Gesundheitsmanagement: Verbundsysteme für Fitnessangebote

Sportangebote sind für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter leistungsfähig und motiviert halten wollen, fast schon Pflicht. Interessant sind hier Verbundsysteme, die allen Mitarbeitern zu einem einheitlichen Tarif eine Vielzahl von Fitnessangeboten zugänglich machen.

Bei den Fitnessstudios knallen die Sektkorken – denn immer mehr Arbeitgeber schicken ihre Leute dort trainieren. Und das bedeutet zusätzliche Umsätze für die Studios. Der Trend hin zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) und zu Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) sei ungebrochen stark, teilt etwa der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen mit. Schon in den vergangenen Jahren habe es da ein dynamisches Wachstum gegeben. Doch vieles spreche dafür, dass die Zahl gerade auch kleinerer und mittlerer Unternehmen, die auf den Zug aufspringen, noch weiterwachsen werde: Viele Unternehmen würden ihren Mitarbeitern im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements vergünstigte Konditionen für Mitgliedschaften im Fitnessstudio anbieten.

Gewinner und zweifellos ein Stück weit auch Mitverursacher dieses Trends sind Verbundsysteme. Sie ermöglichen es Unternehmen, ihren Beschäftigten auf einen Schlag und zu einem einheitlichen Tarif eine Vielzahl von Fitnessangeboten in ganz Deutschland verbilligt zugänglich zu machen. Diese Systeme üben zugleich eine beträchtliche Anziehungskraft auf die Mitarbeiter aus.

Firmenfitnessprogramme: Verbundsysteme halten sich bei den Kosten bedeckt

„Für ein Firmenfitnessprogramm über ein Verbundsystem haben wir uns entschieden, da wir bereits seit mehreren Jahren ein Gesundheitsmanagement haben und jetzt etwas für die Gesundheitsförderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landkreises erreichen wollten“, sagt Silvia Häde vom Amt für zentrale Dienste und Finanzen des Landkreises Wittmund in Niedersachsen. Die Landkreisverwaltung mit rund 425 Beschäftigten nutzt seit 2017 das Hansefit-Verbundsystem. Dabei tragen die Mitarbeiter etwa die Hälfte des monatlichen Gesamtpreises, hinzu kommen Anmelde- und Kartengebühr.

Generell halten sich die Verbundsysteme, wenn es um die Tarifgestaltung geht, eher bedeckt. Üblich ist, dass für jeden Arbeitgeber ein individuelles Angebot erstellt wird. Der wachsende Markt sorgt für zunehmenden Wettbewerb der konkurrierenden Verbundsysteme.

Der Wettbewerb der Verbundsysteme nimmt zu

„Es gibt zurzeit eine Konsolidierung im Markt“, sagt Hansefit-Geschäftsführer Jens Pracht, „die wir als Marktführer mit Interesse verfolgen.“ Es sei normal, dass erfolgreiche Lösungen nachgeahmt werden. Die Konkurrenz belebe allerdings auch das Geschäft. Denn noch immer sei die Idee, Beschäftigten einen Zugang zur Fitness in der Freizeit zu geben, bei vielen Unternehmen noch gar nicht bekannt. Der lebhafte Wettbewerb trage dazu bei, das Konzept insgesamt bekannter zu machen.

„Hansefit bietet als Element der betrieblichen Gesundheitsförderung einen Baustein für das betriebliche Gesundheitsmanagement an“, erläutert Pracht das Selbstverständnis des Verbundsystems. „Wir verfolgen mit Firmenfitness, in der Form, wie wir es anbieten, eine einfache, pragmatische Lösung, um ohne administrativen Aufwand den Beschäftigten mehr Bewegung und Fitness zu ermöglichen.“

Für die Zukunft plant Hansefit, so der Geschäftsführer, noch weitere Verbundpartner hinzuzugewinnen, um die Abdeckung mit Fitnessangeboten bundesweit flächendeckend zu gewährleisten. „Auch soll den Beschäftigen in naher Zukunft eine Klassifizierung der Verbundpartner helfen, den für sie besten Partner in seiner Region zu finden“, erklärt Jens Pracht.

Verbundsysteme: Attraktiv für sportaffine Mitarbeiter, für die anderen gibt es Alternativen

„Das Bemerkenswerte an den Verbundsystemen wie Hansefit, Interfit und Qualitrain ist die große Attraktivität, die sie auf die Beschäftigten ausüben“, sagt Oliver Walle, Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement sowie der BSA-Akademie in Saarbrücken und Geschäftsführer eines BGM-Beratungshauses. Von daher stellten die Systeme durchaus eine wertvolle Bereicherung für das BGM dar. „Allerdings können sie ein BGM keinesfalls ersetzen“, so Walle. Denn erfahrungsgemäß seien es letztlich doch die ohnehin schon fitnessaffinen Mitarbeiter, welche derartige Möglichkeiten nutzen würden, Mitarbeiter mit gesundheitlichen Risikofaktoren sind eher die Ausnahme. „Ein BGM sollte aber gerade auch diese Beschäftigten im Auge haben, die oft keinerlei Bezug zu Sport- und Gesundheitsangeboten haben.“

Für Arbeitgeber, insbesondere KMU, könne es daneben auch Alternativen geben, so Walle. So könne es durchaus auch zielführend sein, direkt mit ausgewählten Fitnessanbietern vor Ort Kooperationen abzuschließen – gerade wenn es nur einen Standort gebe. „Interessant sind auch Gesundheitsportale: Über solche Plattformen, die das BGM unterstützen, können Betriebe eigene Angebote einstellen, die Mitarbeiter können aber auch externe Leistungen buchen“, so Oliver Walle.

Übersicht: Fitnessverbünde und Gesundheitsportale für Betriebe

Fit 4 Life
Die Sport- und Freizeitagentur Fit 4 Life bietet Mitgliedern den Besuch von Fitnessstudios, Wellnessanlagen, Golfplätzen, Tanzstudios, Kletter- oder Wasserski-Anlagen und Ähnlichem aus dem Partnerverbund. Möglich ist auch Beratung zur Konzeption von BGM oder zur betrieblichen Gesundheitsförderung.
www.firmenfitness-online.de
 

Hansefit
Hansefit bietet Mitarbeitern Zugang zu rund 1.600 Verbundpartnern in Deutschland. Dazu gehören Fitnessstudios, Schwimmbäder, Badminton- und Squashcenter, Kletteranlagen und auch Golfplätze. Über die Option „Twogether“ kann der Lebenspartner, ein anderes Familienmitglied oder auch ein Freund die Leistungen der Hansefit-Verbundpartner verbilligt nutzen.
www.hansefit.de


Interfit
Interfit verfügt über rund 1.800 Verbundpartner bundesweit – außer Fitnessstudios ebenfalls auch Schwimmbäder und Golfanlagen. Zusätzlich bietet Interfit auch ein Onlinefitness- und ein Onlineernährungsprogramm. Lebenspartner und Angehörige erhalten Sonderkonditionen.
www.interfit.de


Qualitrain
Qualitrain verfügt nach eigenen Angaben über bundesweit 2.000 Verbundpartner mit Sport-, Fitness- und Wellnesseinrichtungen, darunter auch Schwimmbäder, Yogastudios sowie Kletter- und Boulderhallen. Qualitrain bietet auch Unterstützung für Gesundheitstage und bei der Umsetzung eines BGM an.
www.qualitrain.net


Machtfit
Auf der Onlineplattform Machtfit können Arbeitgeber eigene Angebote, beispielsweise Betriebssport oder Kurse zur Gesundheitsförderung, integrieren, buchbar für die Mitarbeiter sind aber auch Angebote externer Anbieter. Arbeitgeber können die Bezuschussung der Angebote über die Plattform verwalten.
www.machtfit.de


Pro Fit
Mit Gesundheitsgutscheinen, die Unternehmen von der Pro Fit GmbH erhalten, können Mitarbeiter über ein individualisierbares Portal Sport- und Gesundheitsangebote aus dem Anbieternetzwerk der Pro Fit auswählen. Die Verwaltung und Rechnungsabwicklung erfolgt über Pro Fit.
www.profit-gutschein.de


Ticket Plus Fit & Gesund
Edenred, Anbieter von Gutscheinen und Gutscheinkarten, hat mit Ticket Plus Fit & Gesund sein Angebot ebenfalls auf den Fitnessbereich ausgedehnt. Mitarbeiter können die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Gutscheine zur Buchung von Kursen und Angeboten entsprechender Partner über die digitale Gesundheitsplattform „Gesundheit bewegt“ nutzen.
www.edenred.de/ticket-plus/fit/


Hinweis: Gewähren Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Firmenfitnessprogramme zu günstigeren Konditionen, stellt sich die Frage, wie dies lohnsteuerlich und sozialversicherungsrechtlich zu behandeln ist.  In Ausgabe 3/2019 des Personalmagazins erhalten Sie dazu einige Abrechnungstipps.

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