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| Konsequenzen aus dem Stressreport 2012

Psychische Belastungen gehören in die Gefährdungsbeurteilung

Psychische Belastungen sollten bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Manch ein Mitarbeiter geht ganz gelassen mit Zeitdruck um, während der andere rote Flecken am Hals und einen hohen Blutdruck bekommt. Egal welche Faktoren einen bei der Arbeit längerfristig stressen, gut für die Gesundheit ist das nie.

In vielen, ja, man will fast behaupten, in allen Berufen treten mittlerweile psychische Belastungen auf. Das ist eigentlich nichts Neues. Die Gesundheitsreporte der Krankenkassen oder die Statistiken der Arbeitsschutzbehörden belegen seit einigen Jahren, dass die psychischen Erkrankungen steigen. Und sie verursachen, so der BKK-Gesundheitsreport, die längsten Ausfallzeiten mit durchschnittlich 40 Tagen.

Wo soll man Magenschmerzen einordnen?

Die bereits jetzt schon alarmierenden Zahlen stellen nur einen Teil aller Krankheitsfälle mit psychischen Ursachen dar. Viele psychosomatischen Erkrankungen, die durch Stress ausgelöst werden wie etwa Magenbeschwerden oder Rückenschmerzen, werden nicht als psychische Erkrankungen eingestuft. Behandelt werden so häufig die Symptome, nach der Ursache wird selten geforscht. Eine ganzheitliche Gefährdungsbeurteilung zusammen mit dem Betriebsarzt könnte da helfen.

Warum ist es so schwierig, psychische Belastungen zu beurteilen?

Einen gebrochenen Arm kann man sehen, Rückenschmerzen eher nicht. Und Ängste, Sorgen oder innere Unruhe schon gar nicht. Die Auslöser oder Situationen, die zur psychischen Belastung werden können, werden zudem von jedem anders wahrgenommen und das oft auch noch tagesabhängig.

Allgemeingültige Faktoren, die sich bewerten lassen

Doch es gibt allgemeine Faktoren, die man bewerten und vor allem auch ändern kann, wenn sie bei der Bewertung negativ ausfallen. Dazu gehören:

  • Arbeitsorganisation,
  • Arbeitsabläufe,
  • Arbeitspensum,
  • Qualifikation,
  • Kommunikation und
  • Erreichbarkeit.

Allerdings finden sich zu diesen Faktoren bisher nur wenig gesetzliche Hinweise im Hinblick auf eine Gefährdungsbeurteilung. Dazu gehören die Anforderungen an Arbeitsabläufe, Arbeitszeit und Qualifikationen im Arbeitsschutzgesetz oder die Erwähnung der Beurteilung psychischer Belastungen in der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV).

Nicht warten, sondern handeln

Es wird voraussichtlich noch eine Weile dauern, bis es allgemein gültige Messverfahren und Grenzwerte geben wird. Doch können Gesundheits- und Arbeitsschützer im persönlichen Gespräch, mit Hilfe von Umfragen oder anonymen Fragebögen ermitteln, ob und welche psychischen Belastungen es an einem Arbeitsplatz gibt und entsprechende Maßnahmen im Unternehmen veranlassen, damit es zur Entlastung kommt.

Haufe Online Redaktion

Stress, Psychische Belastung, Gefährdungsbeurteilung, Burn-out-Syndrom

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