25.03.2013 | Chemikalien im Wasserkreislauf

Wie gesund ist unser Trinkwasser wirklich?

Was ins Klo geschüttet wird, ist nicht einfach weg.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Tausende von Chemikalien gelangen in den Wasserkreislauf und werden dort zum Teil chemisch verändert. Viele dieser Stoffe können in Kläranlagen nicht herausgefiltert werden. Sie sollten daher erst gar nicht ins Abwasser gelangen, denn irgendwann landen sie wieder im Trinkwasser.

"Vermutlich sind bereits mehrere tausend chemische Stoffe in dem vom Menschen genutzten Wasserkreislauf. Über ihre Wirkung wissen wir wenig", sagt der Lüneburger Umweltwissenschaftler Klaus Kümmerer. "Wir müssen vermehrt dafür sorgen, dass derartige Stoffe nicht in den Wasserkreislauf kommen", fordert er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem der gedankenlose Umgang Medikamenten und Reinigungsmitteln sorgt dafür, dass immer mehr Chemikalien ins Trinkwasser gelangen.

Wer weiß, wie sich diese Stoff in der Umwelt verhalten

"Auch weil sich die Stoffe in Wasser und Boden chemisch verändern, haben wir kaum Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen auf Mensch und Tier", ergänzt der Wissenschaftler, der an der Lüneburger Leuphana Universität das Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie leitet.

Selbst moderne Methoden schaffen es nicht, alle Stoffe herauszufiltern. "Manche Methoden produzieren sogar Stoffe, die giftiger sind als die Ursprungssubstanzen", erläutert Kümmerer. Je nach Technik passieren die meisten Stoffe auch erweiterte Behandlungen in Kläranlagen und gelangen zum Teil wieder ins Trinkwasser.

"Was im Grundwasser ist, kann man nicht mehr herausholen."

mahnt Kümmerer. "Wir haben in Mitteleuropa noch sauberes Trinkwasser, da muss man sich keine Sorgen machen", betont der Forscher. "Aber damit es nicht endet wie in anderen Regionen der Welt, müssen wir vorsichtig sein." Es seien viel mehr Substanzen als früher, die ins Grund- und Trinkwasser gelangen, ergänzt er. Auch neue Methoden der Erdgasförderung wie Fracking stellten eine Gefahr für das Trinkwasser dar.

Reinigungsmittel und viele andere Stoffe werden mit dem Abwasser entsorgt

Dazu gehörten auch viele Medikamente, die über Ausscheidungen ins Wasser gelangen oder einfach in der Toilette entsorgt werden. Schmerzmittel und Hormone aus Antibabypillen schädigten laut Studien bereits die Fische. Auch Mittel gegen Pilze aus importierter Kleidung gelangten beim Waschen ins Wasser.

Die Stoffe sollten nicht ins Abwasser gelangen

"Wir müssen am Beginn des Rohres ansetzen und die Stoffe reduzieren, damit man nicht am Ende aufwendig filtern muss", so Kümmerers Fazit.

Schlagworte zum Thema:  Trinkwasser, Kläranlage, Abwasser, Hormone

Aktuell

Meistgelesen