Sitz-Steh-Dynamik

Zusammenfassung

 

Begriff

Sitz-Steh-Dynamik ist der häufige Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegen bei der Displayarbeit mit dem Ziel, die einseitige Belastung durch langes Sitzen zu vermeiden. Die Sitz-Steh-Dynamik will einen durch Dauersitzen geprägten Arbeitsstil durch den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen zugunsten von mehr Bewegung verändern, um Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung zu verbessern. Sitz-Steh-Dynamik ist der zentrale Baustein für mehr Bewegung im Büro (Bürodynamik), denn wer nicht aufsteht, kann sich nicht bewegen. "Aufstehen, um sich zu bewegen" – so muss der Paradigmenwechsel überschrieben werden – statt "aufstehen, um sich zu setzen".

Davon zu unterscheiden ist die Steh-Sitz-Dynamik. Hier geht es um den Wechsel vom Stehen zum Sitzen mit dem Ziel, die einseitige Belastung durch langes Stehen zu vermeiden.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

§ 4 Abs. 2 Arbeitsschutzgesetz gibt den entscheidenden grundlegenden Hinweis: "Gefahren sind an der Quelle zu bekämpfen". So ist mehr Bewegung die beste und rezeptfreie Medizin, um den Bewegungsmangel zu behandeln.

Anhang 6.1 Abs. 1 ArbStättV fordert, dass die Grundsätze der Ergonomie auf die Bildschirmarbeitsplätze anzuwenden sind. Die Grundsätze der Ergonomie für die Gestaltung von Arbeitssystemen (ISO/DIS 6385:2014 in der Deutschen Fassung prENISO 6385:2014) fordert in Abschnitt 3.6.7.2: "Körpermaße und Körperhaltung" die Sitz-Steh-Dynamik: "Bei länger andauernden Aufgaben muss der Arbeitende in der Lage sein zwischen Sitzen und Stehen zu wechseln".

Anhang 6.1 Abs. 2 ArbStättV fordert: "Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass die Tätigkeiten der Beschäftigten an Bildschirmgeräten, insbesondere durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Erholungszeiten unterbrochen werden."

"Für die Beschäftigten ist ausreichend Raum für wechselnde Arbeitshaltungen und -bewegungen vorzusehen." (Anhang 6.1 Abs. 3 ArbStättV)

Die DGUV-I 215-410 "Bildschirm- und Büroarbeitsplätze" spiegelt den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis wieder. Der Wechsel zwischen Sitz- und Stehhaltung (Sitz-Steh-Dynamik) wird in Abschn. 7.3.1 unter den wichtigen Kriterien zur Auswahl von Tischen explizit genannt. Unter dem Stichwort Höhe wird erneut die Bedeutung der Verhältnisse für den Wechsel betont: "Unter Berücksichtigung der Verstellmöglichkeiten des Arbeitstisches/der -fläche sollte die Arbeitshöhe an die unterschiedlichen Körpermaße des Menschen und die Arbeitsaufgabe sowohl im Sitzen als auch im Stehen angepasst werden können (Abbildung 30). Die Arbeitsflächenhöhe hat einen wesentlichen Einfluss auf die Körperhaltung."... "wirken sich günstig auf den Bewegungsapparat des Menschen aus, wenn durch die Bereitschaft zur Nutzung der Höhenverstellung die Sitz-Steh-Dynamik gefördert wird."

Das "nutzende" Verhalten des Mitarbeiters ist Dreh- und Angelpunkt, damit Sitz-Steh-Dynamik erfolgreich ist.

1 Lebensprinzip Bewegung

Bewegung ist ein notwendiges Lebensprinzip und ein unverzichtbarer Entwicklungsimpuls. Egal, ob wir auf der Couch oder nur im Bett liegen oder als Astronaut im All der Schwerelosigkeit ausgesetzt sind: Ohne Bewegung

  • keine Atmung,
  • kein Herzschlag,
  • kein venöser Rückfluss,
  • keine Bandscheibenernährung.

Wir stehen auf, um uns zu setzen. Wir sind mobiler, aber nicht bewegter, folglich sind Rückenprobleme durch den Sitzmarathon bereits seit vielen Jahrzehnten die Volkskrankheit Nr. 1.

1.1 Dauersitzen ist teuer

Die Missachtung des Lebensprinzips Bewegung kostet die Gesellschaft Milliarden. Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre haben eindeutig gezeigt, dass keine Lösungen zu erwarten sind, wenn wir das Sitzen noch bequemer machen. Es gilt, das "dynamische System" unseres Körpers anzusprechen, ohne dabei Einbußen in den notwendigen Arbeitsprozessen hinnehmen zu müssen.

Sitzen ist immer eine rückenfeindliche Körperhaltung. Insbesondere das Arbeiten am PC bringt unseren Organismus – ein dynamisches System aus 632 Muskeln, die normalerweise über 50 % unserer Körpermasse ausmachen – in eine Zwangshaltung, die "zwangsläufig" zu Schäden führen muss. Der Mensch ist das einzige Wesen auf der Erde, das mit einer senkrechten Körperachse ausgestattet ist. Verändert er diese auf Dauer (8 Stunden Schreibtisch), müssen an der Architektur der Wirbelsäule Schäden entstehen, wie es millionenfach nachgewiesen ist.

Rückenschmerzen sind und bleiben eine Volkskrankheit, so der "Faktencheck Rücken" der Bertelsmann-Stiftung:

  • Jeder fünfte gesetzlich Versicherte geht mindestens einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen zum Arzt;
  • 27 % davon suchen sogar 4-mal oder öfter einen Arzt auf;
  • von den jährlich mehr als 38 Mio. rückenschmerzbedingten Besuchen bei Haus- oder Fachärzten und den dabei veranlassten 6 Mio. Bildaufnahmen wären viele vermeidbar.

Rückenschmerzen haben laut DAK-Gesundheitsbericht 2016 die höchste Behandlungsquote. Die Zahlen:

  • 4,1 % der deutschen Erwerbstätigen waren durchschnittlich an jedem Arbeitstag arbeitsunfähig erkrankt (das entspricht durchschnittlich 15 Krankenstandstagen pro Erwerbstätigen im Jahr);
  • 50,4 % der Mitglieder der DAK-Gesundheit hat...

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