Psychische Belastungen und Unternehmensstrukturen

Welche Zusammenhänge bestehen zwischen psychischen Belastungen und Unternehmensstrukturen? Wir gehen der Frage nach, was eigentlich "Gute Arbeit" aus Sicht der Mitarbeiter ist. Es wird besonders diskutiert, welche Kraftquellen und Unterstützungsmöglichkeiten es im Unternehmen gibt. Eine besondere Rolle dabei spielt die Art der Führung, ein gesundheitsförderliches Führen ist gar nicht so schwer! Sie erfahren auch, welche Besonderheiten in unterschiedlichen Branchen zu berücksichtigen sind.

1 Was ist gute Arbeit? – Die Sicht der Mitarbeiter

Aus der Forschung liegen umfangreiche Erkenntnisse vor, wie Arbeit gestaltet sein sollte, um psychische Belastungen für die Beschäftigten zu vermeiden.

2004 wurde die Studie "Was ist gute Arbeit" durchgeführt, mit dem Ziel, eine gesellschaftliche Debatte über die Qualität von Arbeit anzuregen. Die 5.400 Befragten sollten die Aspekte guter Arbeit benennen. Es kristallisierten sich mehrere Kernelemente guter Arbeit heraus (Abb. 1):

  • festes und verlässliches Einkommen
  • unbefristete Beschäftigung
  • kreative Fähigkeiten in die Arbeit einbringen und entwickeln zu können
  • den Sinn der Arbeit zu erkennen
  • Anerkennung
  • soziale Beziehungen
  • Achtung und Schutz der Gesundheit

Abb. 1: Faktoren, die aus Sicht der Erwerbstätigen "gute Arbeit" ausmachen

Es besteht ein großes Bedürfnis nach Sicherheit, sowohl im Hinblick auf das Arbeitseinkommen, als auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes. So sind abhängig Beschäftigte auch mit keinem Bereich derart unzufrieden, wie mit dem Verhältnis von Einkommen und Leistung. Noch immer gibt es ja auch einen engen Zusammenhang zwischen dem verfügbaren Einkommen und dem Gesundheitszustand und der Sterblichkeit (Abb. 2).

Abb. 2: 10-Jahres-Mortalität nach beruflicher Stellung (Whitehall 1-Studie, N = 17.000)

An zweiter Stelle folgen Faktoren aus dem psychosozialen Bereich, wie Entwicklungsmöglichkeiten in einer sinnvollen und anerkannten Arbeit zu finden. Das Knüpfen von sozialen Beziehungen ist wichtig für gute Arbeit. Als letzter Themenkomplex wird der Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz genannt.

1.1 Ressourcenanalyse

Auch wenn psychische Belastungen am Arbeitsplatz nicht immer vermeidbar sind, können Arbeitgeber jedoch viel dafür tun, damit die Beschäftigten psychische Fehlbelastungen vermeiden oder abbauen können. Dazu gehört die Entwicklung der sozialen und beruflichen Fähigkeiten der Mitarbeiter, aber auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Neben einer Feststellung der Belastungsfaktoren in einer Gefährdungsanalyse ist auch eine Bestandsaufnahme der Ressourcen sinnvoll. Mit einer gezielten Förderung der Ressourcen lassen sich Belastungsfaktoren zumindest teilweise wieder ausgleichen.

Wichtig

Ziele der Ressourcenentwicklung

Handlungssicherheit in der Aufgabenbewältigung erhöhen z. B. durch:

  • klar definierte Aufgaben und Aufgabenziele
  • Vermittlung notwendiger Kenntnisse und Informationen
  • Handlungsspielräume (Zeitpuffer, Arbeitsstil)
  • Unterstützung
  • Gestaltung von Arbeitsmitteln und Umgebung

Sinnhaftigkeit der Arbeit vermitteln/verbessern z. B. durch:

  • anspruchsvolle Aufgabengestaltung
  • Kooperations- und Kommunikationsmöglichkeiten
  • Erläuterung der Aufgabenziele
  • Vermittlung der Unternehmensziele

Anerkennung und Erfolgserleben sicherstellen z. B. durch:

  • realistische Leistungsziele
  • regelmäßige Rückmeldungen zum Leistungsverhalten
  • materielle und immaterielle Anreize

Interessen und Ziele der Mitarbeiter berücksichtigen z. B. durch:

  • Beteiligung der Mitarbeiter bei der Gestaltung von Aufgaben und Arbeitsumgebung
  • Vermeidung gesundheitlicher Gefährdungen
  • berufliche Entwicklungschancen
  • angemessene, gerechte Entlohnung
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Der Arbeitsprozess birgt grundsätzlich Entwicklungspotenziale für die Mitarbeiter und durch die Art der Arbeits- und Organisationsgestaltung können diese Potenziale gefördert werden. In der Studie "Was ist gute Arbeit?" wurde danach gefragt, in welchem Maße den Mitarbeitern verschiedene Ressourcen zur Verfügung stehen.

Abb. 3: Ansätze für Ressourcenentwicklung

Auch hier stehen psychosoziale Faktoren ganz oben: Soziale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte sowie positive Rückmeldungen über das Arbeitsergebnis sind die wichtigsten drei "Kraftspender" bei der Arbeit. Während 83 % der Beschäftigten viel Unterstützung durch ihre Kollegen bekommen, fühlen sich nur ca. die Hälfte auch von ihren Vorgesetzten unterstützt! Zur sozialen Unterstützung durch Vorgesetzte gehören:

  • Beachtung und Wertschätzung,
  • auf Zufriedenheit der Mitarbeiter achten,
  • Hilfe und Unterstützung bei Bedarf,
  • gute Planung der Arbeit,
  • gute Konfliktlösung,
  • Anerkennung,
  • Beachtung der Entwicklung der Mitarbeiter.

1.2 Salutogenese

Die Salutogenese wählt einen anderen Ansatz der Gesundheitsförderung. Es wird nicht gefragt: "Wie entsteht Krankheit?", sondern: "Wie entsteht Gesundheit?". Gesundheit und Krankheit werden in diesem Modell nicht als gegensätzliche Zustände verstanden, sondern als jeweilige Endpunkte eines Kontinuums.

Abb. 4: Gesundheits-Krankheits-Kontinuum

Kern des Salutogenese-Modells sind die ...

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