Manuelle Lastenhandhabung: ... / 3 Regeln für belastungsarmes Heben

"Prävention = Vorbeugen" ist auch hier das Geheimrezept. Wenn Sie sich in ein fremdes Auto setzen, kontrollieren Sie auch zuerst den Rückspiegel und stellen sich den Sitz ein. Denn es geht um Ihre Sicherheit und Gesundheit. Dieses Beispiel kennen bestimmt auch Ihre Mitarbeiter. Auch diese sollen zuerst die Last kontrollieren und dann ihre Haltung, bevor sie heben. In den nachfolgenden Kapiteln sind Regeln für die körpergerechte Handhabung von Lasten, die Lastgestaltung und den sicheren Arbeitsplatz zusammengefasst.

3.1 Regeln für die körpergerechte Handhabung von Lasten

Die TOP TEN

  1. Stellen Sie zunächst Gewicht, Form und Griffmöglichkeit Ihrer Last fest!
  2. Sorgen Sie, wenn möglich, für eine feste und rutschfeste Unterlage!
  3. Denken Sie daran, welche Fußstellung Sie einnehmen wollen, bevor Sie mit der Arbeit beginnen!
  4. Riskieren Sie nie durch zu schweres oder ruckartiges Heben Verzerrungen!
  5. Heben Sie ruhig und sicher!
  6. Vermeiden Sie hohes Arbeitstempo!
  7. Heben und drehen Sie nie gleichzeitig! Heben Sie zuerst und drehen dann – und zwar auf den Füßen und nicht im Rücken!
  8. Setzen Sie die Last mit der gleichen Körperhaltung, in der Sie sie gehoben haben, wieder auf den Boden. Lassen Sie sie nicht plötzlich auf den Boden knallen!
  9. Wenn möglich, ziehen oder schieben Sie Ihre Last. Nie unnötig heben!
  10. Nutzen Sie Arbeitsunterbrechungen und Pausen zur Erholung und Abwechslung!
 
Praxis-Tipp

Pausen und Tätigkeitswechsel

Schweres Heben und Tragen in Zwangshaltungen bedeutet für alle Körperstrukturen Belastung. Unter Zwangshaltung versteht man in der Arbeitsmedizin jede Form von Haltung des Körpers oder von Körperteilen, die die Arbeitsaufgabe dem Körper abverlangt, weil sie ausschließlich in dieser Position verrichtet werden kann und eine Änderung dieser Position ausgeschlossen ist, z. B. Überkopfarbeit in Werkstätten mit dem Halten des Werkzeugs.

Empfehlen sie Pausenangebote. Zur Entlastung des Venensystems und des Beckenbodens ist Sitzen und Füße hochlegen zu empfehlen.

Eine andere Erholungsphase geschieht durch Tätigkeitswechsel, z. B. Bestücken von Paletten und Etikettieren, Patienten waschen und umbetten im Wechsel mit Richten und Austeilen der Medikamente.

Erhalt bzw. Ausbau der eigenen körperlichen Ressourcen durch gezieltes Training für die Muskelkraft und Kraftausdauertraining wirkt sich unterstützend aus.

3.2 Regeln für die Lastgestaltung

Wenn Sie Einfluss auf die Lastgestaltung haben, sollten folgende Regeln Sie leiten:

  1. Schwere Lasten vermeiden: Denken Sie an das Hebelgesetz, jedes Gramm weniger Last kommt der Wirbelsäule zugute.
  2. Schwere Lasten sollten zu zweit tragbar sein! Sprechen Sie vorher ab, wer wie die Last anhebt und greift. Ist die Last erst einmal in der Luft, wird ein Umgreifen, ohne die Last wieder abzustellen, schwierig.
  3. Unhandliche oder sperrige Lasten vermeiden: Das Schädigungsrisiko nimmt bei Unhandlichkeit zu. Große sperrige Lasten verursachen Sichteinschränkungen und Stolpergefahr.
  4. Instabile, bewegliche oder sich bewegende Lasten vermeiden: Plötzliche Bewegungen der Last, z. B. durch Verrutschen, verursachen ruckartige unkontrollierte Bewegung und damit Verletzungsgefahr.
  5. Gefährliche Lasteigenschaften vermeiden: Erhöhte Verletzungsgefahr besteht durch raue oder ölige Oberflächen, scharfe Schneiden, ätzende Flüssigkeiten oder glühendes Eisen.

3.3 Regeln für den sicheren Arbeitsplatz

Für die Fachkraft für Arbeitssicherheit stehen folgende Regeln im Vordergrund:

  1. Ausreichend Bewegungsfreiheit schaffen:

    • Ungünstige Körperhaltungen erhöhen den Verlust der Haltungsstabilität.
    • Beengte Arbeitsbereiche erschweren das Manövrieren schwerer Lasten.
    • Ermüdungsgefahr beim Halten von Gewichten über Kopf.
    • Entlastungsstellungen und Gegenbewegungen der gebeugten Haltung benötigen Raum.
  2. Vermeidung von unebenen, rutschigen und instabilen Fußböden:

    • Bereits beim Stolpern wirken hohe Kräfte auf Knorpel, Knochen und Gelenke; sie übersteigen ein Vielfaches des Körpergewichts.
    • Besondere Gefährdung durch instabile Fußböden ist auf Schiffen, in Flugzeugen, Zügen und auf mobilen Plattformen zu finden.
  3. Vermeiden von Schwellen, Absätzen oder ungleichen Fußbodenoberflächen:

    • Sturzgefahr beim Tragen über Rampen, Leitern und Treppen.
    • Erhöhte Kompressionskräfte auf die Wirbelsäule durch Abwärtsgehen.
    • Erhöhte Muskelkräfte beim Bergaufgehen erforderlich.
  4. Tragen geeigneter Arbeitsschuhe:

    • Ungeeignetes Schuhwerk reduziert die natürliche Fußdynamik und verursacht punktuelle Überlastung der Fußsohlen.
    • Geeignete Sohlen- und Schaftgestaltung erhöhen die Stand- und Gangsicherheit.
  5. Vermeidung schlechter Sichtverhältnisse:

    • Schlechte Sichtverhältnisse können verursacht werden durch zu große Lasten, zu geringe Beleuchtungsstärken, Blendungen und ungleichmäßige Ausleuchtung; Gefahr von Stolpern, Stürzen, Anstoßen und Ausgleiten.
  6. Vermeidung extremer Temperaturen:

    • Handschweiß verringert die Griffsicherheit und erfordert höhere Haltekräfte der Muskulatur. Schnellere Ermüdung verlangt Arbeitsunterbrechungen und Ausgleichsbewegungen.
    • Niedrige Temperatur verursacht Auskühlung der Muskulatur, was Koordinationsschwierigkeiten zur Folge haben kann.
    • Handschuhe und andere Schutzkleidung wiederum behind...

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