| Perforierte Erholung

Freizeithäppchen durch digitale Medien

Loslassen unmöglich durch ständige Erreichbarkeit
Bild: Haufe Online Redaktion

Internet, Computer und Smartphones erlauben ständige Erreichbarkeit. Doch durch die fortschreitende Medialisierung der Freizeit werden die Erholungsphasen immer kürzer.

Was ist der Grund dafür, dass Erholung und soziale Kontakte so oft den Kürzeren ziehen? "Akute Zeitnot und ein überbordendes Angebot, an das wir uns gewöhnt haben", sagt Freizeitforscher Reinhardt.

"Wir wollen soviel in unsere freien Stunden reinpacken und greifen zu Kombi-Aktivitäten." Sprich: Beim Fernsehen bügeln oder telefonieren, in der Telefonwarteschleife Mails checken.

Hinzu komme die Möglichkeit, sich via Internet und Smartphone viele Wünsche adhoc zu erfüllen - sei es die fehlende Information zu besorgen oder den just gehörten Song runterzuladen.

Aus längeren Erholungsphasen werden Freizeithäppchen

"Dieser Instant-Konsum wird noch zunehmen", glaubt Reinhardt. "Für die Mehrheit der Deutschen, vor allem für die jüngeren, ist es heute deutlich schlimmer, das Handy zu Hause zu vergessen als das Portemonnaie."

"Die Muße, das Faulenzen, geht weiter zurück", bescheinigt Reinhardt. Mögliche Folge: Mit der Zerstückelung werden auch die Aufmerksamkeitsspannen kürzer.

Nur noch mal schnell die Mails checken: Smartphones und Internet haben unsere Freizeit verändert

Prof. Frank Schwab, der an der Uni Würzburg den Lehrstuhl Mensch-Computer-Medien innehat, findet es problematisch, wie das Arbeitsleben via Smartphones die freie Zeit perforiere. "Man muss sich schützen vor immerwährender Erreichbarkeit."

Termin machen fürs Nichts-Tun

Auch Zukunftsforscher Peter Wippermann (Trend Büro Hamburg) sagt angesichts höchst mobiler Arbeits- und Lebensmodelle: "Wir haben die Zeiten der Systemkontrolle verlassen und müssen uns nun in Selbstkontrolle üben." Mehr als die Hälfte der jüngeren Deutschen habe heute keinen geregelten Tagesablauf mehr. "Aber wir alle brauchen einen bestimmten Rhythmus".

Digitale Medien mit vernetzbaren Kalendern, Foren und Listen lieferten nicht nur eine Flut neuer Angebote, sondern könnten auch helfen beim eigenverantwortlichen Planen von Berufs- und Freizeit: "Aber jeder sollte sich in diesem Kalender auch strikt eine 'Me-Time' verordnen, in der er gar nichts macht", sagt Wippermann.

Schlagworte zum Thema:  Erreichbarkeit, Freizeit, Burn-out-Syndrom

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