18.01.2012 | Sicherheit

Akten ordnen, bis der Arzt kommt - Wenn Langeweile krank macht

E-Mails sortieren, Aktenstapel von rechts nach links räumen, wahllos in Dokumenten herumtippen - Geschäftigkeit vorzutäuschen, ist harte Arbeit. So hart, dass sie auslaugen kann. Im schlimmsten Fall bis zum Boreout, dem Syndrom der Unterforderten.

"Unsere Gesellschaft ist gewissermaßen geteilt: Burnout haben die Erfolgreichen. Die bekommen das ganze Interesse", sagt der Psychotherapeut Wolfgang Merkle aus Frankfurt. "Menschen mit Boreout werden weniger beachtet, obwohl sie fast die gleichen Symptome haben."


Aktionismus soll das Nichtstun kaschieren - und das bedeutet Stress

Qualitative und quantitative Unterforderung gehen laut Peter Werder, Schweizer Unternehmensberater und Buchautor, miteinander einher. "Ohne eine quantitative Unterforderung müsste man ja schließlich keine Verhaltensstrategien anwenden." Und die gehören zum Boreout dazu.

Mit Verhaltensstrategien meint er den Aktionismus der Betroffenen, der das Nichtstun kaschieren soll. Eine davon sei paradoxerweise die Burnout-Strategie, bei der Boreout-Geplagte ihr Problem gewissermaßen ins Gegenteil umkehren und von früh bis spät im Büro sind, um Überlastung zu simulieren.

Wer Boreout hat, will arbeiten

Es stimmt daher nicht, dass Betroffene einfach nur faul sind. "Absoluter Blödsinn", sagt Werder zu solchen Vorwürfen. "Wer Boreout hat, will ja arbeiten und leidet darunter, dass er es nicht kann." Laut Merkle trifft es daher in der Regel sogar eher die Leistungsbereiten.

Eine Lösung kann Teilzeitarbeit sein

Bemerken Arbeitnehmer, dass ihr Büroalltag in diese Richtung driftet, sollten sie möglichst früh das Zepter in die Hand nehmen, rät Merkle.

Eine Lösung könne Teilzeitarbeit sein, ergänzt Werder. Wer sich unterfordert fühlt, sollte den Chef darauf ansprechen, dass die eigene Stelle eigentlich keine volle, sondern nur eine 80-Prozent-Stelle ist. "Das kann durchaus eine Lösung sein."

Zwar gibt es dann weniger Geld, aber im Büro ist man ausgelastet, und die freie Zeit kann man woanders sinnvoller verstreichen lassen.

Suchen Sie sich professionelle Hilfe

Ist die Erschöpfungsdepression schon eingetreten, sollten Betroffene die Symptome ihrem Hausarzt schildern, rät Merkle. Der schicke ihn wahrscheinlich zu einem Facharzt für psychosomatische Medizin. "Das kann mit ein bis zwei Gesprächen pro Woche schon geklärt werden." In einigen Fällen könne aber auch der beste Therapeut nichts mehr retten: "Manchmal hilft nur die Kündigung."

Schlagworte zum Thema:  Psychische Belastung

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