| Burnout

Ein Begriff macht psychische Beschwerden salonfähig

Das Thema Burnout ist inzwischen ein Dauerbrenner - zum Leidwesen der Experten.
Bild: Haufe Online Redaktion

Lange Zeit hat die Gesellschaft über Depressionen und psychische Beschwerden geschwiegen. Jetzt ist das Thema ein Dauerbrenner, der mit dem Begriff Burnout „salonfähig“ geworden ist. Experten beurteilen diese Entwicklung allerdings kritisch.

Eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat für Aufsehen gesorgt. Darin heißt es, dass die Zahl der Krankschreibungen aufgrund von Burnout seit 2004 um 700 Prozent, die Anzahl der betrieblichen Fehltage sogar um fast 1.400 Prozent gestiegen sei. Für die Studie wurden Daten der großen gesetzlichen Krankenkassen ausgewertet. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass Burnout keine anerkannte psychische Erkrankung, sondern lediglich eine Zusatzkodierung sei.

Symptome wie bei Depressionen oder Angsterkrankungen

Die Diagnose Burnout gibt lediglich einen Hinweis darauf, dass der Erkrankte die Ursache seiner psychischen Beschwerden an seinem Arbeitsplatz sieht. Die Symptome sind emotionale Erschöpfung, geringe Zufriedenheit mit der eigenen beruflichen Leistung sowie das Gefühl des Arbeitsüberdrusses, häufig verbunden mit einer zynischen Grundhaltung. Doch diese Symptome treten auch bei Depressionen und Angsterkrankungen auf.

Gefahr der Polarisierung und Stigmatisierung

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) warnt davor, vorschnell den Begriff Burnout zu verwenden. Eine unzutreffende Bewertung könne zum Beispiel depressiv erkrankte Menschen stigmatisieren. Vor allem in Berichterstattungen wird häufig polarisiert. Die Medien verwenden den Begriff Burnout gerne im Zusammenhang mit Leistungsträgern und "Starken", den Begriff Depression dagegen häufig als eine Erkrankung der "Schwachen".

Gefahr der Verharmlosung

So wie mit dem Begriff umgegangen wird, besteht zudem die Gefahr, dass psychische Erkrankungen verharmlost werden. Doch gesundes Essen, Sport, Entspannungs- und Zeitmanagement-Training oder einfache Umstrukturierungen am Arbeitsplatz können psychische Störungen im Zusammenhang mit Arbeitsstress meist nicht beheben. Wer aufgrund einer Belastung am Arbeitsplatz psychisch erkrankt ist, benötigt meist eine qualifizierte Behandlung und Therapie.

Schlagworte zum Thema:  Depression, Psychische Belastung, Burn-out-Syndrom

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