Pflegearbeiten

Zusammenfassung

 
Begriff

Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen. Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse, Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.[1]

In Deutschland sind die Berufsbilder Altenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger und Gesundheits- und Krankenpfleger mit professioneller Pflege befasst.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Das Rechtssystem im Gesundheitswesen ist in unterschiedliche, weitgehend unabhängig geregelte Bereiche unterteilt, in denen jeweils auch Pflegearbeiten eine Rolle spielen:

  • stationäre Krankenpflege (Krankenhäuser),
  • stationäre Alten- und Behindertenpflege (Alten-, Wohn-, Pflegeheime),
  • ambulante Pflege (häusliche Alten- und Krankenpflege).

Eine allgemeine gesetzliche Grundlage für Pflegearbeiten gibt es damit nicht.

Auch im Arbeitsschutz gibt es keine grundlegende Regelung für Pflegearbeiten mehr. Die ehemalige BGV C8 "Gesundheitsdienst" wurde 2005 zurückgezogen und nicht ersetzt. Auf den medizinischen Bereich beziehen sich speziell die DGUV-R 101-017 "Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen".

Alle weiteren relevanten Arbeitsschutzthemen müssen aus den allgemein gültigen Vorschriften auf Pflegearbeiten entsprechend bezogen werden. Das gilt z. B. für Lastenhandhabungsverordnung, Gefahrstoffverordnung, Infektionsschutzgesetz, Arbeitszeitgesetz, Mutterschutzgesetz, ArbmedVV u. v. m.

[1] Definition nach International Council of Nurses ICN entsprechend der deutschen Übertragung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe DVfK und der deutschsprachigen Partnerorganisationen.

1 Bedeutung des Arbeitsschutzes in Pflegeberufen

Pflegeberufe gehören zu den gesundheitlich besonders hoch belasteten Berufsgruppen. Dazu tragen eine Vielzahl von Faktoren bei:

  • hohe physische Belastungen (Gehen, Stehen, Heben, Tragen, Schicht-, Nachtarbeit),
  • hohe psychische Belastungen (Arbeitsverdichtung, Stress, Umgang mit Leid, familien- und freizeitunfreundliche Arbeitszeiten),
  • spezifische Gesundheitsbelastungen (Infektionsgefahr, Umgang mit Desinfektionsmitteln und Medikamenten, Hautbelastung durch Handschuhtragen).

Besonders die ersten beiden Faktoren tragen erheblich dazu bei, dass die Berufsverweildauer in Pflegeberufen sehr niedrig ist. Für die letzten Jahrzehnte wurde davon ausgegangen, dass nach einer 3-jährigen Ausbildung Pflegekräfte nur durchschnittlich etwa 10 Jahre im Beruf blieben. Neuere Erkenntnisse gehen allerdings von einer steigenden Berufsverweildauer aus.

Außerdem ist der Krankenstand unter Pflegenden deutlich höher als im Durchschnitt der Beschäftigten. Nur ein sehr geringer Anteil der Pflegekräfte ist bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter im Beruf tätig.

In Zukunft wird es immer wichtiger werden, Pflegende möglichst lange im Beruf und arbeitsfähig zu halten:

  • Dem Ausbildungsaufwand muss ein möglichst großer "Pflegenutzen" entsprechen, damit das Gesundheitssystem von einer qualifizierten Ausbildung profitieren kann.
  • Wegen der zu erwartenden demografischen Entwicklung müssen in Zukunft deutlich mehr Pflegebedürftige versorgt werden, bei einem insgesamt sinkenden Angebot an Arbeitskräften.
  • Nicht zuletzt ist es für jede einzelne Pflegekraft wünschenswert, dass der gewählte Wunschberuf lange und in befriedigender Art und Weise ausgeübt werden kann.

Daher ist es Aufgabe der Verantwortlichen im Arbeitsschutz, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Pflegekräfte nicht wegen zu großer Belastungen aus dem Beruf gedrängt werden. Das ist wegen der schwierigen wirtschaftlichen und organisatorischen Bedingungen im Gesundheitswesen eine anspruchsvolle Aufgabe, die ein hohes Maß an Einblicken in das Arbeitsfeld, Kommunikationsfähigkeit und Überzeugungskraft erfordert.

 
Praxis-Tipp

Aufbruch Pflege

"Aufbruch Pflege" ist eine langfristig angelegte Kampagne der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), die den Unternehmen praxisnah Wege aufzeigen will, die Gesundheit der Beschäftigten mit "optimierten organisatorischen Strukturen zu erhalten und zu fördern".

Dazu steht ein Katalog von Angeboten zur Verfügung, aus dem unter Beratung und mit Unterstützung der BG für den einzelnen Betrieb individuell zugeschnittene Programme entwickelt werden können, z. B. mit Mitarbeiterbefragungen, Organisationshilfen, Prävention bei Haut- und Rückenerkrankungen, QM-Strategien, umfangreichen Info- und Schulungsangeboten, Beratung vor Ort.

"Aufbruch Pflege" wendet sich an alle Pflegeberufe, die meisten Angebote gibt es zzt. aber für den Bereich Altenpflege.

2 Schwerpunkte im Arbeitsschutz

2.1 Infektionsgefahr

Durch den int...

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