14.07.2011 | Sicherheit

Macht Zeitarbeit krank? – Heftige Debatte um TK-Daten entbrannt

Neue Zahlen zu Fehlzeiten von Zeitarbeitnehmern der Techniker Krankenkasse (TK) bestätigen: Zeitarbeit macht krank. Eine Aussage, die bei Volker Enkerts, Präsident des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP), auf wenig Gegenliebe stößt, beruhe sie doch auf falschen Grundannahmen und nicht repräsentativen Daten.

Laut der Techniker Krankenkasse sind Zeitarbeiter generell öfter arbeitsunfähig als Beschäftigte in anderen Branchen. 2010 war jeder Leiharbeiter in Deutschland durchschnittlich 15 Tage krankgeschrieben, bei konventionellen Arbeitnehmern waren es gut 3,5 Tage weniger. Hauptsächlich deshalb, weil Zeitarbeiter oftmals in körperlich belastenden Tätigkeiten beschäftigt sind, die erfahrungsgemäß mit erhöhten Fehlzeiten einhergehen. Wenig überraschend sind daher Muskel-Skelett-Erkrankungen Spitzenreiter bei den Diagnosen unter Zeitarbeitern. Sie verursachten 2010 pro Kopf 3,4 Fehltage.

 

Existenzangst als Auslöser psychischer Störungen

Jedoch hätte etwa ein Drittel der Differenz bei den Fehltagen der TK zufolge seine Ursache in der Zeitarbeit selbst. Denn viele Leiharbeiter leiden unter Existenzangst. Nur sieben Prozent der vorher arbeitslosen Leiharbeiter schaffen den Sprung in einen festen Job. Diese schlechten Aussichten würden am Nervenkostüm zerren, was sich letztlich auch in den Krankheitsdaten widerspiegelt. So gehören psychische Störungen mit zu den Hauptursachen für Fehlzeiten. 2010 meldete sich jeder Zeitarbeiter im Durchschnitt knapp zwei Tage psychisch bedingt arbeitsunfähig. Binnen zwei Jahren sind die Fehlzeiten unter psychischen Diagnosen um zwölf Prozent gestiegen.

 

BAP-Präsident warnt vor Verallgemeinerungen

In den Augen von Volker Enkerts, Präsident des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP), mangelt es den veröffentlichten Daten der TK vor allem an Repräsentativität. Eine Verallgemeinerung auf die ganze Zeitarbeitsbranche hält er schlicht für unzulässig. Schließlich beziehen sich die Zahlen ausschließlich auf bei der TK versicherte Arbeitnehmer und nicht auf die Gesamtheit der versicherten Leiharbeiter.

Als zweites Argument führt Enkerts an, dass nicht die Zeitarbeit als Tätigkeitsform und Branche, sondern das Einsatzgebiet für die höheren Fehlzeiten hauptverantwortlich sei. So arbeitet ein sehr großer Teil der Zeitarbeitnehmer im sogenannten Helferbereich, wo sie insgesamt überdurchschnittlich oft körperlich anstrengende Tätigkeiten ausführen und vor allem deswegen häufiger krank werden als der Durchschnitt der TK-Versicherten.

 

Gesundheitsmanagement in der Zeitarbeitsbranche im Aufwind

Nach der heftigen Kritik an der TK-Mitteilung zeigt sich Volker Enkerts zum Schluss dennoch einsichtig. So seien die Fehlzeiten und Arbeitsunfälle nicht von der Hand zu weisen. Ein Grund, warum das Thema "Gesundheit" immer mehr zum Hauptanliegen unserer Branche werde, so Enkerts. Die BAP habe bereits vor Jahren mehrere Projekte initiiert, um die Fehlzeiten und Zahl der Arbeitsunfälle zu senken – etwa durch betriebliches Gesundheitsmanagement, Prävention, bessere Information und Einarbeitung.

 

Schlagworte zum Thema:  Psychische Belastung

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