11.09.2012 | 5. iga-Expertendialog

Neue Managementtechniken - effektiv aber ungesund?

Zahlen gut, Kollege krank?
Bild: Haufe Online Redaktion

Neue Managementtechniken stecken die Ziele immer höher. Wenn Manager von ihren Mitarbeitern mehr fordern, kann das positive Auswirkungen haben. Doch es besteht auch die Gefahr, dass die Mitarbeiter über ihre Grenzen gehen.

Die neuen Techniken, die vom Management eingesetzt werden, wirken sich auf die Leistungsbereitschaft und das Gesundheitsverhalten der Beschäftigten aus. Daraus ergeben sich auch neue Herausforderungen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Wie diese aussehen und wie damit umzugehen ist, diskutierten Experten der Kranken- und Unfallversicherung.

Wenn nur noch das Ergebnis zählt

Vor allem die Organisation von Arbeit bzw. die Leistungssteuerung hat sich verändert, so Professor Krause. Bisher gab es eine direkte Steuerung. Das bedeutet, dass Mitarbeiter weisungsgebunden sind und ihre Arbeitsaufträge erhalten. Der einzelne Mitarbeiter muss kaum eigenverantwortliche Entscheidungen treffen. Von seinem Vorgesetzten erhält er Lob und Anerkennung oder bei Nichtbefolgen von Anweisungen zum Beispiel eine Abmahnung.

Heute setzen aber immer mehr Unternehmen auf eine indirekte Steuerung. Die Mitarbeiter sind nicht weisungsgebunden, müssen nun selbstständig auf neue Situationen und Bedingungen reagieren. Es zählt ausschließlich das Ergebnis der Arbeit. Die Arbeit muss sich für das Unternehmen wirtschaftlich lohnen. Der Mitarbeiter kennt die Kennzahlen und wird daran gemessen.

Vorteile und Nachteile neuer Managementtechniken

Modernes Management ermöglicht den Mitarbeitern einen größeren Handlungsspielraum. Das fördert die Produktivität. Außerdem kann es die Selbstwirksamkeit fördern oder die Anerkennung durch Kollegen und Kunden. Aspekte, die sich durchaus positiv auf die Gesundheit auswirken können.

Wer aber ausschließlich am Erfolg gemessen wird, verzichtet häufig auf Erholungspausen oder arbeitet zu lange. Solches Verhalten führt dazu, dass der Mitarbeiter seine Gesundheit riskiert.

Interessierte Selbstgefährdung

Große Autonomie mit hohen Entscheidungs- und Handlungsspielräumen kann das Phänomen der Interessierten Selbstgefährdung mit sich bringen. Das kann sich in folgenden Effekten widerspiegeln:

  • Erfolg wird als Gefahr wahrgenommen, wenn das Arbeitsergebnis immer besser sein muss.
  • Innerhalb oder zwischen einzelnen Teams steigt der Konkurrenzkampf.
  • Konflikte, die ein Mitarbeiter früher mit seinem Vorgesetzten hatte, hat er nun mit sich selbst.
  • Die Mitarbeiter empfinden sich selbst als Mitverursacher für den zunehmenden Leistungsdruck.
  • Kollegen verheimlichen Schwächen und erzählen nur Erfolgsgeschichten.
  • In Mitarbeiterbefragungen werden ausschließlich positive Angaben gemacht. Der innerbetriebliche Rückmeldeprozess funktioniert nicht mehr.

Schlagworte zum Thema:  Gesunde Führung, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung, Gesundheitsmanagement

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