Präsentismus und Präsentismus-Management

Zusammenfassung

 
Überblick

Gesundheitsprobleme bei Mitarbeitern, die anwesend sind, führen zu erheblichen Produktivitätsverlusten. Präsentismus-Management bietet eine realistische Möglichkeit, die Verluste zu reduzieren.

Der Produktivitätsverlust durch Gesundheitsprobleme ist bedeutsam: Er beträgt ca. 10–15 % der Gesamtproduktivität. Präsentismus-Management lohnt sich also. Als Grundlage ist eine unternehmensspezifische Analyse erforderlich, weil die Gesundheitsprobleme und ihre Auswirkungen auf die Produktivität unterschiedlich sind. Die Analyse liefert Daten, um die Maßnahmen des Präsentismus-Managements zu entwickeln und das Betriebliche Gesundheitsmanagement zu optimieren. Präsentismus-Management hat eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit, lässt günstige ROIs erwarten und führt zu einer Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmen.

1 Nicht krank – aber auch nicht gesund!

Nicht alle Mitarbeiter sind am Arbeitsplatz immer voll leistungsfähig; viele aufgrund von Gesundheitsproblemen, wegen denen man aber nicht krankgeschrieben ist. Solche Gesundheitsprobleme können sein: Kopf- oder Rückenschmerzen, Allergien, Schlafprobleme, Migräne oder der tägliche (gesundheitsgefährdende) Stress usw. Das Phänomen kennt jeder, mehr oder weniger häufig, mehr oder weniger intensiv, begleitet von mehr oder weniger Unwohlsein und Leistungsreduktion.

 
Praxis-Beispiel

Migräne und Arbeitsleistung

Eine 31-jährige Ingenieurin beschreibt ihre Arbeitstage mit Migräne so: "Man fühlt sich wie benebelt. Es ist schwer, sich zu konzentrieren. Letztlich schleppt man sich irgendwie durch den Tag."[1] Das Resultat: eine Arbeitsleistung, die nicht mal 50 % beträgt.

Die geringere Leistung entsteht durch geringe Konzentrationsfähigkeit, langsameres Arbeiten, mehr Fehler, mehr Pausen, mehr Unfälle usw.

Forschung zum Phänomen Präsentismus begann schon in den 1990er-Jahren. Studien aus den USA[2], den Niederlanden[3], Dänemark[4] und Kanada[5] legen nahe, dass Präsentismus durch Gesundheitsprobleme ein erhebliches Problem für Unternehmen darstellt. Sind die Haupt-Gesundheitsprobleme in einem Unternehmen bekannt, ergeben sich Ansatzpunkte, das Problem zu reduzieren.

Schon 2007 betonte Badura[6] die große Bedeutung des Präsentismus: "An die Stelle des Absentismus tritt der Präsentismus als Haupt-Problemstellung, die neue Antworten fordert."

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) oder Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) gehören in vielen Unternehmen inzwischen zum Standard. Unternehmen ist es wichtig, ihren Beitrag zur Gesundheit der Mitarbeiter zu leisten. Präsentismus-Management ermöglicht es, die Gesundheitsaktivitäten noch gezielter auf die Gesundheitsprobleme auszurichten, von denen die Mitarbeiter tatsächlich am häufigsten betroffen sind, bzw. unter denen sie am meisten leiden.

[1] Hemp, Krank am Arbeitsplatz, Harvard Business Manager 1/2005, S. 47–60.
[2] Goetzel et al., Health, absence, disability and presenteeism cost estimates of certain physical and mental health conditions affecting U.S. employers, J Occup Environ Med, 2004, S. 398–412.
[3] Alavina et al., Productivity loss in the workforce: association with health, work demands an individual characteristics. Am J Indust Med 2008, S. 49–56.
[4] Hansen/Anderson, Going ill to work: what personal circumstances, attitudes and work-related factors are associated with sickness presenteeism? Soc Sci Med 67, 2008, S. 956–964.
[5] Caverly et al., Sickness presenteeism, sickness absenteeism and health following restructuring in a public service organization, J Manag Stud, 2008, S. 304–319.
[6] Badura, Fehlzeiten-Report 2006, 2007.

2 Präsentismus und Produktivität

Präsentismus wirkt sich häufig auf die Leistung eines Menschen aus – mehr oder weniger.

2.1 Was ist Präsentismus?

Der Begriff Präsentismus lehnt sich an den gängigen Begriff Absentismus an. Bewährt hat sich eine breite Definition.

 
Wichtig

Definition Präsentismus

Beim Präsentismus sind die Mitarbeiter anwesend, aufgrund gesundheitlicher Probleme aber nicht voll leistungsfähig.

Im unternehmerischen Kontext hat sich für Präsentismus die folgende Definition eingebürgert, die die Produktivitätsverluste mit einbezieht[1]:

Präsentismus = Produktivitätsverluste bei anwesenden Mitarbeitern durch tatsächliche Gesundheitsprobleme.

 
Wichtig

Maßstab ist die "übliche" Arbeitsleistung

Maßstab für die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin ist nicht eine hypothetische 100 %-Leistung, sondern seine oder ihre persönliche Normalleistung.

Bei diesen Gesundheitsproblemen handelt es sich um Gesundheitsprobleme, derentwegen man üblicherweise nicht zu Hause bleibt, z. B. Saison-Allergien, leichte Kopfschmerzen, schlechter Schlaf.

Betroffen sind aber auch Menschen, die krank sind und eigentlich zu Hause bleiben sollten, z. B. bei schwerer Erkältung, Grippe, Migräne. Diese Gruppe macht aber nur einen kleinen Teil des Präsentismus aus, der auch als Krankheits-Präsentismus bezeichnet wird.

Zu den Gründen, warum kranke Menschen zur Arbeit kommen, zitieren Hollmann und Heyer[2] die INQA-Befragung "Was ist gute Arbeit?". Als Gründe werden hauptsächlich genannt:

  • Stärkere Ergebn...

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