, spielten bislang aber eine untergeordnete Rolle. Neuere Untersuchungen über den wachsenden Anteil psychischer Erkrankungen an den berufsbedingten Erkrankungen legen hier jedoch ein baldiges Umdenken nahe.

 

Kosten für Ausfallzeiten vermeiden

Statt der typischen Unfälle am Arbeitsplatz wie Stürze oder Quetschungen bedrohen die Gesundheit der Arbeitnehmer laut Dekra-Bericht zunehmend Burnout und innere Kündigung: "Bei der Arbeitssicherheit steht Deutschland im Vergleich gut da und wird immer besser", so Dekra-Arbeitsschutzexperte Sebastian Bartels.

Dennoch schenkten die Firmen dem Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten noch zu wenig Beachtung - und zahlen dafür viel drauf. Durch Ausfallzeiten entstehe der deutschen Wirtschaft somit jährlich ein Schaden von 43 Milliarden Euro.

 

Psychische Erkrankungen haben sich seit 2004 verzehnfacht

Die Bedeutung von psychischen Erkrankungen bei diesen Fehlzeiten steigt seit Jahren. Im Vergleich zu 2004 haben sie sich nach Zahlen des AOK-Bundesverbandes verzehnfacht. Und tendenziell bedeuten Erkrankungen wie Burnout deutlich mehr Fehltage, als etwa eine Atemwegserkrankung oder andere physische Erkrankungen.

Neben dem Absentismus schlagen sich Folgekosten von Burnout auch im Präsentismus nieder: Arbeitnehmer sind anwesend, bleiben aber aus psychischen Gründen weit unter ihren Möglichkeiten.

Aktuell

Meistgelesen