Leitern: Bauarten und Auswahl / 3.1 Auswahl der Bauart

Zu den gebräuchlichsten Leiterbauarten zählen die Anlegeleitern, die Stehleitern und die Mehrzweckleitern. Konkrete Anforderungen enthält die europäische Norm für Leitern EN 131, für einige Sonderbauarten auch noch die Norm DIN 4567. Die wesentlichen Konstruktionsmerkmale sind in Tab. 2 (vgl. Abschn. 5) zusammengestellt.

Für die richtige Wahl der Leiter kann die Frage, ob die Leiter als Verkehrsweg oder als Arbeitsplatz dienen soll, ausschlaggebend sein. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) legt fest, dass von Leitern aus nur Arbeiten geringen Umfangs ausgeführt werden dürfen. Nach der DGUV-V 38 "Bauarbeiten" sollen Anlegeleitern nur in begrenztem Umfang als Arbeitsplatz für "Bauarbeiten" dienen. Zu den Bauarbeiten gehören gemäß DGUV-V 38 insbesondere Maler-, Reinigungs-, Wartungs- und Inspektionsarbeiten, elektrotechnische Arbeiten sowie Montage- und Instandhaltungsarbeiten.

Die Anlegeleiter ist aus ergonomischer Sicht als Arbeitsplatz eher ungünstig. Sie bietet dem Fuß nur eine Standfläche geringer Größe, eine Sprosse oder bestenfalls eine Stufe. Sicheres Stehen auf einer Sprosse oder Stufe ist nur durch Halten mit mind. einer Hand möglich. Freies Stehen, wie es eine Stufenstehleiter mit Plattform zulässt, Stehen in Grätschstellung auf den jeweils drittobersten Sprossen/Stufen oder Sitzen auf den obersten Sprossen, wie es eine beidseitig besteigbare Stehleiter zulässt, ist auf der Anlegeleiter nicht möglich.

Nach TRBS 2121 Teil 2 kann die Anlegeleiter als Verkehrsweg bis zu einem Höhenunterschied von i. d. R. 5 m zulässig sein. Von Stehleitern aus darf nicht auf höher gelegene Arbeitsplätze übergestiegen werden. Beim Überstieg kann durch den Leiterbenutzer eine seitlich wirkende Kraft auf die Stehleiter ausgeübt werden, die die Standsicherheit aufhebt und die Stehleiter zum Umkippen bringt. Stehleitern sind daher als Verkehrsweg nicht zulässig.

Im Folgenden werden die gebräuchlichen Bauarten, differenziert nach Regel- und Sonderbauarten, kurz vorgestellt.

3.1.1 Regelbauarten

  • Anlegeleitern: Anlegeleitern sind Leitern, die zu ihrer Benutzung angelegt werden. Sie können auch aus Einzelleitern/Leitersegmenten zusammengesetzt sein (z. B. Schiebe-/Seilzugleitern, Teleskopleitern nach EN 131-6) und sich somit in der Länge verstellen lassen.

    • Schiebeleitern sind 2- oder 3-teilig erhältlich und müssen ohne weitere Hilfsmittel ausgezogen werden. Anschläge begrenzen die maximal zulässige Auszugslänge. Die einzelnen Leiterteile sind ggf. abnehmbar, um Transport und Handhabung zu erleichtern, wenn einmal nicht die gesamte Leiterlänge benötigt wird.
    • Seilzugleitern haben demgegenüber den Vorteil, dass die Leiterteile über Seile ausgefahren werden; dafür können sie jedoch nicht voneinander getrennt eingesetzt werden.
    • Teleskopleitern sind aus Holmsegmenten zusammengesetzte Leitern; jedes Segment rastet beim Ausziehen der Leiter ein. Konstruktionsbedingt weisen diese Leitern nicht die gleiche Stabilität wie übliche Leiterkonstruktionen mit einteiligen Holmen auf, lassen sich dafür jedoch aufgrund der geringen Größe gut transportieren und lagern.
    • Seit dem 1.1.2018 müssen alle Anlegeleitern/Leiterteile mit Längen größer 3 m eine Standverbreiterung (der Abstand zwischen den Leiterfüßen ist größer als zwischen den Holmen) aufweisen. Diese ist meist als Traverse ausgeführt.
  • Stehleitern: Stehleitern sind freistehende Leitern mit 2 Schenkeln: einem Steigschenkel mit Plattform und einem Stützschenkel (einseitig besteigbare Stufenstehleiter mit Plattform) oder 2 Steigschenkeln und damit beidseitig besteigbar (umgangssprachlich auch als "Bockleiter" bezeichnet, da sie oft in Grätschstellung benutzt werden). Stehleitern können auch mit 2 Leiterteilen erweitert sein (höhenverstellbare Stehleitern). Sie können am Fußende Rollen haben (fahrbare Stehleitern), ab Werk mit 1 bis 4 Holmverlängerungen ausgestattet sein (zum universellen Höhenausgleich, z. B. in Treppenhäusern) oder als besonders standsichere Podestleitern (EN 131-7) konstruiert sein. Die höhere Standsicherheit kann durch längere Standverbreiterungen (Traversen) oder einschwenkbare Stützen erbracht werden. Durch die Möglichkeit, eine Stütze einschwenken zu können, lassen sich auch Arbeiten wandnah durchführen.

    Podestleitern zeichnen sich darüber hinaus auch durch eine größere Plattform mit dreiteilig ausgeführter Umwehrung aus und sollten daher im gewerblichen Bereich bevorzugt eingesetzt werden.

  • Mehrzweckleitern: Mehrzweckleitern haben in der einteiligen Ausführung Gelenke zur Anwendung als Anlege- oder Stehleiter sowie – mit zusätzlicher Belagbohle – als Kleingerüst. Zwei- und dreiteilige Mehrzweckleitern lassen sich entweder als Steh- oder als Anlegeleitern aufstellen und verwenden und können auch höhenverstellbar sein. Auch hier gilt: da sich Mehrzweckleitern in der Position "Anlegeleiter" verwenden lassen, müssen diese bei Längen größer als 3 m ab 1.1.2018 eine Standverbreiterung aufweisen.

3.1.2 Sonderbauarten

Sonderbauarten finden im privaten Bereich normalerweise keine Verwendung, sie werden daher "Leitern ...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Arbeitsschutz Office. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Arbeitsschutz Office 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesene beiträge