23.12.2011 | Sicherheit

Stress - was ist das eigentlich?

Der Begriff "Stress" wird unterschiedlich verwendet: Im Alltagssprachgebrauch meint jemand, der "im Stress ist", dass er viel zu tun und wenig Zeit hat. Wer "Stress mit seinem Kollegen" hat, befindet sich in einer Konfliktsituation. Auch in der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Stressmodelle. Je nachdem, welches Modell man zugrunde legt, ergeben sich daraus unterschiedliche Ansätze für Maßnahmen zur Stressvermeidung oder zum Stressabbau.

Entwicklungsgeschichtlich gesehen war Stress eine sinnvolle Reaktion, um zu überleben und die Leistungsfähigkeit zu steigern: Bei Gefahr schüttet der Körper die Hormone Cortisol und Adrenalin aus. Das sorgte dafür, dass der Mensch in der Steinzeit nicht mehr groß nachdenken musste, ob er fliehen oder angreifen sollte.


Doch darin liegt mittlerweile das Problem

"Das Wenigste ist heute lebensbedrohlich", betont der Diplom-Psychologe Lutz Hertel vom Deutschen Wellnessverband (DWV) in Düsseldorf. "Viele Situationen werden aber dennoch übermäßig oder unbegründet als bedrohlich empfunden. Und genau diese Gedanken sind es, die stressen." Wie in der Steinzeit werden Hormone ausgeschüttet, Pulsschlag, Herzfrequenz und Blutdruck steigen an, die Atmung beschleunigt sich.

Ist der Stress chronisch, kann das zu dauerhaften Gefäßverengungen führen

Dabei verengen und verkrampfen sich auch die Blutgefäße schlagartig, erläutert Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen. "Wenn das Problem gelöst ist, sind Sie nicht wieder sofort im alten Zustand. Es dauert noch ein bis zwei Stunden, bis Sie wieder entspannt sind."

Ist der Stress chronisch, kann das zu dauerhaften Gefäßverengungen führen. Die vom Körper ausgeschütteten - ursprünglich leistungssteigernden - Substanzen Zucker und Fett tun ein Übriges. Im schlimmsten Fall kann der Stress dann zum Herzinfarkt führen, wie unter anderem im Jahr 2004 die Interheart-Studie belegte.

Woher weiß ich, dass ich Stress hab'

Dass man Stress hat, merkt man dem Mediziner und Führungscoach Jörg-Peter Schröder zufolge so: Es fällt schwer, sich etwas zu merken und sich zu konzentrieren, die Zunge ist trocken. Auch Denkblockaden, Muskelverspannungen, Spannungskopfschmerzen, ein zuckender Lidwinkel und Zähneknirschen können Anzeichen sein.

Stress vermeiden

Diese Entwicklung gilt es zu bremsen: Der Stress sollte gar nicht erst entstehen. Das heißt aber nicht, immer nur ruhig und tiefenentspannt zu sein.

Eine gewisse Anspannung brauche jeder Mensch, sagt Brück. "Das ist nicht schädlich, wenn es ein gewisses Maß nicht überschreitet." Dieses Maß ist bei jedem anders und hängt stark davon ab, wie jemand Situationen bewertet.

Schröder, der ein Buch zum Thema Stressmanagement geschrieben hat, gibt ein Beispiel: "Ein Perfektionist gerät womöglich bei Chaos leicht in Stress, während das einem kreativen Menschen nichts macht. Den stressen vielleicht eher Routineaufgaben."

Schlagworte zum Thema:  Psychische Belastung

Aktuell

Meistgelesen