| Interview

Prävention mit Humor - Ressourcen leicht und spielerisch stärken

Humor ist eine innere Haltung, eine heitere Gelassenheit.
Bild: PhotoAlto

Dr. Petra Klapps, Fachärztin für Neurologie, Coach und therapeutische Clownin, setzt in ihren Seminaren und Workshops auf zukunftsorientiertes und erfolgreiches Handeln mit Freude. Im Gespräch mit der Haufe-Redaktion erläutert sie, wie und warum sich Humor in der Prävention lohnt.

Schulungen und Unterweisungen gehören zum betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Auch hier lassen sich mit der richtigen Dosis Humor die eigentlich so ernsten Themen besser vermitteln.

Frau Dr. Klapps, Sie leiten ein Institut für Humor und Kreativität. Welche Rolle spielt Humor in Ihrem eigenen beruflichen Alltag?

Eine ganz große Rolle. Der Humor wirkt im Privaten wie im Berufsalltag wie ein Schmiermittel. Bei meinen Workshops dient er als Öffner, mit dem ich wertschätzend Zugang zum Menschen finde.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Humor in Unternehmen zu bringen?

Die Unternehmen sind auf mich zugekommen. Ursprünglich waren Ärzte meine Zielgruppe. Aus meiner eigenen Zeit als Medizinerin wusste ich, dass Ärzte viel Humor haben müssen, um Zugang zu ihren Patienten zu bekommen. Auf diese Angebote wurden dann Unternehmen aufmerksam und wollten Seminare und Workshops für ihre Mitarbeiter, vor allem für ihre Führungskräfte.

Warum buchen Unternehmen bei Ihnen Humor?

Da kann man zwei Beweggründe unterscheiden. Die einen stehen vor der Umstrukturierung des Unternehmens. Sie wollen ihre Mitarbeiter bei Laune halten und verordnen ihnen von oben herab ein Humorseminar. Die Führungskräfte, also der Kopf des Unternehmens, sind nicht dabei. Bei solchen „Zückerchen“ für die Mitarbeiter verpufft die Wirkung meistens. Deshalb halte ich von solchen Angeboten auch wenig.

Andere Unternehmen wollen etwas in ihrer Kultur ändern. Sie haben erkannt, dass der Arbeitsalltag starr und verkrustet ist. Sie wollen Kreativität und wertschätzende Kommunikation fördern, um das aufzubrechen und das Miteinander zu verbessern. Bei diesen Voraussetzungen kommen die Führungskräfte in die Workshops, fangen selbst mit dem Prozess der Veränderung an, brechen das Neue im eigenen beruflichen Alltag herunter und lassen die Mitarbeiter partizipieren. Das finde ich im wörtlichen Sinne den vorbildlichen Weg.

Humor im Unternehmen oder in der Personalentwicklung ist in Deutschland übrigens noch rar gesät. Humor gilt in Deutschland oft als unseriös. In anderen europäischen Ländern sieht das anders aus. Vorbildlich sind die Niederlande, die flachere Hierarchien haben. Auch in Skandinavien oder in Frankreich hat der humorvolle Umgang einen viel höheren Stellenwert.

Gibt es Branchen, die Humor im Arbeitsalltag besonders wertschätzen? Und gibt es welche, die es besonders nötig hätten?

Eigenartigerweise sind es die Pharma- und Chemiekonzerne, Banken sowie die IT-Branche und bestimmte Gesundheitsbereiche, die anfragen. Generell kann man sagen: Je größer ein Konzern, desto notwendiger hat er es. Denn dort finden immer wieder Umstrukturierungen statt. Und je mehr umstrukturiert wird, desto mehr lässt die Wertschätzung nach. Stromlinienförmige Unternehmensberatungen geben dem Ganzen dann oft den Rest.

Können Sie Beispiele nennen, wo Sie in der betrieblichen Personalentwicklung bzw. im Arbeitsschutz Humorseminare für besonders effektiv halten?

Generell in der Kommunikation, in der Teamentwicklung und in der Mitarbeiterführung. Auch im Arbeitsschutz halte ich es für wichtig, positiv und humorvoll zu formulieren. Denn humorvolle Kommunikation ist immer auch authentische Kommunikation. Das wirkt sich auf das Verhalten aus, fördert die Kreativität, das Betriebsklima und die Wirkung nach außen. Untersuchungen haben bestätigt, dass Unternehmen, zu deren Kultur der Humor gehört, sowohl von Kunden besser bewertet werden als auch von zukünftigen Mitarbeitern. Andersrum wirkt es übrigens auch: Ein humorvoller Mitarbeiter hat bessere Aufstiegschancen. Er wirkt sympathischer und wird kompetenter eingeschätzt. Deshalb lohnt es sich, den Humor zu fördern.

Wer den Humor fördert, ermutigt auch zur Selbständigkeit und zur Eigenverantwortung. Humor erleichtert die Kommunikation, fördert die Offenheit und schafft die Voraussetzung für Problemlösungen. Humor ermöglicht einem Perspektivenwechsel und konstruktives Handeln.

Werden bei einem Humorworkshop denn Witze erzählt?

(Dr. Klapps lacht.) Wir lachen schon sehr viel. Mit spielerischen Formen wird eine andere Verhaltensweise eingeübt. Dabei greife ich zum Beispiel auf Methoden des Theaters, auch des Clowns- oder Improvisationstheaters zurück. Wir achten darauf, wie Sprache benutzt wird. Im Alltag benutzen wir oft „nicht, kein, aber, ...“ Wie kann man das ändern und Sprache positiv einsetzen? Denn spreche ich mit positiven Formulierungen, verändert sich auch meine Stimmung in eine positive.

Humor-Seminare oder Workshops sind keine Witzshows, sondern Persönlichkeits-Trainings. Denn Humor ist erlernbar – wieder erlernbar. Jeder Mensch wird mit Humor geboren. Im Leben geht er manchmal verloren, dann sollte man ihn trainieren. Humor ist eine innere Haltung. Im optimalen Fall ist es eine heitere Gelassenheit, kein Sich-kaputt-Lachen, sondern eine Weltsicht mit einer großen Portion Toleranz.

Konkret gefragt: Kann Humor Arbeitsunfälle verhindern?

Wenn ich die humorvolle Einstellung trainiere, gehe ich mit mir und anderen achtsamer um. Dadurch trage ich viel dazu bei, dass Arbeitsunfälle vermieden werden.

Lachen baut Stress ab. Miteinander lachen, ob in der Pause oder am Arbeitsplatz, ist aktive Gesundheitsförderung. Die Behauptung: Wer lacht, macht seine Arbeit nicht gut, ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall!

Sind Unternehmen heute noch bereit, für „unterhaltende“ Schulungsangebote Geld auszugeben?

Der Trend geht stark in Richtung Organisationsentwicklung und Qualitätssicherung. Langweilige Themen, langweilige Schulungen. Das Interesse an wirklicher Personalentwicklung, an unterhaltsamen Angeboten mit Nachhaltigkeitseffekt hat leider nachgelassen.

Eine Zwei-Stunden-Abend-Bespaßung etwa auf Mitarbeiterversammlungen ist gerne gesehen. Doch das ist nicht mein Anliegen. Ich will langfristig etwas verändern. Für mich gehört zu einem guten Qualitätsmanagement, dass es Angebote zur Wertschätzung fordert und fördert. Doch von den meisten Unternehmen wird das anders verstanden. Sie wollen nur höher, schneller, weiter.

Was kann ich als Führungskraft für mich selbst tun, damit ich Freude an der Arbeit und an meinen Aufgaben habe?

In erster Linie sollte ich Vorbild sein. Ich kann nur bei mir selbst anfangen, wenn ich Vorbild für meine Mitarbeiter sein will. Ich kann darauf achten, dass Arbeit und freie Zeit in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, und für Ausgleich sorgen. Ich sollte mich selbst sehr gut kennen und an meinem eigenen Humorverständnis arbeiten. Ich habe dafür das Kolibri-Prinzip® entwickelt (Kreuz-Verlag), mit dem sich Ressourcen leicht und locker stärken lassen. Bin ich selbst gesund, bleiben auch meine Mitarbeiter gesund. Humor gehört zum Leben und somit auch an den Arbeitsplatz.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Klapps.

Das Interview führte Bettina Brucker M. A., Freie Journalistin und Autorin

Schlagworte zum Thema:  Prävention, Humor

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