17.08.2012 | Digitale Demenz

Computer legt Gehirn lahm

Verursachen Computer digitale Demenz?
Bild: Haufe Online Redaktion

Navigationsgeräte machen es möglich, dass wir unseren Weg finden, ohne zu wissen, wo wir sind. Apps und Computerprogramme rechnen und messen für uns. Beim Googeln stopfen wir unser Gehirn mit Informationen voll, doch hängen bleiben tun die wenigsten. Werden wir immer dümmer?

Professor Manfred Spitzer, Psychiater und Hirnforscher, hat eine Diskussion losgetreten, die uns alle angeht. Er behauptet, vom übertriebenen und falschen Umgang mit dem Computer würden wir dick, dumm und aggressiv. Viele Dinge, die wir früher mit dem Kopf gemacht haben, erledigen heute digitale Geräte wie Smartphones oder Navis. Vielleicht sollte man ergänzen, dass wir auch immer weniger mit dem Körper, mit Händen und Füßen machen. Dann wird Spitzers Lösungsvorschlag „leben“ noch verständlicher.

Auffälligkeiten bei Computer-Junkies

Koreanische Ärzte hatten bereits 2007 bei jungen Menschen, die sehr viel Zeit mit Computer und Internet verbringen, Auffälligkeiten beobachtet wie:

  • Störungen der Merkfähigkeit und Konzentration,
  • Schwierigkeiten beim Lesen eines Textes,
  • Abgeschlagenheit, Mattigkeit und Motivationslosigkeit.

Süchtig und überfordert

Digitale Medien beeinflussen den beruflichen und privaten Alltag enorm. Allerdings sind die Wirkungen und Nebenwirkungen relativ unbekannt. Doch es gibt in Deutschland 500.000 Internet- und Computersüchtige sowie weitere 500.000 Gefährdete, so ein Bericht der Bundessuchtbeauftragten. Und viele normale Nutzer sind von den Möglichkeiten der digitalen Welt überfordert. Kaum einer hat den richtigen und gesunden Umgang damit gelernt.

Googeln reicht den meisten

Interessant ist das Beispiel, das Spitzer hinsichtlich der Merkfähigkeit nennt. Was man googelt, muss man sich nicht merken. Man kann es ja immer wieder abfragen. Und so ist es. Oder erinnern Sie sich noch an den Inhalt der Informationen, die Sie zuletzt gegoogelt haben? Ähnlich ist es auch mit Wegstrecken. Kaum jemand kennt heute noch die Ortsnamen am Wegesrand. „Sie haben ihr Ziel erreicht“, genügt den meisten. Und auch nach dem Chatten weiß man weniger, worüber man sich ausgetauscht hat, als nach einem realen Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Das kann man tun, damit das Gehirn fit bleibt:

  • Regelmäßig zwischen Computerarbeit und Offline-Zeiten mit Bewegung und Aufenthalte im Freien wechseln.
  • Bei Facebook-Kontakten sich zu gemeinsamen Aktivitäten und gegenseitigen Besuchen verabreden.
  • Statt reinem E-Learning sich besser mit der Blended-Learning-Methode weiterbilden.
  • Weniger Informationen abrufen und diese in die Tiefe bearbeiten.
  • Den eigenen Umgang mit dem Computer – zum Beispiel die Recherchekompetenz – verbessern.
  • Den Computer- und Internetkonsum zeitlich beschränken.

Schlagworte zum Thema:  Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsmittel, Psychische Belastung

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